Update bei Apple Was die neue iPhone-Software kann

"Cut & Paste", MMS, einheitliche Suchfunktion: Mit der dritten Version des iPhone-Betriebssystems schließt Apple wichtige Lücken, bringt aber keine wirklichen Innovationen. Nur das Programmierer-Kit, mit dem Nutzer selbst iPhone-Anwendungen schreiben können, wird noch einmal erheblich besser.

Von , Cupertino


Da hilft nur noch Selbstironie. Apple hat ein Handy entwickelt, das den kompletten Mobilfunkmarkt umgewälzt hat. Zwei Versionen des Betriebssystems gibt es schon, die dritte soll jetzt folgen. Und erst dann enthält es eine Funktion, die in den Augen vieler Nutzer längst überfällig war. Scott Forstall, Vizepräsident von Apple, weiß das. Und deshalb flüchtet er sich in den Humor, als er am Dienstagmorgen (Ortszeit) in Cupertino die Neuigkeiten des iPhone-Betriebssystems 3.0 präsentiert.

Apple-Vize Forstall bei der Präsentation des neuen iPhone-Betriebssystems: "Cut, copy and paste. And undo."
REUTERS

Apple-Vize Forstall bei der Präsentation des neuen iPhone-Betriebssystems: "Cut, copy and paste. And undo."

Seit Monaten zwitschern und bloggen Nutzer, dass dem iPhone eine einfache Möglichkeit fehlt, die andere Smartphones wie der Blackberry (Research in Motion) oder der Treo (Palm) längst besitzen: Die Option, Texte und Bilder auszuschneiden - und an einer anderen Stelle wieder einzufügen.

"Cut, copy and paste", sagt Forstall und zeigt, wie man mit ein paar einfachen Fingerzeigen Texte und Bilder aus E-Mails, SMS oder Web-Seiten ausschneidet und in andere Programme wieder einfügt. Dann macht Forstall eine Kunstpause - und schüttelt das iPhone. "And undo", sagt er. Er grinst und wartet, bis das Gelächter im Saal wieder abebbt.

Dass man durch Schütteln des iPhones Getanes wieder rückgängig machen kann, ist eines der hübschen Details, die das dritte Betriebssystem des Smartphones bereithält.

Über hundert neue Funktionen umfasst das iPhone OS 3.0 - bei so gut wie allen davon handelt es sich allerdings um Anwendungen, die kritische Nutzer seit langem fordern - und bei denen man sich fragt, warum es eigentlich so lange gedauert hat, bis Apple diese Funktionen anbietet. Da wären beispielsweise ...

  • ... die Möglichkeit, MMS zu versenden,
  • ... Programme anständig zu durchsuchen,
  • ... die Touchscreen-Tastatur in wichtigen Programmen im Querformat benutzen zu können, wodurch die Buchstaben größer sind.

Apple bietet diese Funktionen nun endlich an - und schließt damit wichtige Lücken im immer härter umkämpften Markt. Die Smartphone-Revolution hat die Machtverhältnisse der Hersteller in ihren Grundfesten erschüttert. Beherrschte Nokia Ende 2007 noch über 50 Prozent im Smartphone-Segment, waren es Ende 2008 gerade noch 37 Prozent. Die Anteile von Apple und Research in Motion stiegen dagegen deutlich: 13,7 Millionen iPhones verkaufte das Unternehmen laut Forstall im vergangenen Jahr, 17 Millionen seit seiner Markteinführung am 29. Juni 2007.

Doch die Konkurrenz schläft nicht - auch sie produziert immer smartere Smartphones - und bringt Apple unter Zugzwang. Für die Innovatoren aus Cupertino war es daher wichtig, das Betriebssystem an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Eine wirklich große Überraschung, wie Apple sie gelegentlich auf Präsentationen enthüllt, ist das OS 3.0 allerdings nicht - zumindest vorerst.

Denn die wirklich beeindruckende Neuerung, die Apple am Dienstag parallel zum neuen Betriebssystem vorstellt, wird seine Macht erst in den kommenden Wochen und Monaten entfalten: das neue Software Developer Kit (SDK), über das Programmierer rund um den Globus weit intelligentere Anwendungen für das iPhone schreiben können als bislang möglich.

Um über tausend neue Programmierschnittstellen (API) ist der Programm-Baukasten ab sofort reicher. Die neuen Schnittstellen umfassen unter anderem die Möglichkeit, via Bluetooth Computerspiele gemeinsam mit anderen iPhone-Nutzern zu spielen - und sie ermöglichen die Vernetzung von iPhone etwa mit medizinischen Geräten wie Blutzuckermessern.

Welch mächtige Software sich mit dem neuen SDK programmieren lässt, konnte man am Dienstag in Cupertino bereits erahnen: Sieben Software-Programmierer durften in den vergangenen zwei Wochen bereits mit dem neuen SDK arbeiten - die Präsentation dessen, was sie in so kurzer Zeit mit dem Developing Kit programmiert haben, provozierte im Publikum frenetischen Beifall.

Auch an der Börse legte die Apple-Aktie, hauptsächlich wegen des neuen SDK, deutlich zu. Denn durch den neuen Software-Baukasten dürften in den kommenden Wochen und Monaten nicht nur zahllose intelligente Anwendungen entstehen, die das iPhone gegenüber der Konkurrenz weitere Alleinstellungsmerkmale hinzufügen. Der Verkauf der Software über den sogenannten App Store, Apples Programme-Basar, macht die von Nutzer programmierten Anwendungen zudem zu einem attraktiven Geschäftsmodell.

Dreißig Prozent Provision kassiert Apple pro Download einer Software - den Rest bekommt der Programmierer, der zudem den Kaufpreis seines Programms selbst festlegen kann. Dieses Konzept ist sowohl für den Software-Designer als auch für Apple interessant. Und es hat laut Forstall eingeschlagen wie eine Bombe. "Seit der Einführung des ersten SDK vor acht Monaten wurden über 25.000 Anwendungen in den AppStore eingestellt", sagt er. Diese seien bisher über 800 Millionen mal heruntergeladen worden. "Und damit kratzen wir gerade erst an der Oberfläche."

Ob er damit recht behält, dürfte sich schon bald herausstellen: Die 50.000 Programmierer, die bereits am Apple-Entwickler-Programm teilnehmen, können das neue SDK ab sofort als Beta-Version testen. Wer noch nicht registriert ist, kann dies laut Apple tun und ebenfalls mit den neuen Möglichkeiten experimentieren.

Im Sommer dann soll das neue Apple-Betriebssystem zum Download bereitgestellt werden. Für iPhone-Nutzer ist es kostenlos, Besitzer eines iPod-Touch, der mit demselben Betriebssystem läuft, zahlen 9,95 Dollar.

Was das neue Apple-Betriebssystem alles kann - wichtige Funktionen im SPIEGEL-ONLINE-Überblick

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