Neue Mobilfunktechnik Warum Huawei für 5G so wichtig ist

Von der fünften Mobilfunkgeneration versprechen sich viele viel: Nutzer mehr Leistung, Provider mehr Umsatz, Ausrüster fette Gewinne. Ob es so kommt, hängt auch vom Fall Huawei ab.

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Mit 5G soll der Mobilfunk noch einmal so richtig durchstarten. Der LTE-Nachfolger ist viel leistungsfähiger als bisherige Technik, kann Daten im Idealfall schneller übertragen als ein Kabelnetz. In Testnetzen sind schon bis zu 2 Gigabit pro Sekunde übertragen worden. Der Inhalt einer kompletten DVD, also rund 4,4 Gigabyte, lässt sich damit in 19 Sekunden übertragen. Mit einem der weit verbreiteten ADSL+-Anschlüsse, der 16 Megabit pro Sekunde schafft, würde derselbe Vorgang fast 40 Minuten dauern.

Intensivnutzer bringen solche Werte zum Träumen, doch ein Traum wird das, zumindest für weite Teile Deutschlands, vorerst auch bleiben. Denn bisher haben von den vier künftigen 5G-Anbietern - Telekom, Vodafone, O2 Telefonica und 1&1 Drillisch - nur zwei zumindest bescheidene 5G-Netze am Start - die Telekom und Vodafone. Von einem flächendeckenden Ausbau ist man noch weit entfernt.

Schneller dürfte der Aufbau lokaler 5G-Netze für die Industrie vorangehen. Großunternehmen wie etwa die deutschen Autohersteller wollen auf ihren riesigen Firmengeländen eigene 5G-Netze betreiben, um Technologien wie WLAN abzulösen.

Die Möglichkeiten, die 5G im professionellen Bereich einmal bieten wird, sind bislang kaum absehbar. So können 5G-Netze, anders als frühere Mobilfunkgenerationen, Tausende Geräte gleichzeitig in eine Funkzelle einbinden. Das können zum Beispiel Sensoren und Steuergeräte in der Industrie oder Landwirtschaft sein. Zudem lassen sich Daten per 5G nahezu in Echtzeit versenden. So könnte man beispielsweise Roboter und Maschinen fernsteuern oder gar Operationen aus der Ferne durchführen.

Ein Huawei-Ausschluss könnte Jahre kosten

Ohne Huawei dürfte es aber zumindest schwierig werden, die neuen 5G-Netze so schnell und so kostengünstig aufzubauen, wie es sich die Mobilfunkprovider erhoffen - und wie es die Bundesnetzagentur vorgegeben hat. Denn die hat den Anbietern auferlegt, bis 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens 100 Megabit pro Sekunde zu versorgen.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge fürchtet etwa die Deutsche Telekom, dass eine Verbannung von Huawei-Technik den 5G-Ausbau um zwei Jahre verzögern könnte. Ein Grund dafür sei, dass 5G-Netze auf die bestehende 4G-Infrastruktur, also LTE, aufgesetzt werden.

Weil große Teile der LTE-Netze auf Huawei-Technik basieren, müsste man diese zuerst von den jeweiligen Standorten entfernen und komplett durch neue Netztechnik anderer Hersteller ersetzen. Die Kosten- und der Zeitaufwand für einen solchen Komplettumbau wären entsprechend höher als geplant. Die Telekom selbst hat diesen Bericht freilich nicht bestätigt.

Viele Alternativen zu Huawei sieht allerdings auch die Bundesregierung nicht. Einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FPD zufolge wären nur zwei europäische Netzwerkausrüster in der Lage, Komponenten für den Ausbau der deutschen 5G-Netze zu liefern, Nokia und Ericsson.

Wieso soll Huawei ausgeschlossen werden?

Die US-Regierung wirft Huawei seit Jahren vor, Spionage für die chinesische Regierung zu betreiben. Dabei wird dem Unternehmen auch vorgehalten, es würde in seine Hardware sogenannte Hintertüren einbauen, über die chinesische IT-Experten unbemerkt Spionagesoftware oder Schadprogramme in die Systeme einschleusen können.

