Voice over IP Verzögerungen bei Handy-Skype

Eine Version der populären Skype-Software für das weitverbreitete Handy-Betriebssystem Symbian lässt weiter auf sich warten. Die Mobilfunkanbieter können so ungestört bei ihren Kunden abkassieren - und den Datenverkehr limitieren.


Die Idee klingt bestechend: Mit einer Daten-Flatrate fürs Handy und einer VoIP-Software wie dem populären Skype wären Nutzer beim Telefonieren von der Preisgestaltung der Mobilfunkbetreiber unabhängig - und tendenziell würden damit auch mobile Gespräche weitgehend kostenlos.

Symbian-Handy Nokia N93: Vorerst keine Skype-Software verfügbar

Symbian-Handy Nokia N93: Vorerst keine Skype-Software verfügbar

In der Praxis stehen der Idee allerdings eine Reihe von Hindernissen im Weg. In erster Linie wehren sich die Mobilnetzbetreiber gegen den Einnahme- und Kontrollverlust schlicht mit dem Ausschluss von Voice over IP (VoIP) bei ihren Daten-Flatrates. Aber auch den Netzbetreibern dürfte klar sein, dass sie ihre Blockadepolitik nicht endlos fortsetzen können, weil früher oder später die derzeit noch einheitliche Abwehrfront einbrechen wird: Einerseits durch den heftigen Wettbewerb im Mobilfunksektor, andererseits die steigende Nachfrage nach mobilen IP-Diensten ohne künstliche Einschränkungen.

Stiller Marktführer

Vor diesem Hintergrund sind auch die Bemühungen von Skype zu verstehen, ihre VoIP-Software auf dem Handy-Betriebssystem Symbian zur Verfügung zu stellen: Je mehr Nutzer prinzipiell die Möglichkeit haben, Skype am Mobiltelefon zu nutzen, desto höher der Druck auf die Netzbetreiber ihre Flatrate-Nutzungsbestimmungen zu lockern.

Symbian ist dabei ein elementarer Schritt, denn obwohl die Software und die gleichnamige Firma bei Konsumenten kaum bekannt sind, ist das Betriebssystem bei Smartphones führend, es wurde bereits auf annährend 70 Millionen Handys installiert. Durch seine Eigentümerstruktur ist Symbian zudem von den Netzbetreibern relativ unabhängig: Das Unternehmen wird von Handy-Herstellern wie Nokia, Samsung und SonyEricsson kontrolliert.

Projekt zieht sich

Wenn jetzt der Skype-Gründer Niklas Zennstrom in der finnischen Zeitung "Helsingin Sanomat" von weiteren technischen Hürden bei der Entwicklung einer Skype-Version für Symbian spricht, bedeutet dies also für die Netzbetreiber eine Entspannung und für Konsumenten ein Verlängerung der Ära teurer und unübersichtlicher Gesprächstarife. Eigentlich sollte Skype längst auf Symbian angekommen sein, aber statt dem zunächst angepeilten Termin Ende 2005 dürfte sich das Projekt noch bis 2007 ziehen.

Im Effekt wird sich der aktuelle Trend zu Serices wie "Vodafone DSL", "T-One" oder "o2 DSL" fortsetzen, die zwar in jeweils unterschiedlicher Form VoIP ein bisschen mobil machen, aber durch künstliche Einschränkungen die einfache Grundidee vom Handy mit Daten-Flatrate und einer Software wie der von Skype unterlaufen: Die Mobilfunkanbieter behalten so vor allem die Kontrolle darüber, wie ihre Datendienste genutzt werden - Internet-Verhältnisse am Handy gibt es deshalb nur scheibchenweise.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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