Mobilfunktechnik 5G Darum werden Strommasten zu Funkmasten

Auf der Suche nach neuen Standorten nutzen Netzbetreiber bewährte Infrastrukturen. Doch nicht jeder Strommast ist dazu geeignet, die bestehenden Funklöcher zu überbrücken.
In Brandenburg sind erste Strommasten schon mit 5G ausgestattet

In Brandenburg sind erste Strommasten schon mit 5G ausgestattet

Foto: Soeren Stache / dpa

Auf dem 5G-Netz ruhen große Erwartungen: Von Industrieanwendungen über ferngesteuerte Autos bis hin zum Ersatz des DSL-Anschlusses zu Hause soll die neue, schnelle Mobilfunktechnik vieles ermöglichen. Doch der Mobilfunk-Turbo funktioniert nur dann in der Fläche, wenn das Netz an Funkstationen sehr viel enger geknüpft wird als bisher. Langwierige Genehmigungsverfahren und lokale Widerstände gegen neue Standorte bremsen den Ausbau allerdings aus.

Deshalb geraten auch Strommasten stärker in den Blick, die in großer Zahl schon quer übers Land verteilt stehen. Der Stromkonzern E.on etwa hat in Markkleeberg bei Leipzig eine Tochtergesellschaft gegründet, um dieses Geschäft zu forcieren. Auch andere Stromnetzbetreiber stellen schon Masten für Mobilfunk zur Verfügung. Doch das hat Tücken.

Neubau unnötig

Bisher sind solche Antennen an Strommasten vor allem unterhalb der Leitungen angebracht. Um größere Höhen zu erreichen, sollen sie künftig auch in den Mastspitzen installiert werden, sagt Carsten Lagemann, einer der Geschäftsführer der E.on TowerCo. Als wichtige Standorte nennt er Masten entlang von Autobahnen, Bahnstrecken, Wasserstraßen oder an Ortsrändern. Die Vorteile lägen auf der Hand, so Lagemann: Einerseits seien die Masten schon da, und es seien keine Baugenehmigungen nötig. Eine Funkstation so zu errichten, dauere nur etwa halb so lang wie einen neuen Funkmast zu bauen: »Wir schaffen das in sechs bis zwölf Monaten.« Zudem koste das Ganze etwa die Hälfte.

Auch andere Stromnetzbetreiber stellen Masten für den Mobilfunk zur Verfügung. »Inzwischen sind rund 80 unserer Masten so ausgestattet«, sagte ein Sprecher von Amprion. Bei 50Hertz werden ebenfalls schon Masten von Freileitungen so genutzt, vor allem in Hamburg.

EnBW stellt Masten für den Mobilfunk bereit, sieht in diesem Geschäft nach Einschätzung von Pascal Kuhn, Leiter Strategie, Breitband- und Funkinfrastruktur, aber nur »leise Musik«. Das Unternehmen hat vielmehr den Aufbau eines Notfallnetzes auf der Frequenz von 450 Megahertz im Visier – als Kanal für Einrichtungen der kritischen Infrastruktur wie Strom- und Wasserwirtschaft. Es soll auch bei einem größeren Stromausfall mindestens drei Tage lang funktionieren.

Keine Universallösung

Der Bedarf an neuen Mobilfunkstationen ist groß. So kommen allein bei der Telekom nach eigenen Angaben jährlich mehr als 1500 neue Standorte hinzu. »Neben dem Aufbau eines flächendeckenden 5G-Netzes geht es beispielsweise auch um Netzverdichtung, Lückenschluss und Lizenzerfüllungen«, erläuterte Sprecher Niels Hafenrichter. Der europaweit aktive Funkmastbetreiber Vantage Towers hat nach eigenen Angaben eine Vereinbarung mit Vodafone, wonach bis Ende 2026 bis zu 5500 neue Standorte in Deutschland in Betrieb genommen werden sollen.

Bisher seien aber weniger als 0,5 Prozent der rund 19.400 Funkmasten des Unternehmens hierzulande auf Hochspannungsmasten. Ein Manko ist der beschränkte Zugriff etwa bei Störungen wegen der unter Strom stehenden Leitungen der Masten. Zudem sei mitunter die Statik nicht ausreichend, und die Zufahrt sowie die Stromversorgung der Sendetechnik könne eine Herausforderung sein.

Für die Idee sprechen die oft leichtere Genehmigung und Abwicklung. E.on TowerCo bündelt für die Netzbetreiber alle Leistungen, dazu zählen der Stromanschluss und die Glasfaseranbindung von Stationen.

Derzeit seien erste Pilotprojekte in Bayern und Nordrhein-Westfalen in der Umsetzung, bei denen es auch um Antennen in den Mastspitzen gehe, heißt es von E.on TowerCo. Die neuen Standorte sollen Anfang 2023 in Betrieb gehen, weitere Projekte bereitet das Unternehmen in Sachsen-Anhalt vor. Mittelfristig peilt es 300 Mobilfunkstationen an, längerfristig tausend und mehr.

Interessant für ländliche Regionen

Laut Vantage Towers können vorhandene Strommasten etwa in ländlichen Regionen, für die besondere Auflagen im Landschafts- und Naturschutz gelten, eine Alternative zu neuen Funkmasten sein. Denn dort würden neue Masten oft gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen genehmigt, und auch die Antragsverfahren dauerten sehr lang.

Doch vorhandene Strommasten sind längst nicht die einzige Alternative zum Bau neuer Mobilfunkmasten. Häufig sind die Antennen etwa auf Hausdächern zu finden. »Insbesondere in Städten sollen sich Mobilfunkstandorte möglichst nahtlos in das Stadtbild einfügen«, heißt es von Vodafone. So gibt es in Köln inzwischen zwei Straßenlaternen, die nicht nur nachts Licht spenden, sondern auch als Mobilfunkantennen dienen. Und in Düsseldorf wurden Litfaßsäulen zu 5G-Stationen aufgepeppt. Auch die Deutsche Bahn und Gasversorger arbeiten mit Netzbetreibern zusammen, um ihre Infrastruktur mit Funkzellen auszustatten.

Andreas Hummel, dpa/tmk
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