Sommer der Smartphones So hell strahlt Samsungs Google-Galaxy

Jetzt kommen die Android-Handys: Samsung stellt mit dem Galaxy sein erstes Mobiltelefon mit Google-Betriebsystem vor, zeigt auf Anhieb, was man dabei besser machen kann als die Konkurrenz. SPIEGEL ONLINE hat das Hightech-Kleinod noch vor der Markteinführung getestet.

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Lange hat es gedauert, sehr lange. Eigentlich sollten die ersten Handys mit dem von Google initiierten Betriebssystem Android schon Ende 2008 auf den Markt kommen, daraus wurde nichts. Aber jetzt geht es endlich los. Mit dem Galaxy stellt Samsung sein erstes Android-Handy vor und läutet damit den Sommer der Google-Smartphones ein.

Hübsch ist es, das Galaxy. Seine Maße stimmen fast mit denen des iPhone überein, nur dass bei Samsungs Handy die Rundungen etwas anders verteilt sind. Außerdem ist bei ihm die glänzende Rückenabdeckung, anders als bei Apples Handy, abnehmbar, gibt Zugriff auf Akku, Sim- und microSD-Kartensteckplatz.

Aber das sind nur optische und mechanische Eigenschaften. Dabei gilt es doch, die Frage zu klären, worin sich das Galaxy von anderen Google-Handys unterscheidet. Schließlich ist das herausragende Merkmal von Android-Handys bislang ihr Betriebssystem - und das ist bei allen bisher verfügbaren Google-Handys identisch.

Manchmal verliert man Buchstaben

Samsungs Modell ist erst das dritte Android-basierte Mobiltelefon, das in Deutschland eingeführt wird. Den Anfang machte im Januar T-Mobile mit dem von HTC gefertigten T-Mobile G1. Dessen herausragende Merkmale sind seine Aufschiebetastatur und die vielfältigen Bedienmöglichkeiten. Es lässt sich per Touchscreen oder Trackball steuern.

Weniger Bedienoptionen als das G1 bietet das Magic, ebenfalls von HTC entwickelt und produziert. Es ist flacher als das G1, weil ihm die Tastatur fehlt. Stattdessen muss man bei diesem Modell, das in Deutschland von Vodafone angeboten wird, mit Bildschirmtasten vorlieb nehmen.

Ganz ähnlich funktioniert auch das Galaxy. Texte, Nachrichten und Notizen schreibt man auf einer virtuellen Tastatur. Die ist hübsch und groß genug, aber nichts für Schnellschreiber. Bevor sie einen Buchstaben tatsächlich setzt, legt sie eine kurze Zwangspause ein. Wer zu schnell tippt, verliert zwangsläufig Buchstaben. Zum gelegentlichen Eingeben kurzer SMS- oder E-Mail-Nachrichten reicht es aber allemal.

Ein leuchtendes Vorbild: Der Bildschirm

Was das Galaxy aber wirklich von der Konkurrenz abhebt ist sein Display. Das ist erstaunlich hell, kontrastreich und farbstark. Der Grund: Die Koreaner verbauen im Galaxy ein sogenanntes AMOLED-Display, einen relativ neuen Bildschirmtypen. Dessen Vorzüge machen sich im direkten Vergleich mit anderen Handys teils drastisch bemerkbar (siehe Fotostrecke), heben das Galaxy schon aufgrund seiner Leuchtkraft aus der Masse hervor. Man könnte es glatt als Leselampe verwenden.

Besser geeignet wäre es freilich als Medienspieler. Zum einen, weil es mit acht GB eingebautem Speicher schon ab Werk eine Menge Platz für Musik und Filme bietet, zum anderen, weil es einen richtigen 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschluss hat. Damit kann man jeden beliebigen Kopfhörer anschließen, egal ob vom Discounter oder aus dem Hi-Fi-Fachgeschäft. Die beiden HTC-Handys G1 und Magic verfügen dagegen nur über eine USB-Buchse. Die verlangt spezielle USB-Kopfhörer oder einen USB-auf-Klinke-Adapter.

Außerdem lässt sich der Speicher des Galaxy per microSD-Karte um bis zu 32 GB erweitern, sofern man eine derart große Speicherkarte auftreiben kann. Auf jeden Fall aber bietet es so reichlich Raum für eine mobile Musiksammlung - oder Fotos. Denn auch die verbrauchen beim Galaxy ein wenig mehr Speicherplatz als bei den meisten Kamera-Handys, da Samsung einen 5-Megapixel-Bildsensor einbaut. Die geknipsten Bilder sind gut, können aber selbst mit denen von billigen Digitalkameras nicht mithalten.

