SMS-Anrufbenachrichtigungen Durchkommen - nein, zahlen - ja

Wer Handy-Gesprächspartner nicht erreicht, muss oft trotzdem zahlen: Für die Ansage zum Thema SMS-Benachrichtigung, die er dann hört. Der Anrufer kann das nicht verhindern. Das Ministerium für Verbraucherschutz rät, entstandene Kosten zurückzufordern. Eine gesetzliche Regelung steht noch aus.

Von Jan-Philipp Hein


"Der gewünschte Gesprächspartner ist zurzeit nicht erreichbar. Wenn Sie Eins drücken, wird er per SMS von Ihrem Anruf benachrichtigt." Aber auch, wenn Sie die Eins nicht drücken, kostet Sie das Geld. Und auch dann, wenn Sie zwar Eins drücken, aber mit unterdrückter Nummer anrufen und der Empfänger mit der SMS nichts anfangen kann.

Handy-Telefonate: Nicht durchkommen, aber bezahlen
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Handy-Telefonate: Nicht durchkommen, aber bezahlen

Der erste Satz ist so oder ähnlich mittlerweile Standard in deutschen Mobilfunknetzen. Der zweite und dritte sind die verschwiegene Praxis – den Zusatz bringt keiner der Provider. Es gilt fast überall: Wer hört, dass der Angerufene per SMS benachrichtigt wird, muss in fast allen Fällen zahlen – ob er das will oder nicht.

Für den Anrufer ist der gar nicht mehr so neue "Service" ungünstiger als die Mailbox, da er keine Nachricht hinterlassen kann. Und wenn er ohne Rufnummernübertragung anruft, bringt die SMS auch nichts. Der Angerufene hat immerhin den Vorteil, keine Gebühren fürs Abhören der eigenen Mailbox zahlen zu müssen.

"Komfortdienstansage ist für den Anrufer kostenpflichtig"

Abzocke oder sinnvoller Service? Uwe Rosenhahn vom Tarifportal "billiger-telefonieren.de" findet: "Die guten Ideen in Unternehmen sind ja oft die, die auf den ersten Blick nicht aussehen wie Abzocke, sondern sich als Service tarnen." Als solche Abzock-Camouflage sieht Rosenhahn den SMS-Service, den alle Provider mittlerweile standardmäßig im Portfolio haben: "Die Kunden müssen das abschalten. Als Standard richten die Provider das so ein, und dann kostet es jedes Mal."

Wenn der Mobilfunker das Gimmick deaktiviert, hören Anrufer das altbekannte "der gewünschte Gesprächspartner ist zurzeit nicht erreichbar, bitte versuchen Sie es später noch einmal" – kostenlos. So sieht es bei den verschiedenen Anbietern aus: T-Mobile: "Die Komfortdienstansage ist für Anrufer kostenpflichtig", teilt die Pressestelle mit. Vodafone: "Der Vodafone-fremde Kunde bezahlt, wenn er die Computerstimme hört", sagt Sprecher Thorsten Höpken. Wie bei T-Mobile.

O2 tut es auch. Den Service habe man auf Wunsch der Kunden eingeführt, heißt es aus der Pressestelle. Aber die anderen zahlen: "Der Anrufer zahlt die Entgelte seines Tarifes ins deutsche Mobilfunknetz von o2, wenn unser Kunde diesen Service nutzt." Einzig E-Plus kassiert für das, was einige als Abzocke empfinden, und andere als Service bezeichnen, keinen Cent.

Geld zurückfordern

Die Praxis ist umstritten. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz spricht von einem Problem. Eine Sprecherin moniert, dass der Anrufer eine Tarifeinheit zahlen müsse, obwohl er keine Möglichkeit habe, eine Nachricht aufzusprechen. "Zudem wird der Anrufer auch nicht davon in Kenntnis gesetzt, dass die Verbindung ein Entgelt nach sich zieht." Das kann ärgerlich sein. Wer dringend jemanden erreichen will, der sein Handy abgeschaltet hat, zahlt für jeden missglückten Versuch. Deshalb raten auch Verbraucherzentralen, den Dienst abzuschalten, damit keine Kosten entstehen.

