Massaker von El Paso Woher kam das Hass-Manifest? Das sagt der 8chan-Betreiber

In El Paso wurden 20 Menschen erschossen, im Forum 8chan war ein zur Tat passendes Manifest aufgetaucht. Der Dienst verlor daraufhin einen IT-Dienstleister. Jetzt äußert sich der 8chan-Betreiber.
Auf Twitter machte 8chan auf das Statement von Jim Watkins aufmerksam

Auf Twitter machte 8chan auf das Statement von Jim Watkins aufmerksam

Foto: twitter/8chan

Der Betreiber von 8chan sieht das umstrittene Internetforum zu Unrecht in der Kritik. In einem Video sagte Jim Watkins am Dienstag , der El-Paso-Shooter selbst habe etwas auf Instagram gepostet, nicht auf 8chan. Erst später habe jemand das Manifest hochgeladen, allerdings nicht der Täter selbst. "Ich weiß nicht, ob er es geschrieben hat oder nicht. Aber es wurde nicht vom Mörder hochgeladen. Das ist klar", so Watkins in dem Video. Details oder Belege liefert Watkins nicht, was es schwierig macht, seine Aussage zu verifizieren.

"Wir sind auf nichts gestoßen, was diese Theorie stützt", sagte ein Sprecher des Instagram-Mutterkonzerns Facebook auf SPIEGEL-Anfrage.

Seine Plattform halte sich an das Gesetz, betont Watkins in dem gut siebenminütigen Clip. Das Video ist mit dem Trompetensignal Taps unterlegt, das in den USA bei militärischen Trauerfeiern und Begräbnissen gespielt wird.

Der 8chan-Chef beschäftigt nach eigenen Angaben Mitarbeiter, die sich um Anfragen von Ermittlungsbehörden kümmern - auch im Fall der jüngsten Anschläge in den USA habe man zeitnah mit dem FBI kooperiert. "Cnet" schreibt , das FBI habe es auf Nachfrage abgelehnt, Watkins' Aussagen zu kommentieren.

Das Manifest tauchte auf 8chan auf

Am Wochenende hatte unter anderem die Website "Bellingcat"  per Screenshot dokumentiert, dass eine zur Tat passende Ankündigung samt eines Manifests schon vor Bekanntwerden des Gewaltakts auf 8chan gepostet wurde - ob vom Täter selbst, ließ sich nicht sagen. Auch 8chan-Gründer Fredrick Brennan, der die Seite 2015 an Jim Watkins verkauft hatte, äußerte sich: Seinen Erkenntnissen nach sei das Manifest schon vor Eingang des ersten Notrufs bei 8chan hochgeladen worden.

Dass das Posting zuvor möglicherweise schon auf einer anderen Plattform aufgetaucht sein könnte und es sich bei dem 8chan-Beitrag um einen Re-Post handeln könnte, ließ und lässt sich anhand der beiden Einschätzungen bisher aber nicht ausschließen.

Dem Bericht von "Bellingcat" zufolge war der Thread mit der Tat-Ankündigung und dem Manifest zeitnah von 8chan-Moderatoren gelöscht worden, was die Verbreitung des Manifests jedoch nicht stoppte. So konnte "Bellingcat" mit einem weiteren Screenshot belegen, dass es auf 8chan später erneut hochgeladen wurde.

Ein Forum mit Vorgeschichte

8chan war bereits vor den Artikeln über seine Rolle im Terrorakt von El Paso umstritten und immer wieder durch Rassismus oder auch Terrorverherrlichung aufgefallen, etwa im Kontext des Anschlags im neuseeländischen Christchurch, bei dem das Portal ebenfalls eine unrühmliche Rolle spielte.

Das Angebot ist eine Abspaltung des anarchischen Webforums 4chan. 8chan, das 2013 gegründet wurde und das vor allem im Zuge der Gamergate-Kontroverse Zulauf bekam, könnte man als Sammelplatz jener sehen, denen 4chan nicht mehr radikal genug war oder die selbst zu radikal dafür waren.

8chan-Gründer Fredrick Brennan sagt mittlerweile, wenn er in der Zeit zurückgehen und die Gründung von 8chan ungeschehen machen könnte, würde er dies wohl tun. Wenn Amokläufer auf Mordtour gehen wollten, entschieden sie sich, ihr Manifest auf 8chan zu posten, sagte Brennan der Nachrichtenagentur Reuters. "Es scheint, als gebe es keinen anderen Ort, der so extrem ist."

Der jetzige Betreiber stellt sein Angebot natürlich anders da, obwohl es den Slogan "Die dunkelsten Ecken des Internets" trägt. 8chan sei ein "leeres Blatt Papier", das sich von den Nutzern beschreiben lasse, sagt Jim Watkins. Er spricht von "einer Million 8chan-Nutzern", die nun ein neues Zuhause suchen würden und von einer "friedlich versammelten Gruppe von Leuten", die jetzt zerstreut sei. In der Vergangenheit hatte Watkins allerdings zum Beispiel gesagt , er habe kein Problem damit, "dass White Supremacists auf 8chan kommunizieren".

Es verstöre ihn, dass die Seite so leicht dichtgemacht werden könne, sagt Watkins nun und verweist dabei auf die Entscheidung des IT-Dienstleisters CloudFlare, künftig nicht mehr mit 8chan zusammenzuarbeiten. Sie hatte zur Folge, dass die Plattform am Montag und Dienstag zeitweise nicht mehr zu erreichen war, während 8chan nach einem neuen Dienstleister suchte. CloudFlare hatte 8chan unter anderem vor Überlastungsangriffen, sogenannten DDoS-Attacken, geschützt.

mbö
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