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Gesichtserkennung zum Schnäppchenpreis US-Bürgerrechtler kritisieren Einsatz von Amazons Überwachungstechnik

Das Gesicht einer gesuchten Person aus Aufnahmen Tausender herauspicken? Amazon bietet das Strafverfolgern an, zu Kleckerbeträgen. Nun jedoch regt sich massiver Widerstand gegen den Service.

US-Bürgerrechtler fordern Amazon auf, seine Gesichtserkennungstechnologie nicht mehr an Strafverfolgungsbehörden zu vermarkten. In einem offenen Brief  wenden sich die American Civil Liberties Union (ACLU) und mehr als 30 weitere Organisationen an den Konzern. Das Rekognition genannte Amazon-Angebot sei ein "mächtiges Überwachungssystem" und würde den Werten, die das Unternehmen proklamiert, widersprechen.

Amazon selbst stellt Rekognition vor allem als technisches Wunderwerk dar . Zu den einfacheren Funktionen der Software zählt die, dass sie Personen und Objekte in Fotos und Videos erkennen kann, im Stile von "Petra auf einem Fahrrad". Sie kann aber auch einzelne Personen in einer Gruppe von Menschen verfolgen und soll sogar Stimmungen anhand einer Gesichtsanalyse bestimmen können. So könnte beispielsweise ein Händler die Reaktion seiner Kunden auf bestimmte Produkte analysieren.

Die Funktion zur Erkennung von Persönlichkeiten wurde gerade erst von einigen Amazon-Kunden bei der royalen Hochzeit in London genutzt. Mehrere Medienhäusern ließen die Software TV-Bilder von der Hochzeitsgesellschaft analysieren, um schnell zu erfahren, welche Promis darauf zu sehen sind.

Amazon wirbt damit

Dieselbe Technik wird von Amazon aber auch aktiv als System zur Überwachung im öffentlichen Raum beworben. Das System könne eine gesuchte Person in Echtzeit unter Millionen anderen identifizieren, die von Hunderten Kameras aufgenommen werden, versprach Amazon-Manager Ranju Das auf einer Konferenz in Seoul .

Auch könne man eine einzelne Person im Videobild verfolgen oder etwa einen Alarm auslösen, sobald etwa ein bestimmtes Fahrzeug, ein Nummernschild oder eine rennende Person, die Gefahr symbolisieren könnte, im Bild erkannt wird.

Gesichtserkennung per App

Für genau solche Dinge soll die Technik in den USA mithilfe von Amazon bereits von einigen Behörden genutzt worden sein. Amazon selbst führt auf seiner Kundenliste  neben dem Fotoportal Pinterest und der Navigationssoftware Here auch die Polizeidienststellen von Orlando und Washington County.

Letztere habe das System mit 300.000 Verbrecherfotos gespeist, die nun etwa bei Fahndungen genutzt werden. Statt zwei bis drei Tage brauche man nun nur noch wenige Minuten, um einen Verdächtigen zu identifizieren, lobt der IT-Chef der Behörde das System. Zudem seien die Beamten mit einer App ausgerüstet worden, die Fotos von Verdächtigen mit der Datenbank der Polizei abgleichen kann.

Das System schlägt Alarm

Wie ein solches System im großen Stil eingesetzt werden kann, zeigen mehrere aktuelle Fälle in China. Binnen zwei Monaten seien dort drei Flüchtige mithilfe von Gesichtserkennung erkannt, lokalisiert und festgenommen worden, berichtet das Magazin "Quartz ". Ein merkwürdiger Zufall dabei: Alle drei wurden im Umfeld von Konzerten des Cantopop-Stars Jacky Cheung aufgegriffen.

Den jüngsten Fall schildert die Polizei der Stadt Jiaxing ausführlich im sozialen Netzwerk WeChat . Demnach wurde ein Verdächtiger automatisch erkannt, als er die Sicherheitskontrollen zu Cheungs Konzert passierte. Von der Software alarmiert, konnten Polizisten den Mann beim Verlassen der Konzerthalle festnehmen. Gesucht worden war er, weil er 2015 für umgerechnet knapp 15.000 Euro Kartoffeln gekauft, aber nicht bezahlt hatte, heißt es.

500 Millionen Kameras für China

Der Fall zeigt, wozu Chinas Überwachungssoftware schon jetzt in der Lage ist. Bis 2020 sollen in dem Land mehr als 500 Millionen Überwachungskameras  installiert werden. Parallel dazu wird an einer Datenbank gearbeitet, in der die Daten der Gesichter aller Chinesen zum sofortigen Abgleich mit den Kameras gespeichert werden sollen.

Auf einem ähnlichen Kurs scheinen auch die USA zu sein. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge waren 2016 schon 117 Millionen Menschen in den Gesichtserkennungsdatenbanken der US-Strafverfolgungsbehörden gespeichert .

Discount-Überwachung

Erstaunlich ist bei all dem, dass es nicht einmal teuer ist, eine künstliche Intelligenz wie die von Amazon Rekognition Tausende oder gar Millionen von Fotos und Videos analysieren zu lassen. Rekognition gehört zu den Amazon Web Services (AWS), einem Cloud-Computing-Dienst, der Online-Speicherplatz, Datenbanken und viele andere Dienste für Firmen wie Netflix und Expedia anbietet.

Beim Blick auf Amazons Preisübersicht  wird für die Verarbeitung von Bildern ein Preis von 40 Cent bis einem Dollar pro 1000 Stück veranschlagt, je nachdem, wie viele Millionen Fotos man untersuchen will. Videoanalysen kosten zehn bis zwölf Cent pro Minute, je nachdem, ob es sich um Archivmaterial oder Livevideos handelt.

Da wundert es kaum, dass ein Sprecher der Polizei von Washington County der "Washington Post " offenbar stolz erklärte, man zahle für den Dienst bloß sechs bis zwölf Dollar monatlich. Billiger kann man die totale Überwachung wohl kaum haben.

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