Wild-Handys Robbe simst Lebensdaten an Pfleger

Die gewöhnlichen Mobilfunknetze erweisen sich als nützliches Instrument bei der Beobachtung von Wildtieren: In vielen Fällen ist Handy-Technik inzwischen billiger und zuverlässiger als Peilsender oder die Ortung via Satellit.


Biologen, Wildhüter und engagierte Tierfreunde nutzen bei der Beobachtung von Wildtieren Handy-Netze. Im Gegensatz zu Peilsendern oder GPS-Modulen zur Satellitenortung hat die Mobiltelefontechnik dabei vor allem Kostenvorteile, aber auch die Zuverlässigkeit der Anbindung spielt eine Rolle.

Seehund: Ein griechischer Verein zur Rettung der Mönchsrobben überwacht die ausgesetzte Victoria per SMS
DDP

Seehund: Ein griechischer Verein zur Rettung der Mönchsrobben überwacht die ausgesetzte Victoria per SMS

Die SMS von der Mönchsrobbe ist ein aktuelles Beispiel für den Einsatz gängiger Handy-Technik bei der Arbeit mit Wildtieren. In Griechenland nimmt die Öffentlichkeit derzeit regen Anteil am Schicksal einer verwaisten Mönchsrobbe, die von einer Taucherin nahe der Insel Tinos aus der stürmischen See gerettet wurde. Das Tier gehört zu einer akut vom Aussterben bedrohten Art, im Mittelmeer tummeln sich derzeit nur noch rund 500 Exemplare.

Das Robbenbaby wurde daher nach seiner Rettung in die Obhut eines Vereins geben, der sich der Rettung der Mönchsrobben verschrieben hat. Das Tier wurde auf den Namen "Victoria" getauft, mit der Flasche aufgepäppelt, sowie zum Schwimmen und Tauchen angeleitet. Dreieinhalb Monate nach seiner Rettung ist Victoria jetzt für die Auswilderung bereit, womit der Kontakt zu ihren Adoptiveltern aber nicht abreißen soll: Die Robbe bekommt nämlich ein Handy-Halsband, von dem in regelmäßigen Abständen automatisch SMS generiert werden, die die gesammelten Daten verschiedener Sensoren beinhalten.

Bärentest für Mobilnetze

"Die Textnachrichten werden uns über Victorias Position, die Tiefe ihrer Tauchgänge und ihre Aufenthalte an Land informieren", erklärte die Sprecherin des Vereins zur Rettung der Mönchsrobben, Pepi Lagonika, gegenüber der griechischen Nachrichtenagentur ANA. Der Verein erwartet dabei, dass die SMS aus dem regulären Handy-Netz zuverlässiger sind, als die Peilung via Satellit - diese Technik hatte sich bei der Auswilderung der Robbe "Dimitri" vor vier Jahren als ziemlich störanfällig erwiesen.

Dagegen konnten Wildhüter und Wissenschaftler rund um den Globus positive Erfahrungen mit dem gewöhnlichen Mobilfunk sammeln: So sind etwa in Schweden rund 50 Bären mit Handys am Halsband ausgestattet, von denen SMS versandt werden, sobald die Tiere in den Sendebereich einer Basisstation kommen.

Das Projekt kooperiert dazu mit dem Netzbetreiber Telia, der neben dem Imagegewinn auch gleich Daten über seine Netzabdeckung erhält.

Und Biologen der Oregon State University haben bereits 2005 Zugvögel in ihren südamerikanischen Winterquartieren mit Handy-Modulen ausgestattet, woraufhin die "Einreise" der Tiere in die USA automatisch registriert werden konnte.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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