Touchscreen-Blackberry Storm RIM bläst zum Sturm aufs iPhone

Während Apple versucht, sein iPhone attraktiver für Business-Kunden zu machen, geht Research in Motion mit dem Blackberry Storm genau den umgekehrten Weg. Mit Touchscreen und Multimedia-Vollausstattung soll das neue E-Mail-Smartphone sich Privatanwendern empfehlen.

Das Timing des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) ist fast perfekt. Gerade jetzt, da eine Finanzkrise den Globus erschüttert, Banker und Börsianer um ihre Jobs fürchten, bringt das für seine Unternehmensanwendungen berühmte Unternehmen ein neues Smartphone, den Storm, auf den Markt. Das passt. Schließlich wendet sich der Storm mit seinen Funktionen vornehmlich an Privatanwender und ist nicht wie viele seiner Vorgänger primär auf den Geschäftskundenmarkt ausgerichtet. Eine Überraschung ist es freilich nicht, dass Blackberry sein erstes Touchscreen-Smartphone vorstellt. Nach Ansicht des Gadget-Blogs Shiny-Shiny war das neue Gerät gar "das am schlechtesten gehütete Handy-Geheimnis seit dem iPhone".

Dessen Highlight ist der berührungsempfindliche Bildschirm, ein Novum in dieser Form nicht nur für Blackberrys. Das neue Display funktioniert etwas anders als man es von solchen Bildschirmen gewöhnt ist. Augenscheinlich haben sich die Entwickler viel Mühe gegeben, das typische Blackberry-Feeling auch auf den Storm zu übertragen. Bisher nämlich war ein kleiner Trackball das wichtigste Bedienelement dieser Geräte. Einhändig kann man damit den Cursor über den Bildschirm bewegen, einzelne Symbole ansteuern. Um ein Symbol auszuwählen drückt man den Trackball wie beim Mausklicken leicht herunter.

Der Touchscreen-Blackberry funktioniert ganz ähnlich, nur ohne Trackball. Während man Objekte mir dem Finger verschieben kann, muss man nämlich auch hier ein bisschen Kraft aufwenden, um eine Aktion wie den Start des E-Mail-Programms auszulösen. Dabei gibt der Bildschirm, ähnlich wie der Trackball, ein wenig nach, lässt sich "Engadget" zufolge um einen knappen Millimeter nach unten drücken. Und das ist tatsächlich wörtlich gemeint: Das komplette Display scheint "schwimmend" in dem Gerät aufgehängt zu sein, gibt dem Anwender eine fühlbare Rückmeldung. Wenn das funktioniert, ist den Blackberry-Ingenieuren tatsächlich ein Schritt voran in Sachen fingerempfindlicher Oberflächen gelungen.

Das Display regelt sich selbst

So ganz wollte man sich aber dann doch nicht auf die Bildschirmbedienung verlassen. Unterhalb des Displays prangen noch vier Knöpfe, deren Funktion jeder Blackberry-User längst verinnerlicht hat: Je einer, um Gespräche anzunehmen oder zu beenden, einer, um das Hauptmenü aufzurufen und eine Zurück-Taste. Ebenfalls als Aufruf an Bestandskunden, das neue Gerät liebzugewinnen, dürfte die virtuelle Bildschirmtastatur des Storm gedacht sein. Denn für Blackberry-Nutzer, die sich über Jahre an das etwas ungewöhnliche System der doppelt belegten Tastatur einiger Blackberrys gewöhnt haben, blendet der Storm in der Hochkantansicht dieselben Doppeltasten ein, die man beispielsweise vom Blackberry Pearl kennt. Alle übrigen Anwender werden sich dagegen eher über die im Querformat angezeigte QWERTZ-Tastatur freuen, die vom Layout einer PC-Tastatur gleicht.

Der Bildschirm selbst wird von jenen, die das Gerät bereits gesehen haben, einhellig gelobt. Mit 480 x 360 Bildpunkten ist die Auflösung knapp höher als beim iPhone (480 x 320 Pixel). Kontrast und Helligkeit werden als hervorragend beschrieben. Einen gewissen Anteil an diesen Eindrücken dürfte der Lichtsensor haben, der die Einstellungen des Bildschirms an das jeweilige Umgebungslicht anpasst. Scheint die Sonne, regelt er die Helligkeit hoch, sitzt man in einem nachts abgedunkelten Flugzeug, wird das Display gedimmt. Ob man sich das Handy gerade hochkant oder quer vor Augen hält erkennt ein Sensor, der, wie beim iPhone, den Bildschirminhalt entsprechend rotieren lässt.

Technik Tipp-Topp

Die sonstige technische Ausstattung lässt kaum Wünsche offen. Die Auflistung der drahtlosen Vernetzungsfunktionen liest sich wie eine Zusammenfassung aktuell verfügbarer Technologien. Mit an Bord sind EDGE, GPRS, GSM, UMTS/HSDPA und Bluetooth. Da fehlen eigentlich nur noch W-Lan und WiMax. Für Navigation und Ortungsfunktionen ist ein GPS-Modul eingebaut. Besonders löblich: Per Bluetooth können nicht nur Telefonate, sondern auch Musik drahtlos und in Stereo übertragen werden. Das macht den Storm bei mancher Auto-Hifi-Anlage zum schnurlosen Ersatz für den CD-Wechsler im Kofferraum.

Mobile Breitbandformate

Den eingebauten Speicher gibt der Hersteller mit 1 Gigabyte an. Via microSD-Karte lassen sich aber bis zu 16 Gigabyte zusätzlich einstecken. Für Schnappschüsse ist eine 3,2 Megapixel-Kamera eingebaut. Die Stand-by-Zeit gibt der Hersteller mit 15 Tagen an, Dauerquasslern sollen bis zu sechs Stunden Gesprächszeit zur Verfügung stehen.

Mehr Funktionen als das iPhone

In Deutschland soll der Storm rechtzeitig zur Sturmsaison, etwa ab Mitte November, verfügbar werden. Ebenso wie Apple mit dem iPhone geht auch RIM den Weg, exklusive Vertriebspartner zu suchen. Deshalb wird man den Storm hierzulande ausschließlich bei Vodafone bekommen. Die Preise für das Gerät sollen zwischen 20 und 200 Euro liegen. Wie viel man genau bezahlen muss, hängt von dem Mobilfunkvertrag ab, den man bei Kauf abschließt.

Unterm Strich kann der Storm einiges, worauf iPhone-Anwender jetzt seit eineinhalb Jahren warten. Er kann Musik via Bluetooth übertragen, beherrscht das Kopieren und Einsetzen von Textpassagen und kann MMS-Nachrichten senden und empfangen. E-Mails lässt er sich automatisch vom Server zustellen, sobald sie eintrudeln, ohne dass dadurch seine Akkulaufzeit drastisch verkürzt würde.

Was jetzt noch fehlt sind ein besserer Web-Browser und ein Online-Shop für Zusatzanwendungen, ähnlich Apples App Store. An einen solchen, so lauten Gerüchte, die sich seit Tagen hartnäckig halten, arbeitet RIM allerdings schon fieberhaft. Bleibt nur abzuwarten, ob dessen Repertoire dann ebenso vielfältig sein wird, wie das Angebot im App Store. Sollte RIM dieses Kunststück schaffen, hat Apple einen Grund mehr, sich beim nächsten iPhone-Modell noch etwas mehr ins Zeug zu legen als bisher.

Die Konkurrenz kommt näher.

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