SMS-Sprache Das kostet nur ein paar Benus

Jugendliche SMS-Sprache zeichnete sich bislang durch eine Vorliebe für Abkürzungen und phonetische Nachahmungen aus. In Großbritannien nutzen Handy-Besitzer besonders kryptische Textonyme" - statt "Cent" heißt es dann "Benu".


LUAUKI steht in Kurzmitteilungen auf dem Mobiltelefon für "Lust auf Kino" - da ist SMS-Sprache noch leicht nachvollziehbar - obwohl die Vorliebe für Abkürzungen beim Verfassen von Kurznachrichten Pädagogen Sorgen macht. Was werden sie erst zum aus Großbritannien herüberschwappenden Phänomen der "Textonyms" sagen?. In der Textonym-Logik steht beispielsweise "Volk Food" für "voll doof", oder, noch kryptischer, "Benu" für "Cent".

Handy-Nutzerin in London: Wenn britische Jugendliche "book" sagen, könnten sie "cool" meinen - weil der Handy-Tipphelfer T9 das so sieht
REUTERS

Handy-Nutzerin in London: Wenn britische Jugendliche "book" sagen, könnten sie "cool" meinen - weil der Handy-Tipphelfer T9 das so sieht

Die Lösung des Textonym-Rätsels verbirgt sich ironischer Weise hinter dem Kürzel "T9", dem Namen einer weit verbreiteten Handy-Software. "Text auf 9 Tasten" erleichtert die Texteingabe auf der Telefontastatur mittels eines integrierten Wörterbuchs: Nach der Eingabe von "4278" erscheint mit T9 automatisch "hast" auf dem Display, weil diese Bedeutung häufiger gemeint ist, als "Gast" oder "hart".

Wenn man sich nicht mehr die Mühe machen will, die eigentlich gemeinte, alternative Bedeutungen einer Tastenkombination auszuwählen, spricht man somit in Textonymen. In Großbritannien hat sich die SMS-Gepflogenheit inzwischen sogar vom Handy gelöst, wenn Jugendliche also "book" sagen, meinen sie damit also manchmal auch "cool".

Aber auch wenn die SMS-Synonyme zu gravierenden Verständnisproblemen führen können, dürften sie auf die sprachliche Entwicklung von Jugendlichen keinen schädlichen Einfluss haben. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn gerade weil Textonyme manchmal sehr kryptisch klingen, dürften sie auch besonders lehrreich sein.

Schlau durch SMS

Entgegen den gängigen Befürchtungen sind Jugendliche heute dank SMS-Routine im aktiven Umgang mit Texten sogar besonders kompetent. Jedenfalls kommen Studien immer wieder zu dem Ergebnis, dass "Texting" den grammatikalischen Fähigkeit von Teenagern zugute kommt. Durch die SMS-Routine sollen Teenager über ein größeres Vokabular verfügen, in der Interpunktion besonders sicher sein und komplexere Satzstrukturen verwenden.

Die abstrakte Übersetzungsleistung, die zum Verständnis von Textonymen nötig ist, dürfte den Lerneffekt sogar noch steigern. Und auch die Befürchtung, dass die SMS-Synonyme Wortbedeutungen dauerhaft "beschädigen" können, dürfte unbegründet sein.

Dafür entwickelt sich die T9-Software viel zu dynamisch, ihr Wortschatz und die Liste der gängigsten Bedeutungen werden nämlich ständig aktualisiert. Eltern sollten sich daher freuen, wenn der Nachwuchs mal wieder eine "Pop" nach der anderen in sein Telefon hackt.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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