Aktionstag gegen Überwachung Das Web trägt Schwarz

Das Netz reagiert auf die Massenüberwachung: Betreiber von mehr als 5400 Websites wollen gegen den Geheimdienst-Zugriff auf das Internet protestieren. US-Bürger sollen ihre Abgeordneten anrufen, deutsche Nutzer eine Petition unterschreiben.
Kampagnenseite "The Day We Fight Back": "Liebes Internet, wir haben keine Lust mehr, uns über die NSA zu beschweren"

Kampagnenseite "The Day We Fight Back": "Liebes Internet, wir haben keine Lust mehr, uns über die NSA zu beschweren"

Hamburg - Es soll der Tag werden, an dem sich das Internet wehrt: Auf mehr als 5400 Websites sind am Dienstag Banner gegen Massenüberwachung durch Geheimdienste zu sehen. Sie rufen Nutzer dazu auf, sich unter dem Motto #StopTheNSA auf Facebook und Twitter an dem Protest zu beteiligen und ihre Profilbilder zu ändern.

"Liebes Internet, wir haben keine Lust mehr, uns über die NSA zu beschweren. Wir wollen neue Gesetze, die Online-Überwachung eindämmen", heißt es in der Nachricht an die Nutzer . In den USA wird den Besuchern auf Wunsch der Kontakt zu ihren Abgeordneten hergestellt. Sie sollen die NSA per Gesetz in die Schranken weisen.

In anderen Ländern wird auf eine Online-Petition verwiesen, die einen etwas sperrigen Titel trägt: "Internationale Grundsätze für die Anwendung der Menschenrechte in der Kommunikationsüberwachung" . Besucher aus Deutschland können sich außerdem auf eine Mailingliste der Internet-Lobby "Digitale Gesellschaft" setzen lassen.

"Schalter unter dem Schreibtisch"

Zur Protest-Allianz zählen einige große Seiten wie Reddit, Tumblr und Wikia, außerdem mehrere Bürgerrechtsorganisationen, darunter die Schwergewichte Electronic Frontier Foundation und die American Civil Liberties Union. Auch konservative Gruppen wie FreedomWorks machen mit. Es ist der erste große koordinierte Internetprotest, seitdem Edward Snowden vor acht Monaten den NSA-Missbrauch öffentlich gemacht hat.

Nicht zum ersten Mal zieren schwarze Banner das Web. Im Januar 2012 wurde so erfolgreich gegen die umstrittenen Internetgesetze Sopa und Pipa in den USA protestiert. Die Aktionen wurden in Washington und anderswo als Beben erlebt, das bis heute nachwirkt.

Ein Mitarbeiter des demokratischen Senators Ron Wyden, damals einer der wichtigsten Kritiker der als drakonisch empfundenen Vorschläge zum Copyright-Schutz, scherzte einmal: "Die Kollegen im Kongress fragen uns heute noch ehrfürchtig, wie wir das gemacht haben - wir behaupten dann, wir hätten da so einen Schalter unter dem Schreibtisch."

Google und Wikipedia fehlen

Der Protest gegen Sopa und Pipa kam auch deshalb zustande, weil die großen Internetunternehmen, allen voran Google, ebenso wie die Community der Wikipedia und zahllose Bürgerrechtsgruppen sich hier einmal völlig einig waren. So wurde mit einem Zensurbalken auf der Google-Homepage, mit einer geschwärzten Wikipedia-Startseite und einer Vielzahl weiterer Seitenstreiks ein Gefühl allgegenwärtigen Protests im Netz erzeugt.

Vor allem aber wirkten die Aufforderungen, sich per E-Mail oder Anruf an Senatoren und Abgeordnete zu wenden. In Washington standen am Tag des Sopa-Blackouts die Telefone nicht still und die Mailboxen quollen über.

Genau das erhoffen sich die Initiatoren des "The Day We Fight Back"  diesmal wieder. Google und Wikipedia sind der Allianz gegen die NSA-Überwachung allerdings ferngeblieben - und ganz schwarz sollen die anderen Seiten auch nicht werden, etwa ein Drittel des Bildschirms dürfte das Protestbanner einnehmen.

Mitarbeit: Christian Stöcker
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.