Touchscreen-Patente Apple könnte Palm verklagen

Die Wiederauferstehung muss vielleicht verschoben werden. Palms Smartphone Pre ist in Details dem iPhone so ähnlich, dass Beobachter einen Rechtsstreit mit Apple fürchten. Während die iPod-Firma mit dem Säbel rasselt, gibt sich Palm selbstsicher.

Die Begeisterung war groß: Als der strauchelnde Handyhersteller Palm sein neues Touchscreen-Handy, den Palm Pre, auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas vorstellte, waren Presse und Publikum begeistert. Nicht ganz so begeistert scheint man dagegen in Apples Hauptquartier in Cupertino gewesen zu sein. Die elegante Benutzeroberfläche des Handy-Neulings erinnert teilweise doch sehr an die des iPhone, könnte möglicherweise Apple-Patente verletzen.

Das potentielle Problem: Palms Mobil-Browser. Der nämlich verfügt über einige Funktionen, die man bisher nur beim iPhone und dem darauf installierten Apple-Browser Safari gesehen hat. Unter anderem kann man Safari mit zwei Fingern bedienen. Indem man etwa Zeigefinger und Daumen auf ein Bild legt und auseinander bewegt, lassen sich Teile von Webseiten stufenlos vergrößern oder - umgekehrt angewendet - verkleinern.

Multitouch heißt diese Technik, bei der ein Touchscreen die Bewegungen mehrerer Finger auswerten und in Befehle umsetzen kann. Als er diese Funktionen im Januar 2007 zum ersten Mal vor Publikum zeigte und dafür reichlich Beifall erntete, bezeichnete Apple-CEO Steve Jobs die Neuentwicklung als geradezu magisch. Mögliche Nachahmer schreckte er mit der Bemerkung "Oh Mann, und wie wir das patentiert haben", ab.

Kein Multitouch beim Google-Handy ... oder doch?

Der Spruch tat seine Wirkung. Und natürlich das Wissen vieler Unternehmenslenker, dass mit Apples schon legendärer Rechtsabteilung nicht zu spaßen ist. Bislang hat es kein Hersteller gewagt, Apples Multitouch-Gestensteuerung zu kopieren. Auch Google und das Open Handset Consortium, die das Android-Betriebssystem für Handys wie das T-Mobile G1 entwickeln, haben sich bislang vorsichtig zurückgehalten.

Der berührungsempfindliche Bildschirm des G1 ist nämlich grundsätzlich in der Lage, Mehrfinger-Gesten wie beim iPhone zu verstehen. Das zumindest demonstriert der Android-Entwickler Luke Hutchison. Er hat eine Software geschrieben, mit der sich Bilder und Webseiten auf dem G1 ebenso mit Zweifingergesten vergrößern und verkleinern lassen wie beim iPhone. Um die Software einzuspielen ist derzeit allerdings noch einige Arbeit nötig, die Hutchison nur erfahrenen Anwendern empfiehlt.

Jobs Vertreter droht Nachahmern

Viel einfacher dürfte Multitouch dagegen mit Palms neuem Hoffnungsträger, dem Palm Pre, werden. Dessen Webbrowser beherrscht die Zweifingertechnik ebenso souverän wie Apples Safari. Doch was Beobachtern auf den ersten Blick gut gefällt, könnte für Palm jetzt zum Problem werden. Denn im Rahmen einer Finanzpressekonferenz stellte der derzeit amtierende Apple-Chef Tim Cook, der Steve Jobs während seiner Auszeit vertritt, klar, dass man sich all zu dreiste Abkupferungsversuche nicht wird gefallen lassen.

"Wir mögen den Wettbewerb, denn Wettbewerb macht uns besser, so lange er nicht unser geistiges Eigentum ausnutzt," sagte Cook und fügte hinzu, Apple werde "jeden verfolgen, der das versucht". Ziemlich klar, dass er damit Palm im Auge hat, auch wenn er mehrfach darauf hinwies, mit seiner Aussage nicht auf eine bestimmte Firma abzielen zu wollen. Noch allerdings muss Cook sich auch zurückhalten. Denn die Patente, von denen Jobs bei der Einführung des iPhone sprach, sind zwar angemeldet, vom US-Patentamt bisher aber offensichtlich nicht abgesegnet worden. Bis es soweit ist, wird sich der iPhone-Hersteller also noch bremsen müssen.

Trumpfkarte Rubinstein

Palm selbst sieht möglichen Klagen Apples offenbar gelassen entgegen. So gab sich zumindest Palm-Chef Ed Colligan im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zuversichtlich, dass es kaum zu einem Rechtsstreit zwischen Palm und Apple kommen werden. Schließlich, so sein Argument, verfüge Palm selbst über Hunderte Patente für Smartphone-Technologien. Im Falle einer Klage seitens Apples, da scheint Colligan sicher zu sein, könne man locker mit einem ganzen Schwung von Gegenklagen kontern.

Noch aber ist es nicht soweit und die Streithähne sondieren noch das Gelände. Das es für Apples Image nicht gerade förderlich wäre, Palm gerade jetzt, da es mit der Firma wieder aufwärts zu gehen scheint, zu verklagen, dürfte Apples Chefetage vollkommen schnurz sein. Eine Möglichkeit, sich ohne teure Rechtsanwälte zu einigen freilich, gibt es noch.

Jon Rubinstein, der bei Palm für die Entwicklung des Pre verantwortlich ist, hat jahrelang selbst in Apples Chefetage gesessen. Seine Beteiligung am iPod brachte ihm den Beinamen "the Podfather" ein. Als solcher könnte er heute noch einen Draht zu Apples jetzigen Chefs haben - und den aufkommenden Streit schlichten können, ohne dass es zu Kollateralschäden im Justizpalast kommt.

mak
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