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Kirchentag Merkel vergleicht Facebook mit Waschmaschine

Wenn deutsche Politiker übers Internet reden, fallen oft seltsame Sätze. Manchmal mit Absicht, manchmal auch nicht. Für ein Zitat mit vermutlich erhöhter Lebensdauer sorgte nun die Bundeskanzlerin. Sie sprach über Facebook.

Wenn Vertreter der Bundesregierung anfangen, über die Digitalisierung zu reden, wird es oft lustig. Zumindest für diejenigen, die das Internet nicht mehr als "Neuland" wahrnehmen, um Bundeskanzlerin Angela Merkels berühmt gewordenes Wort noch einmal zu bemühen.

Neulich zum Beispiel, als Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei einer Veranstaltung die Bürger vor "digitaler Sorglosigkeit" warnte - am gleichen Tag, an dem dann bekannt wurde, dass bislang unbekannte Angreifer sich weitreichenden Zugriff auf das Netz des Deutschen Bundestages verschafft hatten, auch auf Rechner von Regierungsmitgliedern.

Diese Woche gibt es für unfreiwillig komische Äußerungen zum Digitalen gleich mehrere Anlässe. Sigmar Gabriel (SPD) und Angela Merkel (CDU) haben sich mit Vertretern von Gewerkschaften und Verbänden getroffen, um sich über die Digitalisierung der Arbeitswelt zu unterhalten. Und am heutigen Freitag ist die Kanzlerin beim Evangelischen Kirchentag in Stuttgart.

Dort ging es ums Internet, irgendwie wird darüber zur Zeit ständig irgendwo geredet, jedenfalls immer dort, wo Politiker auf normale Menschen treffen. So mancher scheint das im Alltag tatsächlich regelmäßig zu benutzen.

"So schön wie eine Waschmaschine"

Eine Besucherin des Kirchentages fragte Merkel, was sie denn von Facebook halte. Die Kanzlerin antwortete: "Es ist schön, dass man es hat. Das ist so schön, wie man ein Auto hat oder eine ordentliche Waschmaschine." Die Deutsche Presseagentur vermerkt dazu, dass dieser Satz "unter dem Gelächter mehrerer Tausend Zuhörer" gefallen sei. Im Anschluss setzte die Kanzlerin noch eine scharfsinnige Beobachtung über das Social Web hinzu: Man dürfe "der puren Existenz von Facebook nicht entnehmen, dass ich automatisch tolle Freunde habe".

Unklar bleibt, ob unter den mehreren Tausend Zuhörern auch nur ein einziger auf Basis dieser Prämisse im Netz unterwegs ist - vermutlich eher nicht. Merkel warnte dennoch, Facebook sei eine Bereicherung, wenn es darum gehe, anders als im realen Leben Kontakte mit Menschen zu knüpfen. Und sie fügte einen Satz hinzu, den man sich auf einem Häkeldeckchen wünschen würde: "Aber auch Facebook wird nicht das ganze Leben glücklich machen."

Auch Gabriel machte beim Digitalisierungtreffen am Donnerstag eine Beobachtung, der niemand, aber auch wirklich niemand widersprechen kann: Die Digitalisierung biete sowohl Chancen als auch Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt. Auf die messerscharfe Analyse folgte auch noch eine konkrete strategische Ansage, nämlich, dass diese "nicht ängstlich, sondern mutig" angegangen werden sollten. Da freut sich der Bürger und ist beruhigt, dass die da oben offenbar eine handfeste Vision haben für die digitale Zukunft dieses Landes.

Vielleicht fangen wir mit dem Angehen ja demnächst wirklich mal an.

Mit Material von dpa
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