Einer der Gründe für diese Vorwürfe ist, dass Huawei-Gründer Ren Zhengfei einst bei einer IT-Forschungseinheit der Volksbefreiungsarmee gedient haben soll. Huawei weist diese Vorhaltungen stets als haltlos und unbegründet zurück. Zugleich haben die US-Geheimdienste bis heute keine Beweise dafür vorlegen können, dass der Konzern tatsächlich Spionage betreibt.

Allerdings hat auch die Bundesregierung gerade erst klargestellt, dass sie staatliche Hackerangriffe als das größte Sicherheitsrisiko beim Ausbau der 5G-Netze betrachtet. Diese seien eine größere Bedrohung als organisierte Banden, einzelne Hacker oder versehentliche Systemausfälle, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der EU-Kommission.

Firmennamen werden in dem Schreiben der Bundesregierung aber nicht genannt. Die Formulierungen lassen sich auf Huawei anwenden. Ebenso gut aber auch auf dessen US-Konkurrenten Cisco. So ist es nur folgerichtig, dass Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag klarstellte, dass es eine pauschale Zusage oder Absage an bestimmte Anbieter nicht geben kann. Stattdessen soll es Sicherheitsvorgaben geben, an die sich alle Hardwarehersteller halten müssen. Ob sie das auch tun, wird allerdings schwer zu kontrollieren sein.

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Henninho 14.10.2019
1. Verpflichtung zu Open Source
Warum werden die Hersteller nicht verpflichtet ihre Software von so zentralen Kommunikations Komponenten unter Open Source Lizenzen zu veröffentlichen? Ich bin kein Mobilfunkexperte, aber die Wettbewerbsvorteile bei den Funkmasten liegen doch sicher eher in Hardwarebereich und so könnte zumindest jeder Experte nachvollziehen, was ein Funkknoten alles so treibt.
Alfred 14.10.2019
2. Verstehe nicht
Warum 5G so wichtig sein soll, wo Deutschland doch 50 Jahre Kohle gefoerdert hat und nichts fuer High tech uebrig hatte. Oder verstehe ich das Falsch Herr Exkanzler Helmut Schmitt, sagten sie nicht, wer als Politiker Visionen hat gehoert in aerztliche Behandlung
zadar 14.10.2019
3. Fehler
Das sollte wohl 2 Gigabit heißen. "In Testnetzen sind schon bis zu 2 Gigabyte pro Sekunde übertragen worden. Der Inhalt einer kompletten DVD, also rund 4,4 Gigabyte, lässt sich damit in 19 Sekunden übertragen."
merci.nicolas 14.10.2019
4. Bauchgefühl
OMG! Huawei war schon bei LTE beteiligt ... Na dann ... bei allem was man über China und die dortige Handhabung von Menschenrechten liest (Überwachung ist nur eines davon), warum sollte Huawei nicht der verlängerte Arm der chinesischen Regierung darstellen? Und ja, die USA sind nicht besser => 2013 Merkel Handy NSA Skandal. Es ist noch nicht bei allen Menschen angekommen, aber FREIHEIT ist kostbar - im wahrsten Sinne des Wortes, Freiheit kostet etwas! Und in Freiheit kommunizieren zu können sollte uns, wenn es nun nicht anders geht, etwas kosten.
Jominator 14.10.2019
5. Bitte noch mal nachrechnen
In Testnetzen sind schon bis zu 2 Gigabyte pro Sekunde übertragen worden. Der Inhalt einer kompletten DVD, also rund 4,4 Gigabyte, lässt sich damit in 19 Sekunden übertragen" Wenn man schon solche Abstrakten Vergleiche macht, sollte man schon richtig rechnen, die richtigen Einheiten benutzen und sich vorher richtig informieren. Eine (Single Layer) DVD hat eine Kapazität von 4,7 GB.
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