T-Mobile G1 Ist das Google-Handy das bessere iPhone?

Das erste Google-Handy ist da und soll dem iPhone Paroli bieten. Aber wie gut schlägt sich das T-Mobile G1 wirklich? Hat es das Zeug, zum ernsthaften Konkurrenten für das Apple-Gerät zu werden? SPIEGEL ONLINE hat Stärken und Schwächen der beiden Mobiltelefone verglichen.

Das Geheimnis ist gelüftet: Nachdem es wochenlang mit Spannung erwartet worden war, hat T-Mobile das erste Mobiltelefon auf Basis des Google-Handy-Betriebssystems Android präsentiert. Ist das wirklich die groß angekündigte Innovation oder nur eine Kopie des iPhone - und welches der Geräte kann mehr?

Was das Android-Mobiltelefon dem iPhone auf jeden Fall voraus hat ist seine Multitasking-Fähigkeit. Das bedeutet, dass das Gerät mehrere Programme gleichzeitig ausführen kann, zwischen denen man nach Lust und Laune hin und her springt, solange noch Platz im Speicher ist. Beim Apple-Handy hingegen kann immer nur ein Programm aktiv sein.

Eine andere Funktion, auf die iPhone-Anwender schon lange sehnsüchtig warten, ist das "Kopieren und Einsetzen". Beim G1 wird das gelöst, indem man eine bestimmte Taste auf der Tastatur und gleichzeitig den Trackball drückt, um einen Text oder ein Bild auszuwählen. Text oder Bild kann man dann an anderer Stelle wieder einsetzen. Sicher mehr als ein iPhone-Fan beneidet den G1-Besitzer um dieses Feature. Eine Einschränkung gibt es aber doch: Es lassen sich offenbar nicht alle Texte auf diese Weise kopieren. Stattdessen ist die Funktion auf editierbare Textpassagen beschränkt.

Mit der eingebauten Kamera allerdings kann das G1 nicht punkten. Sie löst zwar immerhin gut eine Million Bildpunkte mehr auf als die iPhone-Kamera. An die Bildqualität einer aktuellen Kompaktkamera dürfte sie damit aber bei weitem nicht heranreichen. Zudem legen andere Hersteller wie Samsung und Sony Ericsson die Messlatte längst zwei Etagen höher an und verbauen 5-Megapixel-Digicams in ihren Handys.

Die Daten-Flatrate, mit der T-Mobile das Handy in den USA anbietet, hält - ebenso wie bei ihrem deutschen Gegenstück - nicht was der Name verspricht. Denn von einer echten Flatrate kann kaum die Rede sein, wenn der Provider das monatliche Übertragungsvolumen auf ein Gigabyte begrenzt.

Ebenso wie sich T-Mobile bei den hiesigen iPhone-Flatrates vorbehält, die Übertragungsgeschwindigkeit zu drosseln, wenn man sein Inklusivvolumen überschreitet, will es der Konzern auch in den USA mit dem G1 handhaben. Wer innerhalb eines Monats mehr als das eine Gigabyte auf sein G1 überträgt, wird auf behäbige 50 Kilobit pro Sekunde abgebremst. Bei diesem Tempo werden die meisten User freiwillig aufhören, mobil zu surfen, bis wieder die volle Geschwindigkeit freigeschaltet wird.

Was es sonst noch an Gutem und nicht ganz so Gutem über das T-Mobile G1 zu berichten gibt, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Nur im T-Mobile-Netz

Genauso wie das iPhone in den USA an das Mobilnetz von AT&T und in Deutschland an das von T-Mobile gebunden ist, wird auch das G1 in den USA ausschließlich über T-Mobile zu betreiben sein. Mit einer solchen Netlock-Sperre wollen die Netzbetreiber dafür sorgen, dass die Käufer subventionierter Handys ihre Gebühren bei ihnen bezahlen.

Beim iPhone hat längst der Wettlauf der Hacker darum begonnen, wer es als Erster schafft, die Netzsperre des Handys zu knacken. Beim iPhone der ersten Generation hatte es einige Monate gedauert, bis es gelungen war, die Handys für alle Netze freizuschalten. Dass es jetzt ähnliche Bestrebungen geben wird, den Netlock des G1 auszuhebeln, gilt als sicher. Während allerdings Apple stets im Wettlauf mit den Hackern versucht, solche Hacks durch Software-Updates zu behindern, will T-Mobile derartige Versuche zunächst offenbar nicht unternehmen.

Das geht zumindest aus einem Gespräch hervor, das "Engadget" mit dem T-Mobile-CTO Cole Brodman führte. Gefragt, was T-Mobile in einem solchen Fall unternehmen würde, gab er an, man werde solche Versuche zwar nicht unterstützen, aber auch nicht versuchen, derartige Unterfangen per Software-Update zu unterbinden - solange sich die Freischalterei in einem vertretbaren Rahmen bewege.

