Twitter-Babys Hör mal, wer da tritt

Das Twitter-Baby verschickt schon aus dem Mutterleib fleißig SMS: Jeder Tritt wird von Sensoren registriert und das Ereignis per SMS ans Handy des Vaters gemeldet. Und mit dem MP3-Player-Stethoskop können Mütter dem Herzschlag ihrer ungeborenen Kinder lauschen.

Dass Eltern ihre Kinder im Grundschulalter per Handy orten, gehört inzwischen zum Mobilfunkalltag. Und auch, dass Kinder schon im Kindergartenalter ein eigenes Handy bekommen, scheint heute keine besondere Ausnahme mehr zu sein. Sogar bei vielen Geburten spielen Handys schon eine tragende Rolle, weil Eltern direkt nach der Geburt Fotos vom Nachwuchs an Freunde und Angehörige senden.

Damit hat sich der Mobilfunk scheinbar mühelos in allen Lebensphasen etabliert - außer der Schwangerschaft. Aber auch hier könnten sich Handy und Co. bald breitmachen. An entsprechenden Gadgets und Anwendungen wird jedenfalls schon fieberhaft gearbeitet. Und schon weil hier ein riesiger neuer Markt winkt, sind entsprechende kommerzielle Angebote wohl nur eine Frage der Zeit.

Baby tritt SMS

Der New Yorker Web-Entwickler Corey Menscher, der sich selbst als Technologen bezeichnet, ist der Vater des ersten Twitter-Babys: Wenn es tritt oder sich spürbar im Mutterleib bewegt, wird vom Twitter-Account seiner Mutter automatisch eine SMS ans Handy des Vaters geschickt. Mit diesen Botschaften, die eigentlich immer nur das "Baby bewegt sich" bedeuten, ist Menschers Nachwuchs schon fast ein typischer Twitter-Nutzer. Denn über den Micro-Blogging-Dienst werden auch von Erwachsenen vor allem Mini-Nachrichten-Häppchen aus dem eigenen Alltag verbreitet.

Menscher hat sein Twitter-System für Ungeborene namens "Kickbee"  kürzlich im Rahmen einer Ausstellung der New York University vorgestellt, wo der werdende Vater gerade im Interactive Telecommunications Program (ITP) sein Studium abschließt. Kickbee registriert die Bewegungen des Kindes mit Piezo-, also Druck-Sensoren, die in einem Bauchbeutel untergebracht sind, den die werdende Mutter trägt.

Anschließend werden die Daten mittels Bluetooth an den heimischen Computer oder das Handy der Mutter gefunkt, wo sie von einer einfachen Java-Software analysiert werden. Bei besonders starken Bewegungen oder Tritten schickt die Software eine Nachricht an Twitter, von wo sie beispielsweise ans Handy des Vaters weitergeleitet wird. Aber natürlich können ganz nach Belieben auch weitere Verwandte oder Freunde am Strampeln des Ungeborenen per E-Mail oder SMS teilhaben.

MP3-Player-Stethoskop

Angesichts des Ungeborenen, der SMS verschickt, scheint die Zeit für Schwangerschafts-Gadgets wirklich reif zu sein. Das hat sich wahrscheinlich auch der polnische Designer Robert Majkut gedacht, als er sein MP3-Player-Stethoskop "Beforeme"  entwarf. Das Gerät stellt zunächst einen MP3-Player mit Aufnahmefunktion dar, an den allerdings statt eines Mikrofons ein Stethoskop angeschlossen wird. Damit kann der Herzschlag des Kindes während der Schwangerschaft abgehört und natürlich auch aufgenommen werden.

Laut seinem Erfinder soll das MP3-Player-Stethoskop die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind schon vor der Geburt optimal fördern. Nach der Geburt sollen sie nach Majkuts Vorstellungen gemeinsam den Herzschlag-Aufnahmen lauschen. Äußerlich soll Beforeme übrigens wahlweise an einen Embryo oder aber an ein Herz erinnern, aber diesbezüglich mag sich Majkut nicht genau festlegen. Angeblich hat sogar schon ein Investor Interesse am Schwangerschafts-MP3-Lauscher signalisiert, das Gerät könnte also tatsächlich in naher Zukunft auf den Markt kommen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.