5G-Auktion Was die schnellen Netze ausbremst

Die Frequenzauktion ist beendet, jetzt kann es in Deutschland mit dem superschnellen 5G-Mobilfunk losgehen. Doch wie so oft könnte Geld ein Problem werden. Ein Provider will sogar seine Milliarden zurückbekommen.

Ein von Netzwerkkabeln verhängtes 5G-Logo auf dem Mobile World Congress 2019 in Barcelona
AFP

Ein von Netzwerkkabeln verhängtes 5G-Logo auf dem Mobile World Congress 2019 in Barcelona

Eine Analyse von


5G ist hier! Also fast. Mit dem Ende der Versteigerung der für den Aufbau der neuen 5G-Mobilfunknetze nötigen Frequenzen durch die Bundesnetzagentur ist die vorläufig letzte Hürde für den Aufbau der neuen Netze gefallen. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich bei der superschnellen Vernetzung mit 5G hinterher.

Während beispielsweise in Südkorea kürzlich die flächendeckende 5G-Vernetzung gefeiert wurde und in der Schweiz längst eifrig am 5G-Netz gebaut wird, gibt es in Deutschland bisher nur kleine 5G-Testinstallationen, beispielsweise im Hamburger Hafen.

Man habe "schon mehr als 80 Prozent der bestehenden Antennen auf 5G vorbereitet", erklärt die Telekom zwar. Wie viel Arbeit noch nötig ist, um diese Standorte vollends auf 5G umzurüsten, bleibt unklar. Zudem reicht es bei Weitem nicht, die bestehenden Standorte zu nutzen. Für ein flächendeckendes 5G-Netz ist der Aufbau komplett neuer Antennenmasten unumgänglich.

Dazu braucht man zum einen die passenden Grundstücke, zum anderen kostet die Hardware viel Geld. Inklusive Grunderwerb und Infrastruktur gehen Experten von rund 200.000 Euro pro Standort aus. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Betreibern deshalb günstig Plätze auf öffentlichen Grundstücken und Gebäuden anbieten. So wolle er "den Bau von Funkmasten auf rund 142.000 bundeseigenen Standorten ermöglichen."

Vodafone will sein Geld zurück

Ungeachtet solcher Angebote sind sich Telekom, Vodafone und Telefonica einig, dass die Auktion viel zu teuer war und man das Geld lieber anders angelegt hätte. Die 6,5 Milliarden Euro, die die Frequenzen gekostet haben, fehle den Netzbetreibern jetzt für den Netzausbau. "Mit dem Auktionserlös hätte man circa 50.000 neue Mobilfunkstandorte bauen und viele weiße Flecken schließen können", sagt etwa Telekom-Vorstand Dirk Wössner.

Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter klagt, mit diesen Mitteln hätte man "die Funkloch-Debatte in Deutschland ein für alle Mal beenden" können. Sein Vorschlag: Die Mobilfunkanbieter sollten zusammen mit der Politik ein 5G-Bündnis eingehen. Dessen Zweck: Die Gelder aus der 5G-Auktion wieder an die Netzbetreiber ausschütten, damit diese damit Mobilfunkstationen bauen können. "Das wäre ein riesiger zusätzlicher Schub für den Netzausbau", so Ametsreiter.

Doch die Milliarden hat Minister Scheuer längst verplant: 70 Prozent sollen in den Festnetzbreitbandausbau fließen, der Rest dem Digitalpakt Schule zufließen, um die Ausstattung von Schulen mit Computern und Internetanbindungen zu verbessern.

Der Neue freut sich

Bemerkenswert: Einzig Mobilfunk-Newcomer United Internet jammert nicht über die hohen Kosten. Vielmehr freue man sich über den Ausgang der Aktion, aus der das Tochterunternehmen 1&1 Drillisch immerhin mit einer Rechnung über 1,07 Milliarden Euro herausgeht. Jetzt wolle man "Deutschland zum Leitmarkt für 5G machen" und neue Geschäftsfelder erschließen. Den Anlegern gefällt das, der Aktienkurs des Unternehmens stieg nach dem Ende der Auktion um fast zehn Prozent.

Dabei wurde 1&1 Drillisch im Laufe der Auktion immer wieder als Preistreiber genannt. Zum Schluss aber war es offenbar auch der Newcomer, der das Ende der Auktion ermöglichte, indem er auf einen weiteren Frequenzblock verzichtete, den er eigentlich gern gehabt hätte.

Schneller geht's nicht

Auf das Ende der 5G-Auktion war Vodafone PR-seitig am besten vorbereitet. Schon am Donnerstagmorgen verkündete das Unternehmen, Firmenchef Ametsreiter habe den "ersten 5G-Anruf Deutschlands" durchgeführt und damit die erste 5G-Station in Betrieb genommen. Deren praktischer Nutzen ist freilich begrenzt. Der Anruf ging vom Parkdeck der Vodafone-Zentrale in Düsseldorf auf das Dach des Bürogebäudes - also nur ein paar Hundert Meter weit.

