Angriffe auf US-Firmen Hacker hatten Zugang zu Pipeline-Steuerung

Sabotieren statt Spionieren: US-Behörden beobachten eine Welle neuer Hackerangriffe, die angeblich von Iran ausgehen. Die Angreifer sollen es auf Energieanlagen abgesehen haben, laut einem Pressebericht hatten sie Zugriff auf ein Programm zur Pipeline-Steuerung.

Washington - Iranische Hacker sollen Zugang zu Software erlangt haben, mit der sie Öl- und Erdgasleitungen in den USA manipulieren könnten. Das berichtet das "Wall Street Journal " unter Berufung auf Informanten in nicht beschriebenen US-Behörden. Die Cyber-Angriffe sollen von Iran ausgehen, Ziel der neuen Angriffswelle sind insbesondere Energiekonzerne.

Vor derartigen Angriffe hatte Mitte Mai schon das US-Heimatschutzministerium gewarnt. Ein Sprecher der Behörde sagte damals, die Attacken richteten sich gegen US-Energieversorger. Die Angreifer hätten es offenbar darauf abgesehen, Schwachstellen aufzuspüren, um Kontrollsysteme der Energieversorger zu übernehmen.

Der Bericht des "Wall Street Journal" ("WSJ") konkretisiert diese Warnungen nun. Die Angreifer sollen "Zugriff auf Steuerungssoftware" gehabt haben. Diese Programme hätten es "ermöglichen können", "Öl- oder Gaspipelines" zu manipulieren, zitiert das "WSJ" einen Insider.

Mehr Details gibt es nicht, aber aus diesen Andeutungen lässt sich zumindest ableiten: Unmittelbare Gefahr bestand wohl nicht, die Angreifer hatten keinen Zugriff auf aktive Steuerungssysteme, sondern nur auf ein System, über das sie "Zugriff hätten erlangen können". Sie seien jedoch "weit genug vorgedrungen", um die "Verantwortlichen zu beunruhigen", sagt der Informant des "WSJ".

Iranischer Botschafter bestreitet Angriffe

Der iranische Uno-Botschafter wies die Vorwürfe als "haltlos" zurück. Sein Land sei wiederholt Opfer von Cyber-Angriffen gegen Nuklearanlagen, Stromnetze und Öl-Pipelines gewesen. Man habe nie zurückgeschlagen.

Hier spielt der Botschafter auf mehrere, bislang nicht aufgeklärte Angriffe an. Mitte 2010 hatten Unbekannte den Stuxnet-Virus in Computersysteme der iranischen Atomaufbereitungsanlage in Natans eingeschleust. Die Schadsoftware arbeitete lange unerkannt und zerstörte durch gezielte Manipulation der Steuersysteme vermutlich rund tausend Uranzentrifugen, bevor sie schließlich entdeckt wurde. Experten vermuten staatliche Auftraggeber hinter diesen gut koordinierten, aufwendigen und teuren Angriffen.

Für solche Angriffe gibt es bislang keine anerkannten kriegsrechtlichen Regeln. Das Pentagon räumt sich in Richtlinien das Recht auf einen konventionellen Gegenschlag ein. Wenn ein Hackerangriff wichtige Infrastrukturen lahmlegt und Menschenleben gefährdet, kann die US-Armee einen Vergeltungsschlag starten, auch mit konventionellen Waffen.

lis/dpa
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