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Ohne Aufsicht: Surfen im Dark Web

Anonymes Surfen Hacker flüchten in die dunklen Netze

Geheimdienste überwachen das Internet, Regierungen lassen Websites sperren. Nun tauchen manche Nutzer einfach ab. Sie knüpfen eigene Netzwerke, betreiben dezentrales Filesharing. Strafverfolger interessieren sich brennend für die dunklen Netze.

Wer illegale Kopien von Kinofilmen und Serien, von Software oder Spielen sucht, findet sie mit Hilfe von The Pirate Bay. Wer einen Bittorrent-Client für diese Zwecke nutzt, riskiert zwar, erwischt zu werden. Aber das scheint der Popularität des Tauschbörsensystems keinen Abbruch zu tun. Seit mehr als zehn Jahren geht das nun schon so. Obwohl Behörden und Unternehmen versuchen, die Seite abzuschalten. Weil Pirate Bay den Zugriffen bisher widerstehen konnte, müssen Provider das Dateiverzeichnis in einigen Ländern sperren.

2014 wollen die Betreiber beide Probleme lösen: Mit einem eigenen Netzwerk . Mit dem sollen sich die Nutzer verbinden, eine Kopie der Seite von anderen Nutzern herunterladen und diese wiederum auch an andere Nutzern verteilen. Es geht um den Aufbau eines Peer-to-Peer-Netzwerks mit eigenem DNS-System.

Hacker beschäftigen sich schon länger mit neuen, dezentralen Netzwerken, die von Behörden nicht einfach zensiert oder von Firmen geschlossen werden können. Die dunklen Netze haben zwei Seiten: Einerseits helfen sie bei der Verbreitung von Nazi-Seiten und Kinderpornografie. Andererseits können sie die vertrauliche Kommunikation politische Aktivisten, Whistleblower oder Journalisten schützen. In vielen Ländern ist das notwendig.

Verstecke Seiten im Dark Web

Am bekanntesten ist vermutlich das Tor-Netzwerk , über das man sich anonym mit dem herkömmlichen Internet verbinden kann. Andere Projekte verabschieden sich ganz vom Web. Sie nutzen es nur noch, um über die Verbindungen ein eigenes Netz zu bauen. I2P  heißt eines dieser Netze, in denen anonym und mehrfach verschlüsselt kommuniziert werden kann. Eine kleine Software nimmt Kontakt zu anderen Nutzern auf und stellt die Verbindung her.

Spezielle Dienste für E-Mails, Chat oder Dateitausch funktionieren nur innerhalb von I2P. Die Nutzer können auch anonyme Websites in ihrem jeweiligen Netzwerk anbieten. "Hidden Services" heißen sie bei Tor, "Eepsites" bei I2P. Um eine solche Seite zu betreiben, braucht man aber immer noch einen Server, einen Rechner, auf dem die Daten vorgehalten werden.

Bei Freenet  - nicht zu verwechseln mit dem deutschen Internetprovider - ist das anders: Wer am Netz teilnehmen will, stellt automatisch Speicherplatz zu Verfügung. Dateien werden automatisch unter den Nutzern verteilt, ohne dass diese wissen, was genau bei ihnen zwischengespeichert wird - und ob illegale Inhalte dabei sind. Nachdem eine Website oder eine Datei publiziert ist, soll sie sich automatisch verbreiten. Sie liegt dann in vielen kleinen Häppchen auf Rechnern im Freenet-Netz.

Dezentrales Netz mit Bitcoin-Antrieb

Auch die virtuelle Währung Bitcoin ist ein Peer-to-Peer-Netzwerk, das auf dem Internet aufbaut: Die Nutzer knüpfen ein Netz, in dem verschlüsselt kommuniziert wird, ohne zentrale Knotenpunkte. Völlig anonym funktioniert der Transfer von Bitcoin nicht. Aber man kann ein Pseudonym nutzen, über das man mit einigen Vorkehrungen nicht so schnell gefunden werden kann.

Ein neues Projekt namens Bitcloud  soll die Idee des dezentralen Dateispeichers nun mit der Kryptowährung zusammenbringen. Die Entwickler wollen ein anonymes Netz schaffen, bei dem die Nutzer mit winzigen Bitcoin-Beträgen für das Bereitstellen von Dateien und Durchleiten von Daten anderer Nutzer entlohnt werden können.

Crypto-Anarchisten erleben zweiten Frühling

Frei von Zensur oder sonstiger Aufsicht kommunizieren: Das ist der Traum der Cypherpunks und Krypto-Anarchisten, einer Subkultur, die Ende der achtziger Jahre entstand. Ihre Vertreter propagieren Verschlüsselungstechnik und stehen staatlicher Kontrolle höchst skeptisch gegenüber. Jahrelang blieben die Cypherpunks in ihrer Nische. Dann aber kam WikiLeaks, und Julian Assange wurde zum bis heute berühmtesten Vertreter der alten Cypherpunk-Garde.

Nun erlebt die Szene so etwas wie eine Renaissance, vor allem im Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling, bei dem autoritäre Regime Oppositionelle über Handys und soziale Netzwerke ausspionierten und in Foltergefängnisse brachten. Krypto-Anarchisten halfen mit sicheren Netzverbindungen und Technik-Nachhilfe.

Weil auch demokratische Regierungen das Netz im Visier haben, feiern die Hacker seit zwei Jahren Cryptopartys. Dort erklären sie, wie man mit kostenloser Software relativ einfach seine E-Mails und Dateien verschlüsseln kann. Seit dem Beginn der NSA-Affäre sind solche Treffen, die unabhängig voneinander in vielen Städten organisiert werden, gefragt wie nie. Sogar Abgeordnete veranstalten mittlerweile Kryptopartys.

Kleine Fehler helfen der Polizei

Die Verschlüsselung hilft mindestens gegen massenhafte Internetüberwachung. Das "Dark Net" sorgt für zusätzliche Anonymität. Die Behörden sind alarmiert: Die US-Bundespolizei beschäftigt sich schon seit mehr als fünf Jahren mit "Going Dark" , dem Problem, dass Straftäter in Datennetzen untertauchen können.

Das FBI würde das Internet gern so ähnlich überwachen dürfen wie der Militärgeheimdienst NSA und drängt auf weitere Schnittstellen bei Providern für einen noch umfassenderen Datenzugriff. Gerade erst hat die Bundespolizei sich Zugriff auf einen gewaltigen Datenschatz aus dem Tor-Umfeld verschafft, kürzlich verteilte das FBI zudem gezielt Spähsoftware auf den Rechnern von Tor-Nutzern.

Oft helfen allerdings auch klassische Ermittlungen. So konnte das FBI den mutmaßlichen Betreiber des im Tor-Netzwerk versteckten Drogenumschlagplatzes Silk Road ausfindig machen, weil der zu Anfang seiner kriminellen Karriere nicht immer ganz genau zwischen seiner geheimen und echten Identität unterschieden hatte.

Auch Sabu, ein Anonymous-Aktivist und Hacker, konnte das FBI wegen einer Unachtsamkeit fassen. Ein einziges Mal soll er sich in einen Chat-Raum begeben haben, ohne seine IP-Adresse zu verschleiern . Im Austausch für eine Reduktion seines Strafmaßes half er danach, Komplizen auszuspionieren. So gut die Technik auch wird, so dunkel das Netz ist - Menschen machen immer noch Fehler.

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