Virtuelle Telefonanbieter SIM-Karte zum Billigflug

Billigflüge angeln ist in den letzten Jahren eine der Lieblingsbeschäftigungen der reisefreudigen Deutschen geworden. Jetzt gibt's dazu die passende SIM-Karte von CHE Mobile. Und auch Internetfirmen wie AOL wagen sich zaghaft auf den virtuellen mobilen Markt vor.


Flugreisen: Künftig SIM-Karte zum Ticket?
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Flugreisen: Künftig SIM-Karte zum Ticket?

Lange Zeit war der Markt der Virtuellen Anbieter (MVNOs) von Telefon-Tarifen in Deutschland auf Ketten beschränkt, die ihre Auslagen in den Städten als Vertriebsplattform nutzten. Es ging also eher darum, neue Vertriebsmöglichkeiten handykompatibel zu gestalten. Tchibo und die gängigen Discounter sind alle auf den Zug der Prepaid-Handys gesprungen, selbst als schon einigermaßen klar war, dass die Handy-Abdeckung in Deutschland sich langsam dem kompletten Sättigungsgrad nähert. Hochpreisige MVNOs wie in den USA etwa Helio, die vor allem spezielle Software (MySpace-Anbindungen etc.) anbieten, um ein spezielleres Publikum anzusprechen, wurden hierzulande noch nicht wirklich gesichtet.

Lokales Festnetz als Alternative zum Roaming

Nun sind aber neue Initiativen auch in Deutschland gefragt. Das Zweithandy mit eher esoterischem Nutzerprofil ist zum Beispiel die Grundlage für den Tarif, den der virtuelle Mobilfunkanbieter CHE Mobile eben gestartet hat. Reisende, deren Billigflug- und Sonderangebots-Trips durch im Nachhinein massive Telefonrechnungen versauert werden, sind die Zielgruppe. Die in letzter Zeit nur zu oft zu recht gescholtenen Roamingtarife umgeht CHE Mobile, indem es die Telefongespräche über Festleitungen ins Ausland routet, und so jeweils nur die innerstaatlichen Festnetztarife zum jeweiligen Mobilpartner als Unkosten hat. Mit einem ähnlichen Prinzip - allerdings ohne SIM-Karte - operieren auch andere Anbieter wie die schwedische rebtel.com.

Als Vertrieb hat sich der sich selbst als "ehemaligen Salonmarxisten" bezeichnende CHE-Vorstand Nils Tharandt-Ortiz diverse Reise- und Tourismusanbieter ausgesucht, denn da finden sich die reiselustigen Zielgruppen seiner Meinung nach ein. Spruchreif scheint allerdings bislang noch kein Deal zu sein. Und ob man demnächst zusammen mit dem EasyJet-Flug eine SIM-Karte im Bundle bestellen kann, bleibt abzuwarten. Bislang gibt es CHE Mobile nur über das Internet.

Internetfirmen machen Mobil

Und genau da lauern auch schon die nächsten Neueinsteiger ins Mobile Business. AOL hat soeben beschlossen als einer der verbleibenden großen, originären Internetfirmen der ersten Stunde, einen eigenen Mobilfunkservice ins Beta-Test-Rennen zu schicken. Bislang sind die Tarife dort weder sonderlich überraschend noch besonders einfach von anderen Anbietern im Netz wie Simyo oder Blau.de zu unterscheiden.

Der Einstieg anderer großer Internet-Firmen ins Handygeschäft hierzulande könnte allerdings einen Druck auf die Telekom bewirken: Indem Webservices, vorhandene Webinhalte und Mobilfunk stärker zusammenwachsen, und so VoIP oder Chatfunktionen die bisherigen Modelle bezahlter Einzelverbindungen oder SMS weiter verwässern. Schon verwandeln sich Inhalte wie etwa YouTube in einen mobilen Service.

In dieser Hinsicht scheint es auch weniger bemerkenswert, wenn z.B. ein Computer- und MP3-Player-Hersteller wie Apple nun absehbar doch auch Telefone verkauft. Die wahre Revolution wäre etwa ein Einstieg von Google in die Welt der MVNOs.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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