Doch die zahlt ja der Anrufer und nicht der Mobilfunkkunde. Und das Verbraucherschutzministerium rät den Anrufern, sich das nicht gefallen zu lassen: Sprecherin Sandra Pabst: "Nach einem Urteil des Amtsgerichtes Ulm (Az. 6 C 3000/04) aus dem Jahr 2006 ist die Rechtslage eindeutig. Demnach muss ein Anruf kostenlos sein, wenn keine Verbindung zustande kam, etwa wegen Netzschwäche." Sie verweist dann auf Verbraucherschützer, die daraus folgerten, dass die kostenpflichtigen Anrufbenachrichtigungen unzulässig seien. So schreibt die Verbraucherzentrale Sachsen: "Es handelt sich um die Ausführung eines nicht bestellten Dienstes." Von einem "rechtswirksam zustande gekommenen Vertrag" könne man wohl nicht sprechen. Ergo: Kunden sollten den Forderungen auf ihren Rechnungen widersprechen.

Die Provider reagieren unterschiedlich auf das Urteil, auf das das Verbraucherschutzministerium verweist: So sagt Vodafone, dass der SMS-Service mit Mailboxen und Anrufbeantwortern vergleichbar sei. T-Mobile argumentiert ähnlich: "Das Anhören einer Anrufbeantworter-Ansage ist ebenfalls kostenpflichtig." Nur bei o2 glaubt man, dass das Urteil einen anderen Fall regele: Es besage, dass nur keine Gebühr berechnet werden dürfe, wenn der Angerufene beispielsweise wegen Netzschwäche nicht erreichbar sei.

Bei der sächsischen Verbraucherzentrale würde man sich freuen, wenn das Thema gesetzlich geregelt würde. Den Vergleich mit einer Mailbox hält Verbraucherschützerin Beate Scharf für unzulässig: "Man hat ja keine Chance, eine Nachricht zu hinterlassen." Sie vermutet, dass die Branche ein "kleines Urteil" eines Amtsgerichts einfach ignoriere und darauf setze, dass die Anrufer es wegen der im Einzelfall nur anfallen Cent-Gebühren nicht auf Rechtsstreitigkeiten ankommen ließen.



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soylentyellow1 22.10.2008
1. Will das Besetztzeichen zurück!
Würde mir außerdem wünschen dass das gute alte Besetztzeichen wieder eingeführt wird. Telefoniere ich bereits mit jemandem und mich ruft jemand Drittes genau dann an kann ich entweder makeln (und dem Dritten eigentlich nur um Geduld bitten da ich ihn zurückrufen werde) oder das erste Gespräch weiterführen und das Gepiepse ignorieren und dann die Mailbox abhören um zu erfahren wer mich denn da auch noch anrufen wollte und diesen dann zurückrufen. Wäre es nicht bequemer und einfacher für alle Beteiligten wenn der Dritte einfach ein simples Besetztzeichen hören würde und damit wüsste, aha soylentyellow ist gerade in der Nähe seines Telefons, hat Akku und Netz aber zur Zeit beschäftigt aber wenn ich es in fünf Minuten nochmal versuche dann ist er sicher wieder erreichbar.
fubu 22.10.2008
2.
es ist ABZOCKE und es regt mich schon seit langem auf!!!
soylentyellow1 22.10.2008
3. Freizeichen, Mailbox und ausgeschaltete Handys
Oft will man jemanden jetzt sofort erreichen und nicht erst in zwei Stunden (klassischer Fall: "Willst Du mit ins Kino? Film fängt in 20 Minuten an") Hat der gewünschte Gesprächspartner sein Handy ausgeschaltet weil er beispielsweise seine Ruhe haben will geht sofort die Mailbox ran (und es kostet mich Geld). Warum kann es nicht einfach ein paar Mal tuten (so wie wenn das Handy in der Disko in der Handtasche vor sich hin bimmelt und niemand rangeht) und dann irgendwann kommt die Mailbox wo ich meine Nachricht hinterlassen kann falls ich das wirklich will (und nur dann) (z.B. "Kommst Du morgen mit ins Schwimmbad?").
rrbbkim 22.10.2008
4.
Das ist nur eines von ganz vielen VERBRECHEN, die im Mobilfunk-Umfeld stattfinden. Jamba und Co. gehören natürlich auch dazu!
DJ Doena 22.10.2008
5.
Zitat von rrbbkimDas ist nur eines von ganz vielen VERBRECHEN, die im Mobilfunk-Umfeld stattfinden. Jamba und Co. gehören natürlich auch dazu!
Wow. Verbrechen. Welch teuflischer Geist zwingt denn die 13jährigen genau, 23 Klingeltöne für ihre zwei Handies zu benötigen?
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