YouTube-Prinzip Online-Videos auf dem Handy

Der Mobilfunker "3" bietet in Großbritannien einen mobilen Service für Videos an. Seit einem Jahr können selbstgedrehte Filme mit dem Handy abgerufen werden. Doch nur ein kleiner Teil der eingereichten Beiträge schafft es wirklich bis auf das Display.


Das YouTube-Prinzip scheint prädestiniert, um vom Web aufs Handy übertragen zu werden: Mit dem Mobiltelefon können schließlich kleine Filme aufgenommen, angesehen und auch verschickt werden. Damit vereinen die mobilen Geräte mehr Funktionen in sich, als die meisten Computer. Die benötigen für den Video-Spaß in der Regel zumindest noch eine Kamera als Peripherie.

Video-Website YouTube: Aufs Handys übertragen

Video-Website YouTube: Aufs Handys übertragen

Natürlich stehen der Übertragung von ganzen Videos im Mobilfunknetz die Kosten entgegen - weshalb YouTube auch noch nicht richtig auf dem Handy angekommen ist . Jedenfalls nicht in Deutschland. Und schon garnicht, unter dem aus dem Web vertrauten Namen.

Dabei sind Online-Video-Communities in Ländern wie Südkorea, aber auch in zahlreichen europäischen Staaten, schon recht populär. Bei unseren Nachbarn ist dafür der britische UMTS-Anbieter "3" verantwortlich. Hinter dieser Zahl verbirgt sich die Telekommunikations-Sparte des Mischkonzerns Hutchinson Whampoa, dem auch Häfen, Hotels und Kraftwerke gehören. Das Unternehmen war größter Mannesmann-Einzelaktionär und ist seit dem Verkauf an Vodafone in Deutschland nicht mehr vertreten.

Netz-Geschwindigkeit

"3" ist der einzige international tätige Mobilfunker, der sich auf UMTS und Datendienste konzentriert. So bietet "3" sogar Veträge an, bei denen die Sprachtelefonie mit Skype abgewickelt wird - der entsprechende Flatrate-Tarif kostet in Großbritannien rund 60 Euro im Monat. Passend dazu hat "3" seinen Nutzer-Video-Service "See Me TV" angeblich bereits 12 Wochen nach Vorstellung des Konzepts gestartet.

Für diese Internet-typische Geschwindigkeit hat das Start-Up-Unternehmen "Yospace" gesorgt, das inzwischen auch für den spanischen O2-Ableger einen Video-Dienst namens "Look at me" entwickelt hat. Das britische "See Me TV" von "3" ist unterdessen schon seit mehr als einem Jahr in Betrieb und kann die erste erfolgreiche Bilanz vorlegen: 12 Millionen Videos wurden zu Preisen zwischen 15 Cent und einem Euro heruntergeladen. Rund 400.000 Euro wurden an die Hobbyfilmer ausbezahlt, die ihre Filme zur Verfügung stellten und dafür 10 Prozent der eingenommenen Gebühren erhalten.

Mobil ist anders

Dass der Filmdownload kostenpflichtig ist, liegt zum einen schlicht an den Gepflogenheiten der Branche - sogar bei Vorreiter "3" sind die meisten Tarife noch lange keine Flatrates. Aber auch das Tempo scheint beim Wechsel vom Computer zum Handy noch einmal angezogen zu haben. Und das bringt höhere Kosten mit sich: "Mobile Nutzer sind nicht bereit, 20 Minuten herumzusurfen, bis sie ein lustiges Filmchen gefunden haben," sagte Yospace-Technologie-Chef David Springall gegenüber dem "Wall Street Journal".

Laut Springall wollen die Handy-Nutzer höchstens fünf Minuten darauf investieren, ein Video auszuwählen, es herunterzuladen und dann anzuschauen. Dauert der Vorgang länger, sind die Nutzer enttäuscht und "kommen nie mehr zurück". Um dieses Tempo bieten zu können, muss der Anbieter die eingereichten Filme filtern: alle langweiligen Beiträge fliegen raus. Allein bei Yospace sind damit zwölf Mitarbeiter beschäftigt - wohl die Hauptursache, dass "See Me TV" nicht gratis ist. Auch alle nicht jugendfreien oder raubkopierten Videos werden von den Kontrolleuren sofort aussortiert. Rund 20 Prozent der eingerichten Filme schaffen es noch ins Programm. "Die Moderation ist der Schlüssel für den Erfolg des Service," sagt Springall.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler



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