SMS unter der Decke Handys rauben Jugendlichen den Schlaf

Mediziner sorgen sich um Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Schülern, denn immer mehr leiden an Schlafmangel. Schuld habe die SMS: Unter der Bettdecke werde lautlos bis in die Puppen kommuniziert.


Dass der ständige Gebrauch des Handys Krankheiten auslösen kann, scheint dieser Tage unbestritten. Welcher Faktor sich auf Dauer als das größte Gesundheitsrisiko der elektronischen Alltagsbegleiter herausstellen wird, ist aber noch lange nicht ausgemacht. In Frage kommen nach dem derzeitigen Stand der Dinge drei verschiedene "Schadensroutinen". Dabei erlebte die elektromagnetische Strahlung von Handys zuletzt auch in Technik-affinen Kreisen ein Comeback als potentieller Krebsauslöser: Israelische Forscher fanden heraus, dass die von Mobiltelefonen emittierte Strahlung bereits nach kurzer Einwirkungszeit zu einer beschleunigten Zellteilung führen kann.

Kommunizierende Schüler: Totale Erreichbarkeit rund um die Uhr halten viele für völlig normal
DDP

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Der Verdacht, dass die sogenannten Handystrahlen einen unmittelbaren Schaden anrichten können, ist damit allerdings noch längst nicht bewiesen. Unterdessen können zwei andere negative Wirkungsmechanismen als gesichert gelten: Zum einen kann allein die Angst vor der Funktechnik per negativem Placeboeffekt krank machen. Aber vor allem der Stress, den die ständige Erreichbarkeit via Handy auslösen kann, ist erwiesenermaßen schädlich.

SMS unter der Bettdecke

Eine spezielle und besonders bedenkliche Ausprägung der permanenten Kommunikationsbereitschaft ist die Störung der geregelten Nachtruhe. Und dieses Phänomen scheint insbesondere unter Heranwachsenden und Jugendlichen immer weiter um sich zu greifen. Dabei gilt der prinzipielle Zusammenhang schon seit Jahren durch Studien mit breiter Erhebungsbasis gesichert: Jugendliche, die im Bett regelmäßig telefonieren oder SMS austauschen, leiden mittelfristig vermehrt unter Konzentrationsstörungen.

Die Universität im belgischen Leuven hat bereits eine Reihe von Studien zum Thema durchgeführt, die aktuellen Zahlen werden in der kommenden Ausgabe des Fachmagazins "Sleep" veröffentlicht. Demnach nutzen inzwischen rund 60 Prozent der 13- bis 15-Jährigen ihre Handys mehr oder weniger heimlich unter der Bettdecke. 2003 lag diese Zahl noch knapp unter 40 Prozent.

Daher forderte der australische Mediziner Andrew Fuller, der in eigenen Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen wie seine belgischen Kollegen kommt, Handy und Co. aus dem Schlafzimmern zu verbannen: "Elektronische Geräte im Schlafzimmer sabotieren gute Leistungen in der Schule", sagte Fuller zur australischen Zeitung "Daily Telegraph". Dabei ist Fuller durchaus bewusst, dass seine Forderung einen Kulturbruch darstellt: "Viele Jugendliche denken, ihr Handy niemals ausstellen zu können, weil sie für ihre Freunde auch nachts um vier noch erreichbar sein müssen."

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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