Technik zum Anziehen Solar-Krawatte ist noch hässlicher als das iPod-Jacket

Technik versteckt sich in der Kleidung: Die britische Kaufhauskette Marks & Spencer hat einen "Blazer for iPod" für Schüler vorgestellt, in dem iPods während des Unterrichts verschwinden. Das sieht komisch aus - aber lange nicht so merkwürdig wie Solarzellen auf Krawatten.


In Großbritannien erregt derzeit ein Jacket für Schüler die Gemüter, das von der Kaufhauskette Marks & Spencer zum Beginn des neuen Schuljahres angeboten wird. Das fragwürdige Jacket sei "unnötig und lässt jedes Augenmaß vermissen" ereiferte sich die Generalsekretärin des Lehrerverbandes NASUWT, Chris Keates, gegenüber dem " Telegraph". Ursache für die harsche Pädagogenkritik ist eine Extra-Innentasche sowie eine Knopfleiste, mit denen MP3-Player besonders unauffällig getragen und bedient werden können.

Das als " Blazer for iPod" angepriesene Jacket eignet sich laut Marks & Spencer perfekt zum "Musikhören" unterwegs. Das sieht die Lehrergewerkschaft anders. Sie befürchtet, dass die Spezialjacke noch mehr Schüler dazu verleiten wird, sich während des Unterrichts mit MP3-Player und Handy abzulenken.

Zum Leidwesen der britischen Lehrerschaft dürfte Marks & Spencer mit dem iPod-Jacket voll im Trend liegen. Denn nachdem Kleidung mit Technikfunktion unter dem Stichwort "Wearables" seit einem Jahrzehnt eine traurige Nischenexistenz geführt hat, wittert die Branche langsam Morgenluft.

Der "Blazer for iPod" entspricht zudem dem Branchen-Motto "je unauffälliger, desto besser", nach dem die technischen Extras möglichst nahtlos in die Mode integriert sein sollten. Firmen, die gegen dieses Gebot verstoßen, werden auch von wirklich hartgesottenen Technik-Fans verhöhnt: So erntete die US-Firma Scottevest, deren Solar-Weste über der Jacke getragen wird, in den einschlägigen Gadget-Blogs auch für ihren gewöhnungsbedüftigen Anblick eher belustigtes Gespött.

Jenseits ihrer etwas plumpen Umsetzung ist die "Solar Scottevest" aber ein echter Vorreiter, denn sie ist immerhin wirklich schon im Handel. Die meisten anderen Solar-Kleidungstücke, wie den "Solar-Badeanzug" von Triumph (siehe Fotostrecke unten) gibt es dagegen bisher nur als Prototypen.

Denn bislang reichte die Stromausbeute von Solarzellen eigentlich nicht aus, um Handy oder Laptop zu betreiben - zumindest nicht bei einer halbwegs praktikablen Dimension der Kollektorfläche.

Die Lösung für die Probleme der textilen Solarenergiegewinnung ist einerseits durch den ständig verbesserten Wirkungsgrad der Solarzellen zu erwarten. Dazu haben Forscher der North Carolina State University aber auch gerade einen zweiten Ansatz präsentiert. Der besteht darin, die Solarfläche möglichst weit, aber auch möglichst unauffällig auszudehnen.

Möglich wird dies durch eine neue Technik, bei der die Solarzellen in Streifen direkt auf den Stoff gedruckt werden. Dadurch können sie dezent ins Design integriert werden, was wiederum die Akzeptanz beflügeln soll. Die vorgestellte Solar-Krawatte zeigt allerdings auch die Grenzen der Technik. Denn um einen richtigen Knoten zu binden, sind die Solarzellen immer noch nicht flexibel genug, weshalb die Energie-Krawatte geklippt werden muss.

Abgesehen davon: Sie ist richtig hässlich.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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