UMTS-Auslandskosten Vodafone will's billiger machen

Das mobile Datennetz UMTS ist nur höchst eingeschränkt europatauglich - wer nicht aufpasst, hat nach einem Auslandsaufenthalt schnell einige Tausend Euro ersurft, egal bei welchem Anbieter. Vodafone will nun mit einem neuen Tarif für Transparenz sorgen.


Als SPIEGEL ONLINE vor einigen Wochen über die horrenden Summen berichtete, die UMTS-Nutzung im Ausland schnell kosten kann, war die Empörung groß. An die Hundert Leser schickten eigene UMTS-Rechnungen (siehe Bilderstrecke) und Berichte über eigene bittere Erfahrungen mit den Mobilnetz-Kostenfallen an Europas Grenzen ein.

Vodafone, in Deutschland Marktführer im Bereich UMTS, hat soeben einen neuen Tarif angekündigt, der das Reisen mit dem mobilen Netz finanziell sicherer machen soll. Der sogenannte "WebSessions Tarif" soll ohne monatlichen Basispreis auskommen, auch im Ausland Kostentransparenz garantieren und die Nutzung soll auch ohne Vodafone-Vertrag möglich sein. Dazu soll beitragen, dass es mit der neuen Methode nur möglich ist, sich in ein Vodafone-Partnernetz einzubuchen - denn die größten Kosten entstehen, wenn der ausländische Anbieter keinen Roaming-Vertrag mit dem hiesigen Netzbetreiber abgeschlossen hat.

Zur Nutzung dieses Dienstes braucht man eine UMTS-Datenkarte und eine spezielle SIM-Karte für den WebSessions-Tarif. Wer im Ausland dieses System nutzen will, muss eine spezielle Adresse in die Software eingeben, die die Karte ansteuert. Dann lässt sich den Unternehmensangaben zufolge eine festgelegte Zeitspanne für UMTS-Verbindungen vor Ort erwerben, die anschließend per Kreditkarte abgerechnet wird. Im Ausland sollen 15 Minuten 8,72 Euro kosten, 2 Stunden soll man für 15,54 Euro online bleiben können.

Knapp dreißig Euro für einen Tag online sein

Volle 24 Stunden kosten 28,22 Euro. Während des gebuchten Zeitraums sollen dann alle Verbindungen ohne weitere Zusatzkosten möglich sein. Die gleiche Option für gelegentliche Nutzug gilt auch im Inland - zu niedrigeren Preisen. 24 Stunden sollen im Inland etwa 17,49 Euro kosten.

Die Auslandsoption gilt zunächst in 14 Ländern Europas, darunter Frankreich, Italien und Großbritannien. Westeuropa ist bis auf die Kleinstaaten weitgehend abgedeckt, weitere Länder sollen ab Januar 2007 folgen.

Sensationell preisgünstig ist das neue Auslands-Angebot nicht, für den Dauereinsatz während eines längeren Auslandsaufenthaltes ist es immer noch zu teuer. Immerhin ist der Tarif aber geeignet, böse Überraschungen nach der Rückkehr nach Hause zu vermeiden. An die preisliche Attraktivität des - allerdings zeitlich begrenzten - Angebotes eines italienischen Anbieters reicht das Angebot allerdings nicht heran.

Vodafones Konkurrenten, deren Kunden bei Auslandsreisen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, planen im Augenblick keine konkreten Tarifänderungen. Ein E-Plus-Sprecher teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit: "Wir versuchen immer, Tarife günstiger und für den Kunden attraktiver zu machen. Konkrete Schritte kann ich aber im Augenblick nicht ankündigen." Bei O2 heißt es: "Wir evaluieren derzeit verschiedene Tarifmodelle." Man könne sich vorstellen, im nächsten Jahr ein überarbeitetes Angebot auf den Markt zu bringen. Eine Stellungnahme von T-Mobile, dem vierten Marktteilnehmer im Bereich Mobilfunk, steht noch aus.

cis



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