SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

03. August 2018, 15:07 Uhr

Rassismus im Onlineshop

Amazon nimmt Nazi-Produkte aus dem Sortiment

Nazi-Ringe und brennende Kreuze auf Babystramplern: Amazon hat auf den Brief eines US-Kongressabgeordneten reagiert und mehrere Verkäuferkonten mit fragwürdiger Ware gesperrt.

Erneut gerät Amazon unter Druck, weil in dem Onlinekaufhaus Produkte mit fremdenfeindlichen Botschaften zu finden sind. Das Unternehmen hat nun offenbar auf die Vorwürfe des US-Kongressabgeordneten Keith Ellison reagiert und einige Produkte aus dem Programm genommen. Laut dem US-Konzern hätten Mitarbeiter das Warenangebot durchforstet und mehrere Produkte entfernt, die gegen die Händler-Richtlinien verstoßen hätten.

Das geht aus einem Brief hervor, der dem Nachrichtenportal "BuzzFeed" vorliegt. Darin antwortet Amazon dem Abgeordneten, dass man die angesprochenen Produkte überprüft und alle Artikel, die gegen die Richtlinien verstießen, aus dem Sortiment genommen habe. Außerdem seien Verkäufer-Accounts dauerhaft blockiert worden. "Von den Verkäufern wird erwartet, dass sie sich an die Regeln halten, und wir untersuchen sofort jede Verletzung, die uns berichtet wird", heißt es in dem Schreiben.

Eine Studie untersucht die Rassismusproblematik bei Amazon

Ellison hatte Amazon-Chef Jeff Bezos vor einigen Tagen einen offenen Brief (PDF) geschrieben: Er solle Stellung nehmen zu den Vorwürfen, sich am Verkauf von Produkten mit rassistischer Botschaft zu bereichern. Der Politiker schreibt, er sei unter anderem besorgt über den Umsatz, den Amazon mit dem Verkauf von Büchern und Liedern erziele, die von Menschen veröffentlicht würden, die als "Hassgruppen" identifiziert worden seien.

Außerdem beklagt er sich darüber, dass Nazi-Schmuck, Konföderierten-Flaggen oder Babystrampler mit aufgedruckten brennenden Kreuzen auf dem Portal verkauft würden. Ellison sei verstört gewesen, als er mitbekam, dass Amazon rassistische Produkte für Kinder auf seiner Plattform zugänglich mache. Ellison bezieht sich dabei auf eine Studie mit dem Titel "Delivering Hate" (PDF), die untersucht, wie Rassismus und Islamfeindlichkeit über die Plattform verbreitet werden.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Amazon mehrmals Probleme mit derartigen Angeboten im Sortiment. Auch in Europa tauchte immer wieder Hasslektüre auf, die eigentlich nicht verkauft werden durfte. So bot der Onlinehändler unter anderem in Deutschland und Großbritannien rechtsextreme Bücher an, die nach dem Jugendschutzgesetz illegal waren.

jbr

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung