5G-Netzaufbau Unionsabgeordnete fordern Alternativen zu Huawei

Die Bundesregierung will Huawei nicht pauschal vom Aufbau der 5G-Netze ausschließen. Nach SPIEGEL-Informationen wollen Unionsabgeordnete über strengere Sicherheitsanforderungen debattieren.

Der neue Mobilfunkstandard 5G soll das mobile Internet schneller machen
AP

Der neue Mobilfunkstandard 5G soll das mobile Internet schneller machen


In der Unionsfraktion des Bundestags formiert sich neuer Widerstand gegen eine Beteiligung des chinesischen Konzerns Huawei am Aufbau der 5G-Mobilfunknetze in Deutschland. Nach SPIEGEL-Informationen traf sich vor der Sommerpause ein gutes Dutzend Bundestagsabgeordnete von CDU und CSU - die Politiker wollen nun ihre Bedenken an die zuständigen Minister herantragen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 30/2019
Wie Boris Johnson seine Landsleute gegen Europa aufstachelt

"Ich würde aufgrund meines aktuellen Kenntnisstands Huawei vom Aufbau der Zukunftsnetze ausschließen, auch wenn das teurer werden sollte und länger dauert", sagte der CDU-Innenpolitiker Christoph Bernstiel dem SPIEGEL. Der CDU-Politiker Norbert Röttgen, der im Bundestag den Auswärtigen Ausschuss leitet, sagte: "Am besten wäre es, die Fähigkeiten zum Aufbau des Mobilfunknetzes wären bei uns in Europa beheimatet. Das wäre zwar teurer, würde Deutschland und die EU aber weniger verwundbar machen."

"Ich vertraue weder Anbietern aus China noch aus den USA", sagte der CDU-Geheimdienstkontrolleur Patrick Sensburg. In beiden Ländern müssten Telekommunikationsunternehmen eng mit den Sicherheitsbehörden kooperieren. "Deshalb müssen zumindest die Sicherheitsanforderungen für alle Hersteller, die in Deutschland das 5G-Netz mit aufbauen wollen, so streng wie nur möglich ausgestaltet werden." Ein entsprechender Katalog mit Auflagen wird derzeit von den Behörden ausgearbeitet.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) verteidigte im SPIEGEL die Haltung der Bundesregierung, Huawei nicht pauschal auszuschließen. Die Regierung habe "durch Änderung des Telekommunikationsgesetzes dafür gesorgt, dass auch die Anforderungen an die ausrüstenden Unternehmen stark verschärft werden".

Arne Schönbohm, Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, sagte: "Ich halte das Risiko für beherrschbar." Die Produkte von Anbietern, die bei der Prüfung durch sein Amt durchfielen, dürften in 5G-Netzen nicht verwendet werden.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

kno, rom, wow

insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Marut 19.07.2019
1. Doch lieber einen amerikanischen Lieferanten :-)
Da wissen wir wenigstens, wo wir dran sind. Bei Huawei können wir nur vermuten, dass da da evtl. Spionagemechanismen versteckt sind. Bei den amerikanischen Anbietern wissen wir wenigstens genau, dass es so ist, dass die NSA die Hintertürchen dieser Technik genau kennen und natürlich auch nutzen. Auch wissen wir von amerikanischen IT-Anbietern, dass sie in Europa keine, oder nur zu vernachlässigende Beträge an Steuern bezahlen. Das ist doch besser, als ein Anbieter, von dem wir uns nicht sicher sein können, dass er vielleicht gar nicht so schlimm ist, wie Trump ihn dastehen läßt. Na ja, dass gerade CDU-Politiker sich so gegen Huawei aussprechen, zeigt uns zumindest deutlich, das die so sehr unter der Knute von Trump stehen, dass sie sich gar nicht trauen zu realisieren, dass diese USA immer mehr unser Gegner wird.
droptableall 19.07.2019
2.
Die sollten sich mal fachlich von wirklichen Experten beraten lassen bevor so ein Blödsinn veröffentlicht wird. Egal wo hergestellt, es gibt keine sicheren Netze. Das ist ein Mythos. Genaosowenig läßt sich die Sicherheit eines Netzes wirklich überprüfen.
Luvbread 19.07.2019
3. Tja
Würde Deutschland und die EU nicht so Gründerfeindlich sein, würde es vielleicht sogar ein europäisches Mobiltelefon geben..
temp1 19.07.2019
4. Ericsson aus Schweden
Ericsson aus Schweden hat die Technologie ... braucht vielleicht 2 Jahre länger, um zu liefern, aber ist in Europa ansässig. Auch ich würde mir bei fremd-steuerbarer Infrastruktur wünschen, dass die Technik und Technologie aus einem Land kommt, das im näheren Umfeld der Installation sitzt, so dass es aus Eigeninteresse solidarisch ist und nicht einem fremden Staat hörig ... egal, ob China, USA oder Russland ...
marcnu, 19.07.2019
5. Sind denn deutsche Unternehmen nicht in der Lage,
5G-Technik zu entwickeln? Oder geht es wieder nur um das günstigste Angebot?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.