Smartphones Notebooks für die Hosentasche

"Smart" heißt klug, und inzwischen verdienen Smartphones dieses Prädikat: Wer die Hybriden aus Handy und PDA bisher eher doof fand, sollte genauer hinsehen. Gerade auf Reisen ist man mit den handlichen Kleinstrechnern oft besser bedient als mit einem ausgewachsenen Notebook.


E-Mails abrufen, Termine verwalten, fotografieren, berechnen, präsentieren - aktuelle Smartphones übernehmen zahlreiche Notebook-Funktionen. Wer bei der alltäglichen Arbeit längst nicht alle Befehle und Möglichkeiten beispielsweise von Excel und Word benötigt, ist mit den kleinen Kombinationen aus Pocket-PC und Mobiltelefon oftmals besser bedient. Außer dem wesentlich geringeren Umfang und niedrigeren Gewicht, fallen auch die Anschaffungskosten deutlich geringer aus.

Klassisches Smartphone: Das Nokia 9500 gilt noch immer als Archetyp der Kreuzung von Handy und PDA
DDP

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"Viele Mitarbeiter sind unterwegs mit einem Handheld besser bedient als mit einem Notebook", sagt Markus Müller, Geschäftsführer der ubitexx GmbH. Er geht davon aus, dass 2010 bereits vier von fünf Business-Handy-Inhabern mit einem Smartphone arbeiten werden. Die Gesellschaft für Konsumforschung sieht die Wachstumsraten bei den Smartphones bei rund 100 Prozent. Eine Handheld-Security-Studie der Firma Ubitexx und der IT-Fachzeitschrift "Informationweek" stellte fest, dass die kommunikationsfähigen mobilen Handhelds immer häufiger Handys und Notebooks den Platz streitig machen.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich eines der kleinen Geräte zu kaufen, sollte auf ein paar Dinge achten: Sehr nützlich ist die mögliche WLAN-Unterstützung des Smartphones. Das erspart dem Nutzer unnötigen Kabelsalat beim Datenabgleich mit dem Desktop-PC am Arbeitsplatz. Neben WLAN sollte das Smartphone unbedingt auch über Bluetooth und Infrarot verfügen.

Außerdem sollten sich potenzielle Käufer vorher überlegen, wie sie die Daten in das Smartphone eingeben wollen. Grundsätzlich verfügen die Telefone über eine virtuelle Tastatur, die auf dem Bildschirm eingeblendet wird und da mit einem Stick bedient wird. Je nach Bildschirmgröße sind die Buchstaben nur etwa so groß wie ein Streichholzkopf. Etwas angenehmer sind deshalb ausklappbare Tastaturen, die mit den Fingern bedient werden. Sie erleichtern einerseits das Schreiben von E-Mails. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass diese Geräte in der Regel einen größeren Umfang haben als Telefone, die nur über die Bildschirmtastatur verfügen.

E-Mails sind zweifellos die gefragteste Smartphone-Anwendung, doch die aktuellen Telefone können mehr. Neben mobilen Versionen von Word und der Tabellenkalkulation Excel verfügen sie auch über einen Medi-Player, der Videodateien oder MP3s abspielt. Kontaktverwaltung und Terminplanung sind ebenfalls integriert und können bequem mit dem PC abgeglichen werden. Das Gleiche gilt für Notizen, die beispielsweise in der Bahn oder während einer Sitzung geschrieben werden.

Thorsten Neumann, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Gefährdungsanalysen, geht ohne sein Smartphone nicht mehr aus dem Haus: "Wie ein Samurai habe ich zwei Schwerter, ein langes, das Notebook, für die Hauptkämpfe und ein kleines, das Smartphone, für den Nahkampf mit dem Kunden." Die Robustheit ist für ihn ein besonders wichtiges Kriterium: Obwohl sein Gerät reichlich ramponiert aussehe, habe es keine Ausfälle. Der Koblenzer schätzt die Multifunktionalität: Für Rückfragen telefoniert er damit, für ein Tatortfoto greift er schnell zur integrierten Kamera.

Schließt der Nutzer eine GPS-Maus an das Smartphone an, kann er sein Gerät außerdem als Navigationsgerät nutzen. Wer mit solch einem Gedanken liebäugelt, sollte vor dem Kauf bereits darauf achten, dass ein leistungsstarker Prozessor darin steckt. Doch bei aller Vielseitigkeit der aktuellen Smartphones - ein universelles Gerät sind auch sie nicht. In einigen Bereichen wie beispielsweise in der Bahn oder im Flugzeug sei das Notebook immer noch ungeschlagen, betont auch Barbara Schädler vom Notebook-Hersteller FujitsuSiemens. Sie ist sich deshalb auch sicher: "Den Trend zu einem Gerät, das alles abdeckt, wird es nicht geben." Allerdings schöpfen Smartphones den Notebook-Herstellern einige potenzielle Kunden ab, denn Smartphones lassen sich für bestimmte Aufgaben durchaus als Notebook-Ersatz nutzen.

Christiane Schulzki-Haddouti und André Klohn, ddp



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