Android US-Bundesstaaten verklagen Google wegen Ortungsdaten

Weiß Google, wo ich bin? Wer seinen Aufenthaltsort vor dem Unternehmen verbergen will, muss genau hinsehen. Mehrere US-Bundesstaaten verklagen den Konzern nun.
Android-Figur auf Googles Firmencampus: In den USA gibt es eine neue Klage gegen das Unternehmen

Android-Figur auf Googles Firmencampus: In den USA gibt es eine neue Klage gegen das Unternehmen

Foto: Christoph Dernbach/ dpa

In den USA droht Google Ärger mit mehreren Bundesstaaten. Wie jetzt bekannt wurde, haben die Generalstaatsanwälte von Washington, D.C., Texas, Washington und Indiana eine neue Klage gegen das Unternehmen eingereicht, weil es Nutzerinnen und Nutzer unzulässig überwacht haben soll.

Konkret geht es um die Ortungsdaten, die Google durch sein Handybetriebssystem Android erhebt. Die Nachrichtenagentur AP hatte bereits 2018 enthüllt, dass Android-Geräte selbst dann noch Ortungsdaten sammeln , wenn die Nutzer glauben, dass sie diese Funktion deaktiviert haben.

»Mit dieser Klage wollen wir Google zur Verantwortung ziehen und damit auch die Konsumenten aufklären, wie ihre persönlichen Daten gesammelt, gespeichert und monetarisiert werden«, sagt Karl Racine, der die Justizbehörde der US-Bundeshauptstadt leitet.

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Getäuscht und gedrängt

Die Klage führt in juristisches Neuland. Denn eigentlich ist Google ziemlich offen damit, dass die Geräte Ortungsdaten zu vielen Zwecken sammeln – sei es zur Wettervorhersage oder zur Navigation.

Die Bundesstaaten aber werfen Google vor, sogenannte Dark Patterns verwendet zu haben. Dabei handelt es sich um Designtricks, die Nutzerinnen und Nutzer dazu verleiten sollen, gegen ihre eigenen Interessen zu handeln. Die amerikanische Aufsichtsbehörde FTC hat solchen »Dark Patterns« gerade den Kampf angesagt, und auch das Europaparlament will die Designtricks im sogenannten Digitale-Dienste-Gesetz verbieten.

Wie die neue Klage ausführt, hat Google die Einstelloptionen für die Ortung auf verschiedene Einstellungsmenüs verteilt. Keine einzelne Option davon hindere Google daran, den Standort weiterhin zu erfassen, legt sie nahe. Wer das Unternehmen komplett ausschließen will, muss sich sowohl durch die Geräteoptionen als auch durch die Account-Informationen klicken.

Nicht abschalten!

Die Justizbehörden werfen Google vor, unzulässigen Druck aufzubauen. Aktuelle Pixel-Smartphones haben zwar im obersten Gerätemenü einen Knopf, mit dem sich die Standortfunktion deaktivieren lässt. Sobald man diesen Button aber erstmals drückt, poppt sofort eine Fehlermeldung auf, die dazu rät, die Funktion wieder zu aktivieren. Im Endergebnis entschieden sich die Nutzerinnen und Nutzer »entweder irrtümlich oder aus Frustration« dafür, weiterhin Standortdaten an Google zu schicken, so die Kläger.

Google weist die Vorwürfe gegenüber Medien zurück. Dabei wird betont, dass das Unternehmen seine Standortkonfiguration bereits geändert habe. 2020 hatte es eine Funktion zur automatischen Löschung der Standorthistorie eingeführt.

Android-Smartphones können ihren Standort auf mehrere Arten feststellen. Am genauesten ist in der Regel die GPS-Satellitentechnik. Als zweite Möglichkeit können die Geräte ihren Standort über das Mobilfunknetz annähernd bestimmen. Auch die WLAN-Funktion liefert mitunter ziemlich genaue Daten, da Google wie auch andere Firmen sehr genau verzeichnet, an welcher Stelle welches Funknetzwerk bereits registriert worden ist. Ähnliches klappt auch mit spezialisierten Bluetooth-Sendern, die allerdings nicht sehr verbreitet sind.

Als weitere Möglichkeit bleibt noch die vom Provider zugewiesene IP-Adresse als Indiz dafür, wo sich ein Gerät und damit vermutlich auch sein Besitzer befindet.

Jeder Einkauf soll erfasst werden

Ortungsdaten werden im Geschäft mit der Onlinewerbung auf viele Arten verwendet. So können Firmen etwa gezielt Kunden ansprechen, die sich in der Nähe eines Ladengeschäfts aufhalten oder ihnen spezifische Angebote für eine Filiale anzeigen.

Auch bei der Erfolgskontrolle der Werbung spielen Ortungsdaten eine immer größere Rolle. Da im Internet nur sehr wenige Nutzer noch direkt auf Anzeigen klicken, versuchen Werbenetzwerke, die angezeigten Werbungen mit den Einkäufen der Kunden abzugleichen. Deshalb ist Google interessiert daran, wann ein Nutzer einen Laden betritt.

Gleichzeitig bietet Google seinen Kundinnen und Kunden handfeste Gründe, die Ortung dauerhaft aktiviert zu lassen. Google Maps beispielsweise kann dauerhaft den Weg zur Arbeit oder den Heimweg berechnen und die Nutzer warnen, wenn ein Stau die Fahrzeit zu verlängern droht.

Mit Ingress hatte Google auch eines der ersten Augmented-Reality-Games herausgegeben. Die Spieler laufen darin durch die reale Welt, um dort fiktive Kämpfe zu bestehen.