Affäre um mysteriösen Twitter-Kläger Abgeordneter outet Fußballstar

In Großbritannien legte sich ein Fußballer mit dem Netzwerk Twitter an, dessen Nutzer Gerüchte über eine Liebesaffäre weiterverbreitet hatten. Wer dieser prominente Kläger war, durften Medien nicht schreiben. Jetzt wurde die Identität des Mannes doch preisgegeben - im britischen Unterhaus.
Twitter-Homepage: Knebelverfügungen der britischen Justiz

Twitter-Homepage: Knebelverfügungen der britischen Justiz

Foto: NICHOLAS KAMM/ AFP

London - Für die britischen Medien war es eine Genugtuung: Der Unterhaus-Abgeordnete John Hemming hat im Parlament den Namen des prominenten Fußballers genannt, der mit einer Klage gegen Twitter und mehrere Nutzer Berichte über sein Privatleben verhindern wollte. Auch Medien sollte die Berichterstattung über die angebliche Affäre untersagt werden.

"Es ist offensichtlich nicht machbar, 75.000 Menschen einzusperren, die Ryan Giggs auf Twitter genannt haben", sagte der Abgeordnete der Liberaldemokraten, als es um die umstrittenen "Super Injunctions" ging - Knebelverfügungen, mit denen britische Gerichte die Interessen von Prominenten schützen. Der Oberste Gerichtshof entschied aber doch, dass eine Einstweilige Verfügung gegen die "Super Injunctions" abgelehnt wird.

Giggs, walisischer Nationalspieler von Manchester United und verheiratet, klagt zurzeit gegen Twitter und mehrere Nutzer, weil sie berichteten, er habe eine Affäre mit dem Big-Brother-Sternchen Imogen Thomas gehabt. Giggs soll vor Gericht durchgesetzt haben, dass Medienberichte und selbst Äußerungen von Imogen Thomas über die Vorgänge untersagt sind.

Das Besondere an den "Super Injunctions": Die Betroffenen dürfen nicht berichten, dass jemand ihnen vor Gericht verbieten ließ, über etwas zu berichten. Es darf auch nicht bekannt werden, dass jemand einen Prozess führt, weil so negative Aufmerksamkeit auf den Kläger gelenkt würde. Nachdem das Vorgehen von Giggs am Wochenende bekannt geworden war, war sein Name in Tausenden von Tweets aufgetaucht.

Hemming hat nicht zum ersten Mal einen Prominenten geoutet: Im März verriet er, dass ein ehemaliger Manager der Royal Bank of Scotland eine umfassende Verfügung erwirkte, die es den britischen Medien verbot, über ihn als Ex-Banker zu berichten.

Korrektur: In einer ursprünglichen Version des Artikels hieß es, dem Abgeordneten sei das geltende britische Recht offenbar egal. Das ist so nicht richtig, Äußerungen von Abgeordneten im Parlament sind von "Super Injunctions" nicht betroffen.

als/Reuters
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