Undersound Musik mit Ortsgedächtnis

Die U-Bahn steht für Mobilität in der Großstadt. Inzwischen hat sich unsere einst positive Vorstellung von dieser Art des Mobilseins radikal verändert. Das Projekt "Undersound" will jetzt die U-Bahn mit dem mobilen Musiktausch verbinden - und so neue, positive Erlebnisse schaffen.


"Undersound" ist ein Projekt von Arianna Bassoli, Johanna Brewer und Karen Martin, welches gerade bei der International Conference on Ubiquitous Computing in Kalifornien vorgestellt wurde. Bis dato befindet sich ihre Arbeit noch in der konzeptionellen Phase.

Menschentransporter U-Bahn: Zumindest die Handys kommunizieren

Menschentransporter U-Bahn: Zumindest die Handys kommunizieren

Den drei Designerinnen schwebt bei ihrem Projekt eine Applikation vor, die das Verteilen und den Vertrieb von Musik in der Londoner U-Bahn via Bluetooth ermöglichen und uns damit die tägliche Fahrt mit der U-Bahn neu erleben lassen soll.

Kommunikation mit Menschen und Orten durch Musik

"Undersound" ist ein Interface, das zunächst zwischen dem Mobiltelefon des Fahrgastes und der jeweiligen U-Bahn-Station, an der er sich gerade aufhält, kommuniziert. Darüber kann der jeweilige Nutzer dann Musik-Datenbanken in der U-Bahn durchstöbern und dort gleichzeitig selbst Tracks herunterladen und neue aufspielen.

Das Besondere an "Undersound" ist, dass jedes dort gesammelte Musikstück zusätzlich mit spezifischen Informationen zu seiner ursprünglichen Herkunft markiert (getagged) wird: Damit wird beim Abspielen eines Songs auf dem Handy beispielsweise angezeigt, an welcher Bahnstation dieser heraufgeladen wurde. Diese Funktion soll beim jeweiligen Nutzer Erinnerungen und Träumereien in seine persönliche Beziehung zu diesem sonst eher unpersönlichen Ort auslösen.

Bewegungsmuster

Ergänzt wird der Service von "Undersound" noch um die Möglichkeit, auch die Datenbank anderer Fahrgäste zu durchstöbern. Da das System beim Up- und Download der Musik Metadaten zu seiner Herkunft sammelt, sind diese dann auch beim Stöbern für andere Nutzer sichtbar: Beispielsweise wie oft der Track gespielt wurde. Beim Stöbern selbst bleibt man anonym, nur wenn man sich etwas aus der "fremden" Datenbank herunter lädt, wird der jeweilige Besitzer alarmiert.

Neben den persönlichen und kommunikativen Aspekten, die "Undersound" bei seinen Nutzern auslösen kann, sehen Bassoli, Brewer und Martin gerade in der Konzipierung für ein U-Bahn-Netz die beste Möglichkeit, tagtägliche soziale Praxis wider zu spiegeln: "Es kombiniert aktuelle und allgegenwärtige Technologien derart, dass damit derzeitige soziale Praktiken reflektiert werden, indem die Songs mit dem Ort verlinkt sind, wo sie zum ersten Mal zugänglich gemacht werden, aber ihre Reise durch den Raum von den Bewegungen der Menschen und ihrem Verhalten über die Zeit abhängig ist ."

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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