Mobile Breitbandformate
UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s für die Datenübertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 1024 Kbit/s. (mehr ...)
HSDPA
High Speed Downlink Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 1,4 Mbit/s. Durch technologische Verbesserungen soll sie allmählich auf 5,1 Mbit/s steigen. (mehr ...)
GPRS
General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
Edge
Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
WiMax
Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Tranferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. (mehr ...)
DVB-T
Der DVB-T-Standard regelt die Verbreitung digitaler Fernsehsignale per Funk. Der DVB-Standard ist zwar auch dafür ausgelegt, Internetinhalte zu übertragen - in den Frequenzbereich eines einzigen analogen Fernsehkanals (etwa sieben MHz) passen aber gerade mal 13 Mbit pro Sekunde hinein. Wenn an einer einzigen Sendestation also 20 Nutzer hängen, die gleichzeitig etwa einen Dateidownload versuchen, wird es schon eng - die Datenrate für jeden Nutzer läge unter einem Mbit/s, also niedriger als die der günstigsten DSL-Verbindungen, die derzeit im Angebot sind. "Die größte Gefahr für diese Technik ist, von der Gegenwart überholt zu werden", sagt Sven Hansen von der Computerzeitschrift "c't". Überträgt man die Inhalte über DVB, geht das auch nur in eine Richtung - wie beim Fernsehen eben. Der Rückkanal muss dann auf anderem Wege hergestellt werden, etwa über eine herkömmliche Telefonleitung. Mausklicks im Browser gingen bei dieser Methode über die Telefonleitung zum Provider, die angeforderten Seiten würden dann von der DVB-Sendestation zurück zum Empfänger gefunkt. Das ist umständlich - und langsam. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen einem weiteren Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. LTE konkurriert mit dem WiMax-Standard um die Marktführerschaft im mobilen Internet der Zukunft - zwischen den beiden Standards wird möglicherweise ein neuer Formatkrieg ausbrechen. LTE ist nach Einschätzung von Experten gegenüber WiMax allerdings etwa zwei Jahre im Rückstand, was die technologische Entwicklung angeht. (mehr ...)

Dass sich das Galaxy zudem auf die Kommunikation mit sämtlichen Google-Diensten versteht, ist systembedingt. Von Google Mail über Maps, Latitude und den Kalender sind alle wichtigen Google-Angebote direkt abrufbar. Zusätzlich ist ein Mail-Programm installiert, mit dem sich E-Mail-Konten außerhalb des Google-Universums abrufen lassen. So muss man sich nicht mehr zwangsläufig an das Suchmaschinenimperium binden, um ein Google-Handy nutzen zu können.

Ebenso selbstverständlich wie die Google-Integration ist auch die Vielfalt drahtloser Netzwerktechniken, die das Samsung-Handy beherrscht. Dazu zählen neben UMTS und HSDPA unter anderem Bluetooth und W-Lan. Ein GPS-Empfänger ist auch irgendwo in dem Gerät versteckt, hilft beim Navigieren mit Google Maps.

An der Ausstattung, den Funktionen und der Benutzeroberfläche des Samsung Galaxy gibt es ebenso wenig auszusetzen wie etwa beim T-Mobile G1. Die grafischen Symbole von Android flutschen leichtfüßig über das Display, Anwendungen starten flink, nur die Kamera ziert sich im Test ein wenig, braucht mindestens sieben Sekunden, bevor man das erste Motiv knipsen kann.

Android-Projekt: Die Vorteile von Googles Handysystem
Große Reichweite
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Googles Betriebssystem ist mit vielen mobilen Endgeräten kompatibel. Je mehr Endgerätehersteller sich in Googles Koalition der Willigen befinden, desto größer ist die Reichweite von Android. mehr...
Kostenlose Verwendung
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Die Verwendung des Open-Source-Betriebssystems ist im Gegensatz zu anderen mobilen Betriebssystemen kostenlos, die Herstellung mobiler Endgeräte wird dadurch günstiger - die Verwendung von Android damit attraktiver.
Anspruchsvolle Dienste für Jedermann
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Experten sprechen Google das Potential zu, den zerfaserten Markt zusammenzuführen. Nutzer ganz unterschiedlicher Endgeräte könnten zukünftig in der Lage sein, mobil auf anspruchsvolle Online-Dienste zuzugreifen. Das Spektrum der verfügbaren Anwendungen wird sich voraussichtlich erweitern. mehr...
Ausweitung der Nutzermarkts
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Online-Dienstleister können dadurch mit höheren Zugriffszahlen und neuen Betätigungsfeldern rechnen, Netzbetreiber mit höheren Auslastungen. mehr...

Viel schwerer wiegt aber, dass das Galaxy, genau wie zuvor das G1, unter einem Ungleichgewicht von Akkukapazität und Stromverbrauch leidet. Es ist eben immer online, fragt regelmäßig E-Mails ab und saugt dabei den Stromspeicher leer. Länger als einen Tag sollte man es daher nicht von einer Steckdose entfernen. Schon nach einer Nacht in einer Schublade wandert die Ladestandsanzeige des Akku in den gelben Bereich, signalisiert das baldige Ende der Stromversorgung.

Ein Ende hat, zumindest bei O2, die das Galaxy für einige Wochen exklusiv anbieten, auch die Bindung des Handy-Kaufs an einen Vertragsabschluss. Denn das Galaxy bietet der Mobilfunkkonzern auch Kunden anderer Netzbetreiber an. Unter dem Titel "O2 My Handy" kann man das neue Android-Mobiltelefon per Ratenzahlung kaufen. Über zwei Jahre Laufzeit werden dann insgesamt 437,50 Euro für das Gerät fällig.

Einen Mobilfunkvertrag, vorzugsweise mit Daten-Flatrate, braucht man dann freilich immer noch.

Samsung Galaxy

Betriebssystem Android 1.5
Integrierter Speicher 8 GB
Erweiterungssteckplatz microSD
Bildschirmauflösung 320 x 480 Pixel
Bildschirmdiagonale 3,2 Zoll
Digitalkamera 5 Megapixel
PC-Anschluss USB - nur zum Aufladen
Gewicht 119 Gramm
Maße 115 x 56 x 12 Millimeter
Drahtlose Verbindungen GPRS, EDGE, UMTS, HSDPA, W-Lan, Bluetooth
Standby-Zeit keine Angabe
Sprechzeit keine Angabe
Besonderheiten: Touchscreen, GPS, Beschleunigungssensor
Preis: 437,50 (O2 My Handy-Finanzierung)

Alle Werte sind Herstellerangaben

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