Wichtiger als dieser PR-Stunt ist Vodafones Ankündigung, man wolle 5G bis 2021 "für bis zu 20 Millionen Menschen in Deutschland verfügbar machen". In Kombination mit einem geplanten LTE-Ausbau "in der Fläche" sei das eine "eine immense Herausforderung". Das mag durchaus sein, bedeutet gleichzeitig aber auch, dass 2021 noch drei Viertel der Deutschen außerhalb des 5G-Netzes von Vodafone leben werden.

Die Telekom hat sich eine Abdeckung von 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche mit 5G vorgenommen. Allerdings soll es erst 2025 so weit sein. Schneller ist es wohl auch nicht zu schaffen. Zum einen, weil Funkmasten nicht beliebig schnell gebaut werden können, zum anderen, weil einige der für 5G nötigen Frequenzen erst in den kommenden Jahren nutzbar werden.

Lesetipp aus dem Archiv

Nachdem die Frequenzen nun aber endlich zugeteilt sind, dürfen sich Politik und Betreiber keine Pause mehr leisten. Wie gut und schnell der Technologiestandort Deutschland 5G einführt, wird auch im Ausland mit großem Interesse verfolgt, von Investoren wie auch Industriepartnern.

Schließlich sei "5G die wichtigste technologische Entwicklung der Kommunikationsgesellschaft", sagt etwa Pete Lau, Chef des Smartphoneherstellers OnePlus, dem SPIEGEL. Und er ergänzt: "Die Welt wird sich mit 5G verändern, und Deutschland kann das für sich nutzen."



insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
shodanpc 13.06.2019
1. Eine Auktion...
....kenne ich so das ich beim Preis mitgehe, solange ich ihn bezahlen will und aussteige wenn ich ihn nichtmehr bezahlen will. Und am Ende jammern die Vorstände mit wahnsinnig viel Verantwortung und so, das sie zuviel bezahlt haben? Ja wie ist das denn bloß passiert? Und nun Geld zurückfordern... Muss ich mal bei Ebay probieren. ^^
scsimodo 13.06.2019
2. Na sowas!
"Ungeachtet solcher Angebote sind sich Telekom, Vodafone und Telefonica einig, dass die Auktion viel zu teuer war und man das Geld lieber anders angelegt hätte" Und warum bieten die dann solche Summen, wenn es zu teuer ist? Die Logik muß mir erst mal einer erklären. Und warum beschwert sich eigentlich Drillisch/1und1 nicht? "Die Gelder aus der 5G-Auktion wieder an die Netzbetreiber ausschütten, damit diese damit Mobilfunkstationen bauen können." Ja nee, is klar! Bei einer Auktion mitbieten und die Kohle hinterher wieder zurück haben wollen. Geile Idee, bei Sothebys ersteigere ich mir ein 90-Millionen-Bild von wem auch immer, verlange mein Geld zurück und gut is! Dann verleihe ich das auch an Museen! Das Dumme daran ist, dass die Lobbyisten schon ausschwärmen und sicher einen dummen Politiker finden, der 1. darauf reinfällt 2. genug Macht hat, das auch durchzusetzen. Und dann wundert sich die versammelte Politelite, dass die dummen Wähler nicht mehr so abstimmen wie es ihnen eigentlich "vorgeschrieben" ist. Dumm gelaufen...
Gegen Zensur bei Spon 13.06.2019
3.
Grundsätzlich auch für die Regierungs OPAS 1: Laufzeiten / Frequenzvergabezeiten bei 4G enden je nach Land so ab 2028 Selbst wenn es bis 2033 verlängert wird, MÜSSEN die Frequenzbänder von 4G für die Nachfolge frei werden 2: Wenn man jetzt schon weiß dass 4 G in 10 Jahren begonnen wird abzuschalten, dann ist es doch eine zutiefts verlogene und unerhliche Diskussion wenn man nun sagt: 5 G braucht man nicht an jeder Milchkanne Wie soll denn die Milchkanne "funken", wenn 4 G abgeschaltet wird? 3 G wird in Europa nebenbei akzuell sukzessive abgeschaltet Vodafone warnt davor Die Telekom hat es tw schon abgeschaltet Die NL haben es zu 100% bis 2022 abgeschaltet
hallotach2000 13.06.2019
4. Digitalisierung, ade!
Ich fahre immer mal wieder durch Deutschland. Und ich wäre schön froh, wenn ich überall 3G hätte. Peinlich, Deutschland, peinlich. Da könnte unsere Regierung mal echt ne Schippe oben drauf legen. Das ist wirklich dürftig
Mehrleser 13.06.2019
5.
Zitat von hallotach2000Ich fahre immer mal wieder durch Deutschland. Und ich wäre schön froh, wenn ich überall 3G hätte. Peinlich, Deutschland, peinlich. Da könnte unsere Regierung mal echt ne Schippe oben drauf legen. Das ist wirklich dürftig
Ach, CDU und SPD sind Mobilfunkbetreiber? Oder wie soll die Bundesregierung digitalisieren? Veilleicht Milliardensubventionen für Huawei & Co? Das ist peinlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.