IT-Sicherheit Montenegro sieht »ausreichende Hinweise« für russische Cyberattacke

Hacker nahmen offenbar Ministerien und kritische Infrastruktur in Montenegro ins Visier. Die Regierung macht Russland für dafür verantwortlich – und setzt auf Hilfe von Partnerländern.
Monenegro wurde Ziel einer groß angelegten Cyberattacke

Monenegro wurde Ziel einer groß angelegten Cyberattacke

Foto: Jason Wells / Loop Images / Universal Images Group / Getty Images

Die Attacken trafen das Finanzministerium, aber offenbar auch kritische Infrastruktur: Montenegro ist Ziel einer groß angelegten Cyberattacke geworden. Einen Hackerangriff dieses Ausmaßes habe der kleine Balkanstaat bisher noch nicht erlebt, sagte Verwaltungsminister Maras Dukaj am Samstag. Die Computersysteme mehrerer staatlicher Behörden seien »infiziert« worden, so der Minister.

Dank rascher Gegenmaßnahmen sei die IT-Infrastruktur nicht dauerhaft beschädigt worden, erklärte Dukaj. Seinen Angaben zufolge waren keine Daten von Bürgern und Unternehmen gefährdet.

Verteidigungsminister Rasko Konjevic machte Russland für die am Freitag und Samstag erfolgte Attacke verantwortlich. Er sprach von »ausgesprochen ausgefeilten Angriffen«, zu denen einzelne Hacker nicht in der Lage wären. »Wer könnte ein politisches Interesse daran haben, Montenegro einen solchen Schaden zuzufügen?«, fragte er im staatlichen Fernsehen und sprach von »ausreichenden Hinweisen«, um Moskau hinter dem Angriff zu vermuten.

Wegen Montenegros Unterstützung der EU-Sanktionen nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine hatte der Kreml das Land im März auf seine Liste der »feindlichen Staaten« gesetzt.

Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf ein »informelles Briefing« der Nationalen Sicherheitsbehörde von Montenegro, der Angriff sei von »mehreren russischen Diensten« gesteuert worden. Demnach wurde die gesamte Infrastruktur gefährdet, einschließlich der Strom- und Wasserversorgung. Die Kraftwerke seien auf manuellen Betriebsmodus umgestellt worden.

Es handelt sich bereits um den zweiten Cyberangriff in Montenegro, seit ein Misstrauensvotum am 19. August das Ende der prowestlichen Regierung von Ministerpräsident Dritan Abazovic eingeläutet hatte. Dieser sagte nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats, Montenegro werde seine internationalen Partner um Expertenhilfe bitten, um Daten zu retten und weitere Angriffe zu verhindern.

Frankreich kündigt Unterstützung an

Frankreich kündigte daraufhin Unterstützung an. Es will eine Mission der Behörde für die Sicherheit von Informationssystemen (ANSSI) entsenden, die bei der Untersuchung der Cyberattacke und der Wiederherstellung der Sicherheit helfen soll.

Die US-Botschaft warnte unterdessen ihre Bürger  in Montenegro vor »anhaltenden« Cyberangriffen, die zu Störungen im öffentlichen Dienst, im Transportwesen einschließlich an Grenzübergängen und Flughäfen sowie im Telekommunikationsbereich führen könnten.

mic/AFP
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