Angebliche Foto-Vergehen Copyright-Kämpfer Kauder hat Urheberrechte verletzt

Ausgerechnet Siegfried Kauder hat Urheberrechte verletzt: Auf der Web-Seite des Unionspolitikers entdeckten Blogger Fotos aus zweifelhafter Quelle. Der Verfechter einer strikten Copyright-Politik bestätigt den Fehlgriff. Nun suchen seine Kritiker nach weiteren Verdachtsfällen.
Siegfried Kauders Homepage: Blogger werfen dem CDU-Politiker Bilderklau vor

Siegfried Kauders Homepage: Blogger werfen dem CDU-Politiker Bilderklau vor

Hamburg - Die Homepage des CDU-Abgeordneten Siegfried Kauder  lässt Bilder sprechen: Schon die Startseite führt den Besucher per Fotocollage in den Schwarzwald. Auf den Unterseiten wimmelt es von Anschauungsmaterial: Menschen vor einem Traktor, das Reichstagsgebäude, Herr Kauder am Mikrofon. Eine Bildunterschrift oder ein Copyright-Hinweis findet sich unter fast keinem der Fotos. Einige davon seien urheberrechtlich geschützt, meldet der Piratig.de -Blogger, der seine Einträge mit dem Namen Alexander Double signiert.

Auf der Web-Seite abgeordnetenwatch.de wandte sich Double mit einer öffentlichen Anfrage  an Kauder: "Nun habe ich auf Ihrer Website folgende zwei urheberrechtlich geschützte Bilder entdeckt, deren Urheber Sie nicht sind", schreibt er. Konkret handelt es sich um ein Bild des Schlosses in Donaueschingen  und eines der Hornberger Burg.  Weiter heißt es: "Haben Sie Lizenzen für diese Bilder erworben? Bitte legen Sie sie vor."

Am Donnerstagabend erreichte SPIEGEL ONLINE eine schriftliche Stellungnahme des CDU-Abgeordneten: "Ich bin denen dankbar, die mir Gelegenheit gegeben haben zu zeigen, dass das Warnmodell funktionieren kann. Ich wurde auf die Verwendung von zwei Lichtbildern auf meiner Homepage aufmerksam gemacht, die urheberrechtlich geschützt sind." Tatsächlich betrachtet Kauder sich in seiner Idee eines dreistufigen Vorgehens mit Androhung von Internet-Entzug gegen Copyright-Sünder bestätigt: "Die Fotos sind entfernt. Also: Das Warnmodell funktioniert."

Tatsächlich wurden die fraglichen Fotos in der Zwischenzeit von Kauders Homepage entfernt. Alexander Double hat jedoch einen Screenshot  davon auf seinem Blog Piratig.de  veröffentlicht. Auch auf archives.org ist die Seite noch so zu sehen , wie sie gestern aussah - mit den beiden Bildern.

Jetzt suchen viele nach Vergehen

Kaum hatte Double seine Anfrage veröffentlicht, begann im Netz die Jagd nach weiteren unlizenzierten Bilder auf Kauders Seite. Ein Kommentator namens Syd Mounep hatte sich eine Fotocollage vorgenommen und stellte fest, dass auch dort möglicherweise Fotos ohne Genehmigung der Rechteinhaber verwendet worden sind.

Mit Hilfe der Google-Bildersuche lassen sich solche Verdachtsfälle ganz fix finden. Denn die Funktion kann man auch rückwärts benutzen: Zuerst muss man mit der rechten Maustaste auf das entsprechende Foto klicken und die "Grafikadresse kopieren". Dann klickt man auf das kleine Kamera-Icon im Suchfeld und schon erscheint die "Suche anhand von Bildern". Gibt man dort die kopierte Grafikadresse ein, spuckt die Suchmaschine als Ergebnis aus, wo das fragliche Bild im Netz noch zu finden ist.

Oft sind das Foto-Sharing-Seiten wie Flickr  oder Panoramio , bei denen dann manchmal genau steht, wer das Bild gemacht hat, beziehungsweise wer die Rechte daran hält.

Auf "Kauder-Strike" folgt "Kaudergate"

"Das Suchen wird ein kleiner Trendsport", sagt Mathias Schindler, Projektmanager beim Wikimedia Deutschland e.V. Er selbst habe auch auf Kauders Website gestöbert und nach möglicherweise unerlaubt verwendeten Bildern gesucht. "Eines habe ich gefunden, bei dem die Rechte wohl beim Deutschen Bundestag liegen." Allerdings sei gar nicht jedes Bild der Prüfung würdig: Das Bild vom Reichtstagsgebäude  ist so schlecht, dass Kauder oder einer seiner Mitarbeiter wahrscheinlich selbst Urheber ist."

Die Häme für den Abgeordneten überrascht so wenig wie der Eifer bei der Suche: Erst kürzlich stellte Siegfried Kauder seine Idee vor, Copyright-Sünder mit einer mehrwöchigen Internetsperre zu bestrafen. Das Vorhaben wurde unter dem Spottnamen "Kauder-Strike" belächelt; der Politiker erntete dafür sogar Kritik aus den eigenen Reihen. Der Verdacht, dass der Politiker es selbst nicht so genau nehmen könnte mit dem Urheberrecht, beflügelt die Spötter nun noch mehr: Auf Twitter wird die Angelegenheit bereits unter dem Hashtag "Kaudergate" diskutiert.

Update: Am Donnerstag um kurz nach 18 Uhr erreichte SPIEGEL ONLINE eine schriftliche Stellungnahme des CDU-Abgeordneten Siegfried Kauder: "Ich bin denen dankbar, die mir Gelegenheit gegeben haben zu zeigen, dass das Warnmodell funktionieren kann. Ich wurde auf die Verwendung von zwei Lichtbildern auf meiner Homepage aufmerksam gemacht, die urheberrechtlich geschützt sind." Tatsächlich betrachtet Kauder sich in seiner Idee eines dreistufigen Vorgehens mit Androhung von Internet-Entzug gegen Copyright-Sünder bestätigt: "Die Fotos sind entfernt. Also: Das Warnmodell funktioniert."

dsm
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