Urheberrechtsabgabe auf Handys Finnland eröffnet die Debatte

Nokia stellt nicht nur Mobiltelefone her - die digitalen Taschengeräte der Gegenwart sind längst Multimedia-Player. Nun wird der Hersteller im heimischen Finnland wieder einmal mit der Frage konfrontiert, wie sich seine multimedialen Universal-Geräte zum Urheberrecht verhalten.

Die anhaltend rasante technische Entwicklung im Medien- und Kommunikationssektor führt regelmäßig zu Kollisionen mit den Gesetzen, die den Umgang mit Texten, Bildern oder Musik regeln: In Deutschland erregte zuletzt vor allem die Rundfunkgebühr auf alle "Internet-fähigen" Geräte die Gemüter, aktuell wird herzhaft um die nächste Stufe der Urheberrechts-Reform gestritten.

In der Diskussion spielen neben dem Status der Privatkopie vor allem die Urheberrechts-Pauschalen auf Datenträger und Computer in allen denkbaren Erscheinungsformen eine entscheidende Rolle. Wobei die Vertreter der Rechteinhaber prinzipiell für die Beibehaltung gesetzlich fixierter Abgaben streiten, während die Hardware-Produzenten möglichst flexible Vereinbarungen anstreben. Abhängig vom Einsatzgebiet sollen universell einsetzbare Geräte urheberrechtlich unterschiedlich beurteilt werden.

Kollateralschäden des Erfolgs

Statt banaler Telefone stellt auch Marktführer Nokia tendenziell immer mehr Multifunktionsgeräte her, die alle denkbaren Funktionen im Handy integrieren: MP3-Player, Kamera, Camcorder, Spielkonsole, Videoplayer, Satelliten-Navigation. Und noch ist längst kein Ende in Sicht.

Die Entwicklung hat Nokia mehr oder weniger en passant zum weltweit führenden Hersteller mobiler Musik-Geräte gemacht, allein im zweiten Quartal 2006 konnte der Konzern 15 Millionen Handys mit integriertem MP3-Player absetzen. Angesichts dieser Zahlen verlangen finnische Urheberrechts-Organisationen jetzt auch eine Gleichstellung mit "nackten" MP3-Playern wie Apples iPod: In dessen Kaufpreis sind in Finnland bis zu 15 Euro Urheberrechts-Pauschale enthalten. Handys sind von der Abgabe bislang nicht betroffen. Laut der finnischen IT-Site "Afterdawn" verlangen Autoren- und Verwertungsgesellschaften nun lautstark die "Gleichbehandlung" der ohnehin als "Musik-Handys" vermarkteten Geräte.

Genügsame Nutzer

Die unweigerlich drohende Debatte in Finnland dürfte ein besonders grelles Schlaglicht auf einen auch hierzulande herrschenden Widerspruch werfen: Immer leistungsfähigere Prozessoren und üppiger Speicherplatz machen aus Gadgets universell einsetzbare Werkzeuge, die von ihren Benutzern im Alltag nur rudimentär genutzt werden.

Die Frage, ob auf der neuen Samsung-SIM-Karte ein Gigabyte Musik, private Fotos oder gar nichts gespeichert wird, spitzt sich dabei immer weiter zu, weil die Industrie nicht im Traum daran denkt, ins neue Modell weniger Funktionen einzubauen. Und das, während die Konsumenten immer mehr technisches Potential erwerben, um es anschließend zu ignorieren - und Rechteinhaber verzweifelt versuchen, ihre Verluste im konventionellen Geschäft mit Inhalten zu kompensieren.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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