Cloud-Computing CIA mietet sich bei Amazon ein

Der US-Auslandsgeheimdienst setzt bei der Analyse von zusammengetragenen Daten auf kommerzielle Hilfe: Der IT-Chef der CIA gab jetzt einige Details einer Kooperation mit Amazon bekannt. Es geht um Hunderte Millionen Dollar.

CIA-Fußbodenschmuck in der Zentrale: Rechenkraft von Amazon
REUTERS

CIA-Fußbodenschmuck in der Zentrale: Rechenkraft von Amazon


Amazon ist neben seinem traditionellen Geschäft als Online-Kaufhaus längst auch als Anbieter von Cloud-basierten Infrastrukturen aktiv. Die dort von Behörden und privaten Unternehmen genutzten Programme sind bei ihrer Analysearbeit auch für Geheimdienste von größtem Interesse. Vor allem die CIA verstärkt derzeit ihre bisherige Zusammenarbeit mit Amazon.

CIA-IT-Leiter Doug Wolfe erklärte am Dienstag, aktuelle Krisenszenarien wie in der Ukraine und im Irak würden zeigen, wie Umfang und Geschwindigkeit der Informationsbeschaffung anwüchsen. Während Amazons dreitägiger Cloud Conference in Washington legte er in einer kurzen Rede die Gründe dar, wieso die Behörde Amazon den Zuschlag für einen 600 Millionen Dollar schweren Kooperationsvertrag für den Bereich Cloud-Computing erteilt habe. Auf dessen Basis entwickelt das Unternehmen derzeit nach CIA-Vorgaben einen privaten Cloud-Service, wie die "Financial Times" (Paywall) berichtet.

Allerdings wolle man sich nicht nur auf die Nutzung der Amazon-Rechenzentren beschränken, so Wolfe weiter. Es gehe nicht nur darum, die Leistung der Server zu verbessern. "Wir sind dabei, kommerzielle Neuheiten in Form von Apps für den operativen Bereich nutzbar zu machen", wurde der Geheimdienstmann zitiert. Primär gehe es um die Verarbeitung und Analyse großer Datenströme.

Bereits jetzt habe die CIA eine Reihe von Aufgaben in die Amazon-Cloud verlagert. Bei der gemeinsamen Festlegung und Überprüfung der hohen Sicherheitsstandards habe es in den vergangenen Monaten interessante Debatten gegeben. "Das war schon ein recht heftiger Zusammenstoß der Kulturen", zitiert das Technik-Blog "Re/Code" Wolfe. Und weist darauf hin, die derzeitige Entwicklung sei vor dem Hintergrund der von Präsident Obama verfolgten "Cloud first"-Politik (PDF) zu sehen. Allerdings seien die entsprechenden Maßnahmen wegen Sicherheitsbedenken immer wieder verzögert worden.

Dennoch zeigte sich Wolfe optimistisch, dass die im Oktober 2013 aufgenommene Zusammenarbeit demnächst zählbare Ergebnisse vorweisen kann. Noch im Sommer solle der geschützte CIA-Bereich in Amazons Datenwolke seinen Regelbetrieb aufnehmen.

meu



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
personalprivacy 25.06.2014
1. Leider nix Neues
70% des Geheimdienstbudgets der USA gehen an private Dienstleister. Q: http://www.businessweek.com/articles/2013-06-20/booz-allen-the-worlds-most-profitable-spy-organization
ralf_si 25.06.2014
2. optional
"Und weist darauf hin, die derzeitige Entwicklung sei vor dem Hintergrund der von Präsident Obama verfolgten "Cloud first"-Politik (PDF) zu sehen" Und heute Abend dürfen wir uns wieder über Herrn Kremps Google-Lobhudeleien freuen, anstatt einer kritischen Berichterstattung über den Zwang in die US-Cloud (egal ob über Microsoft, Amazon, Apple oder eben Google). Die unabhängige Berichterstattung auf Seiten SPONs ist schon lange verloren gegangen. Schade eigentlich.
hansgustor 25.06.2014
3. Skandal
"Bäcker liefert Brötchen an CIA!" ist ähnlich skandalträchtig. Geheimdienste existieren (noch) nicht in luftleeren Raum.
User2177 25.06.2014
4. Logischer Schritt
Es macht ja auch mehr Sinn, die Daten gleich dort zu verarbeiten, wo sie abgegriffen werden...
Boris Feinbrandt 25.06.2014
5.
Zitat von hansgustor"Bäcker liefert Brötchen an CIA!" ist ähnlich skandalträchtig. Geheimdienste existieren (noch) nicht in luftleeren Raum.
Nun lassen Sie doch mal die Journalisten in Ruhe. Mir würde es auch Spaß machen, Amazon und die CIA in Verbindung zu bringen und mir abends Popcorn-essend die empörten Kommentare durchzulesen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.