Ohnehin wird es nicht zwangsläufig nötig sein, das G1 per Software-Hack zu knacken, um es in anderen Netzen und mit anderen Providern nutzen zu können. Laut Brodman soll das G1 auch ohne Vertragsbindung angeboten werden. Der Preis werde dann 399 Dollar betragen, und die Freischaltung könne 90 Tage nach dem Kauf erfolgen.

Sparsam bei Speicherkarten

Beim Kauf liegt dem T-Mobile G1 eine microSD-Karte mit einem Gigabyte Speicherplatz bei. Das reicht locker für Hunderte Adressen und Termine, etliche Bilder, ein paar Filmchen und auch ein paar Stunden Musik. Verglichen mit anderen Mobiltelefonen wie etwa dem Nokia N95, den Walkman-Handys von Sony Ericsson oder dem iPhone ist das allerdings sehr mager. T-Mobile gibt daher an, der Speicher sei per Steckkarte auf bis zu acht Gigabyte erweiterbar.

Für etliche Anwender sollte das dicke reichen. Für diejenigen, die sich damit nicht begnügen wollen bietet sich die Möglichkeit, mehrere Speicherkarten mitzunehmen und bei Bedarf zu wechseln. Trotzdem macht die Begrenzung auf acht Gigabyte stutzig. Denn laut T-Mobile unterstützt das G1 sogenannte microSDHC-Karten - und die gibt es mit Kapazitäten von bis zu 16, bald wohl auch von 32 Gigabyte.

Kein Kopfhöreranschluss

Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass HTC ins G1 keine Kopfhörerbuchse eingebaut hat. Kopfhörer und Headsets sollen nach dem Willen des Hersteller ausschließlich über die in den Gehäuseboden eingelassene USB-Buchse angeschlossen werden. Grundsätzlich ist dagegen nichts zu sagen, denn via USB lassen sich Audiosignale vortrefflich übertragen. Lästig ist diese Einschränkung trotzdem.

Apple beispielsweise hat Käufer des ersten iPhone bereits damit genervt, dass die Kopfhörerbuchse des Apple-Handys so tief ins Gehäuse versenkt wurde, dass nur Spezialstecker passten. Man war also auf die mitgelieferten Kopfhörer festgelegt oder musste sich einen Adapter kaufen, der wiederum störend weit aus dem iPhone herausragte. Beim iPhone 3G hat Apple diesen Fehler eingesehen, die Buchse wieder nach außen verlegt, so dass alle Headsets passen.

Käufer des T-Mobile G1 werden nun mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie iPhone-Erstkäufer. Problemlos funktionieren wird nur das mitgelieferte Headset. Standardkopfhörer oder Aktivboxen hingegen werden nur über einen Adapter Anschluss an die USB-Buchse finden.

Push-Mail von Google

Die E-Mail-Software des G1 beherrscht die Standard-Mail-Protokolle POP3 und IMAP. Damit lassen sich alle herkömmlichen E-Mail-Konten abfragen. Der Schwerpunkt liegt aber naturgemäß auf der Zusammenarbeit mit Googles eigenem Maildienst Googlemail.

Und eben den wird Google offenbar rechtzeitig zum Verkaufsbeginn des G1 im Oktober noch aufbohren. So lässt es zumindest Google-Manager Andy Rubin vermuten, der im Rahmen der Produktvorstellung erwähnte, es werde für das Google-Handy auch Push-Mail geben. Neue Nachrichten würden damit wie beim Blackberry automatisch auf das Handy gesendet, die Notwendigkeit einer zeitgesteuerten Mail-Abfrage würde sich erledigen.

Eine Einbindung in Firmen-Mail-Systeme wie Lotus Notes oder Microsoft Exchange ist allerdings nicht vorgesehen. Damit dürfte das G1 als Mobiltelefon für berufliche Anwendungen ausfallen - zumindest vorerst.

Kein Datenabgleich mit dem PC

Ein Argument für Smartphones ist, dass man sie per Software mit seinen PC-Programmen synchronisieren kann. Windows-Mobile-Handys lassen sich via Outlook mit Kontakten und Terminen füttern, iPhones stehen via iTunes mit den Mac-Datenbanken in Kontakt, Palm und Blackberry stellen eigene Synchronisationstools bereit. Das G1 hingegen lässt sich nicht via PC befüllen. Eine Software zum Datenaustausch, so Google und T-Mobile einvernehmlich, werde nicht mitgeliefert.

Stattdessen soll der gesamte Datenabgleich über Googles Online-Angebote abgewickelt werden. Neben Mails müssen also auch Kontaktdaten und Termine in Googles Datenspeichern verwaltet werden, eine Alternative gibt es nicht. Ein Abgleich wird daher stets drahtlos, via W-Lan oder Mobilfunknetz, erfolgen müssen. Ob Termine und Adressen ähnlich wie E-Mails per Push-Dienst zwischen Handy und Web-Dienst ausgetauscht werden, ist noch unklar.

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