"Smexting" Rauchverbot produziert SMS-Lawine

In Großbritannien ist die SMS-Nutzung seit Einführung des Rauchverbots in Kneipen sprunghaft angestiegen. Ursache: gelangweilte Raucher, die vor der Tür die Zeit totschlagen - oder sich mit dem Tippen von Kurznachrichten vom Nikotinentzug ablenken.


Für den britischen Mobilfunkbetreiber Orange brachte die letzte SMS-Statistik eine handfeste Überraschung mit sich: Im Vergleich zu den letzten beiden Juniwochen stieg die Zahl der verschickten Kurznachrichten in den ersten zwei Juliwochen sprunghaft an. Orange-Kunden schrieben Anfang Juli 7,5 Millionen mehr SMS als Ende Juni. Konkret stieg die Zahl von 512 auf 519,5 Millionen Kurznachrichten.

Nikotin-Genießer: Aus Rauchen und SMS-Tippen wurde in England "Smexting"
AFP

Nikotin-Genießer: Aus Rauchen und SMS-Tippen wurde in England "Smexting"

Der Zuwachs von 1,46 Prozent innerhalb von zwei Wochen markiert selbst in der ohnehin dynamischen SMS-Statistik einen erklärungsbedürftigen Sprung: Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts JD Power stieg die Zahl der gesendeten SMS im gesamten vergangenen Jahr in Großbritannien um rund 43 Prozent. Legt man die Steigerungsrate der letzten zwei Wochen zugrunde, würde der Versand von Kurznachrichten jährlich um satte 212 Prozent steigen.

Ursache: Rauchverbot

Nach eingehender Untersuchung des Statistikausreißers kam Orange zu dem Schluss, dass es nur eine tragfähige Erklärung gibt - nämlich das verschärfte Rauchverbot, das seit dem 1. Juli in weiten Teilen des Landes gilt. In Großbritannien, dem Mutterland der Popkultur, haben findige PR-Leute natürlich prompt ein griffiges Schlagwort für das Phänomen erfunden: "Smexting".

Smexting geht nach Nick Bonney, dem Chef des Marktforschers Market Insight, zum Großteil auf die Langeweile der Raucher vor Restaurant- und Pubtüren zurück: "Sie genießen ihre Zigarette und halten trotzdem Kontakt zu ihren Freunden", erläuterte Bonney gegenüber der Zeitung "Daily Mail".

SMS gegen den Nikotinentzug

Doch offenbar dient Smexting nicht nur als Beschäftigungstherapie für gelangweilte Nikotinsüchtige. Auch Ex-Raucher sollen sich per Kurznachricht von ihrer Sucht ablenken. Manche sollen sich sogar per SMS mit Freunden über die Schwierigkeiten des Entzugs austauschen.

Die Idee, per SMS-Ermunterung den Nikotinentzug besser zu bewältigen, ist übrigens recht alt: Bereits 2001 machte die Schweizer Präventionskampagne EMOX Schlagzeilen, die mit witzigen Sprüchen vor allem Jugendliche vom Glimmstengel wegbringen wollte. Ob die moralische Unterstützung per Kurznachricht allerdings wirklich die Erfolgschancen zum Aufhören erhöht, ist nicht belegt.

Da scheint das Gadget " Nicostopper" schon aussichtsreicher zu sein: Das Gerät, eine Art Rauch-Rationalisierer, gibt nur in programmierten Zeitabständen einzelne Zigaretten frei - und garniert die Ausgabe auch noch mit vorwurfsvollen Sprüchen. Wohl bekomm's!

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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