Strahlungsblocker Das Geschäft mit der Handy-Angst

Mit der Angst vor Handystrahlung lässt sich offenbar viel Geld verdienen. Diverse Firmen bieten dubiose Mittelchen an, die aus schlechten Strahlen gute machen sollen - und aus leeren Kassen volle.


Angst und Unsicherheit lassen sich vortrefflich in bare Münze umwandeln, wird den vermeintlich Betroffenen Schutz und Sicherheit versprochen. Beim Thema Handystrahlung ist das nicht anders. Windige Geschäftemacher, esoterische Online-Versender und selbst globale Kosmetik-Konzerne preisen wahre Wundermittel an. Entgegen jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis sollen dünne Folien und kleine Keramiken elektromagnetische Felder neutralisieren oder gar in "positive Strahlung" umwandeln. Andere versprechen, durch einen hauchdünnen Film spezieller Gesichtscreme schädliche Einflüsse vom Menschen fernhalten zu können.

Die Wirkung solcher Mittelchen ist ausgesprochen zweifelhaft. Nur selten haben die Anbieter jedoch den Mumm, das offen zuzugeben - so wie etwa die Firma "Biologisch Positive Energiesysteme". Die weist schon auf ihrer Startseite ausdrücklich darauf hin, dass die Wirkung ihrer Produkte "durch keine wissenschaftliche Aussage begründet" werden kann. Wenig zweifelhaft sind jedoch die Preise für solche "Strahlenschützer". Da werden für einfache Aufkleber locker 30 Euro und für einen schützenden Anhänger satte 99 US-Dollar kassiert. Auf welche perfiden Ideen die Esoterik-Innovatoren in Sachen Handystrahlung gekommen sind, zeigt unser Überblick.

Wer sich - obwohl es keine gesicherten Erkenntnisse dazu gibt, das die sogenannte Handystrahlung schädlich ist - dennoch vor selbiger schützen möchte, kann das viel billiger, nämlich kostenlos tun. Allemal sinnvoller als der Versuch, sich mit dubiosen Schutzfolien und klobigen Handytaschen gegen eine eventuelle Strahlenbelastung zu schützen, ist es, beim mobilen Telefonieren einige einfache Grundregeln zu beherzigen. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt dazu ein paar hilfreiche Tipps:

  • Vermeiden Sie Handy-Telefonate bei schlechtem Empfang. Das gilt insbesondere in Autos ohne Außenantenne. In solchen Situationen drehen Mobiltelefone ihre Sendeleistung aufs Maximum.
  • Achten Sie schon beim Kauf darauf, ein Gerät mit möglichst niedrigem SAR-Wert zu erwerben. Dieser Wert gibt an, wie tief und wie stark die elektromagnetischen Wellen eines Handys in den Körper eindringen können.
  • Nutzen Sie wenn möglich ein Headset zum Telefonieren. Dadurch können Sie das Handy, also auch dessen Strahlung, weit weg vom Körper halten.
  • Senden Sie kurze Nachrichten per SMS.
  • Und der einfachste Tipp: fassen Sie sich kurz und nutzen Sie für lange Gespräche ein kabelgebundenes Festnetztelefon

Außerdem wird empfohlen, das Handy während des Verbindungsaufbaus fern vom Kopf zu halten, da das Gerät während dieser Phase mit voller Leistung sendet.

mak

Mobilfunk: Frequenzen, Strahlung und Wärme
"Handy-Strahlung"
Das Wort sorgt zuweilen für Beunruhigung, vor allem unter Physik-Unkundigen. Mobiltelefone (und die zugehörigen Sendemasten) bauen hochfrequente gepulste elektromagnetische Felder auf. In Deutschland werden in GSM-Handynetzen Frequenzen um 900 und 1800 Megahertz verwendet. Mobiltelefonie ist nicht die einzige Technologie, die solche Felder erzeugt. Auch schnurlose (DECT-)Telefone tun das.

Über mögliche gesundheitliche Folgen der Mobilfunktechnik wird unter Laien viel gestritten. Tausende wissenschaftliche Studien beschäftigen sich damit - bislang ohne einen Beleg für eine Schadwirkung liefern zu können. Hinlänglich bekannt ist jedoch, dass Handys für eine leichte Erwärmung von wenigen Grad Celsius am Kopf sorgen können. Unter Insidern ist dies auch als "Wollmützeneffekt" bekannt.
SAR-Wert
Der Messwert SAR beschreibt, wieviel Energie in einem elektromagnetischen Feld übertragen wird. Die Abkürzung steht für "spezifische Absorptionsrate". Anhand dieser Einheit kann man leicht nachvollziehen, welche Messwerte hier miteinander verbunden werden: W/kg steht für Watt pro Kilogramm. Die Energie (in Watt) wird im Körpergewebe (in Kilogramm) vor allem in Wärme umgewandelt.

Die spezifische Absorptionsrate wird bestimmt, indem man sechs Minuten lang die Erwärmung des Körpergewebes misst und einen Mittelwert bildet. Man geht davon aus, dass nach längerer Zeit ein Gleichgewicht zwischen Wärmezufuhr und -abgabe entsteht.

Die Hersteller von Mobiltelefonen geben als SAR-Wert für die jeweiligen Modelle die Maximalwerte an. In den vergangenen Jahren ist der SAR-Wert von Handys kontinuierlich gesunken.
Strahlungsarme Geräte
Entsprechend einer Empfehlung der Strahlenschutzkommission liegt in Deutschland der Grenzwert für die SAR eines Handys bei 2 W/kg. Das basiert auf einer Leitlinie der Internationalen Kommission zum Schutz vor Nichtionisierender Strahlung (ICNIRP).

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) aus Salzgitter listet auf seiner Website mehr als tausend Mobiltelefone auf. Alle liegen unter dem gesetzlichen SAR-Wert von 2 W/kg. Bei den 243 aktuell produzierten Handys (Stand Juli 2009) liegen die SAR-Werte laut BfS zwischen 0,1 W/kg und 1,57 W/kg am Kopf bzw. 0,003 W/kg und 1,87 W/kg am Körper. Mehr als ein Drittel der aktuellen Modelle liegen unter 0,6 W/kg und erfüllen demnach das Kriterium für das Umweltzeichen "Blauer Engel".



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