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»AI Act« EU einigt sich auf Regeln für künstliche Intelligenz

Lange wurde verhandelt, nun steht das weltweit erste, umfassende KI-Gesetz. Für den Einsatz von künstlicher Intelligenz soll es strengere Regeln geben. Besonders riskante Anwendungsformen könnten verboten werden.
EU-Hauptsitz in Brüssel

EU-Hauptsitz in Brüssel

Foto: Virginia Mayo / dpa

Für den Einsatz von künstliche Intelligenz (KI) sollen in der EU künftig strengere Regeln gelten. Unterhändler von Europaparlament und EU-Staaten verständigten sich am Freitagabend in Brüssel nach langen Verhandlungen auf entsprechende Regeln. Nach Angaben des EU-Parlaments handelt es sich um das weltweit erste KI-Gesetz. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton sprach von einer »historischen« Einigung.

Die EU-Kommission hatte das Gesetz im April 2021 vorgeschlagen. Demnach sollen KI-Systeme in verschiedene Risikogruppen eingeteilt werden. Je höher die potenziellen Gefahren einer Anwendung sind, desto höher sollen die Anforderungen sein. Besonders riskante Anwendungsformen von KI könnten auch verboten werden. Ein wichtiger Aspekt des Gesetzes dürfte auch sein, dass den großen KI-Konzernen wie OpenAI, Microsoft oder Google Transparenzregeln auferlegt werden. Die Konzerne müssten etwa Auskunft darüber geben, welche Daten zum Training der Technologie eingesetzt wurden und wie das Urheberrecht eingehalten wird, hieß es in einer Mitteilung der EU .

Das KI-Gesetz könne eine Vorlage für Politiker in aller Welt bei der Regulierung von KI sein, sagte Dragos Tudorache laut der »Washington Post«. So planen etwa auch die USA momentan eine Regulierung von künstlicher Intelligenz. Die Pläne der Kongressabgeordneten sind jedoch noch in einem frühen Stadium und momentan weniger streng als in der EU.

Künstliche Intelligenz bezeichnet meist Anwendungen auf Basis maschinellen Lernens, bei denen eine Software große Datenmengen nach Übereinstimmungen durchforstet und daraus Schlussfolgerungen zieht. Sie werden schon jetzt in vielen Bereichen eingesetzt. Zum Beispiel können solche Programme Aufnahmen von Computertomografen schneller und mit einer höheren Genauigkeit als Menschen auswerten. Auch selbst fahrende Autos versuchen so, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer vorherzusagen. Und Chatbots oder automatische Playlists von Streamingdiensten arbeiten ebenfalls mit KI.

Zuletzt wären die EU-Verhandlungen allerdings fast gescheitert – an der Frage der Regulierung von sogenannten Basismodellen. Das sind sehr leistungsfähige KI-Modelle, die mit einem breiten Satz an Daten trainiert wurden. Sie können die Grundlage für viele andere Anwendungen sein. Dazu zählt etwa ChatGPT. Deutschland, Frankreich und Italien hatten zuvor gefordert, dass nur konkrete Anwendungen von KI reguliert werden sollten, nicht aber die Basistechnologie an sich.

Auch die geplanten Regeln zur Gesichtserkennung durch KI, etwa zu Zwecken der nationalen Sicherheit, sorgten für Streit. Der deutsche Digital- und Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) appellierte an die EU, international abgestimmt vorzugehen und »keinen Alleingang« zu wagen.

Das Europaparlament und die Staaten müssen dem nun vereinbarten Vorhaben noch zustimmen, das gilt aber als Formsache.

max/hpp/dpa/AFP