Urheberrechts-Kampagne Anonymous veröffentlicht Künstler-Adressen

Netz-Vandalismus statt Debatte: Unbekannte haben Adressen und zum Teil Telefonnummern von Künstlern veröffentlicht, die einen Pro-Urheberrechts-Aufruf unterzeichnet haben.

Urheber-Aufruf: "Historische Errungenschaft"

Urheber-Aufruf: "Historische Errungenschaft"


Unbekannte haben Adressen und teilweise Telefonnummern einiger der Unterzeichner des Aufrufes "Wir sind die Urheber" offen ins Internet gestellt. Auf einer Plattform, die üblicherweise zum Austausch von Programmcode verwendet wird, wurde eine Liste mit Namen, Adressen, E-Mail-Adressen, Website-Adressen und zum Teil Telefon- und Faxnummern veröffentlicht. Viele davon stammen augenscheinlich aus öffentlich zugänglichen Quellen wie Homepage-Impressumseinträgen, Telefonbüchern oder Adressverzeichnissen. Unter den Betroffenen sind etwa die Moderatorin und Schauspielerin Charlotte Roche, der Dramatiker Moritz Rinke, der Journalist Günter Wallraff und der Komiker Michael Mittermeier.

Sie alle zählen zu den mittlerweile mehreren tausend Unterzeichnern des Aufrufs "Wir sind die Urheber", den der Literaturagent Matthias Landwehr initiiert hat. In dem Aufruf wird vor einer Abschaffung des Urheberrechts gewarnt. Er wird unter anderem als Reaktion auf die Wahlerfolge der Piratenpartei verstanden, die die private, nichtkommerzielle Nutzung von Internettauschbörsen für legal erklären möchte.

Matthias Landwehr sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", es gehe hier um "Bloßstellung und Bedrohung", wie man sie "aus totalitären Staaten kennt".

Das Sammeln und Veröffentlichen von Informationen über Personen oder Organisationen, die man als Gegner ausgemacht hat, gehört seit Jahren zum Repertoire der losen Netzgruppierung Anonymous. Die Praxis wird "doxing" genannt (von "Docs"= Dokumente). Zu den Anonymous-Grundprinzipien gehörte bislang eine bedingungslose Verteidigung des Rechts auf freie Meinungsäußerung. Dass nun Künstler und Kulturschaffende, die öffentlich ihre Meinung kundtun, mit einer derartigen Aktion eingeschüchtert werden sollen, lässt sich mit diesen Grundprinzipien nicht vereinbaren. Doch die Marke "Anonymous" kann sich jeder überstreifen, der online oder offline Aktionen startet. Es gibt weder ein Mitgliederverzeichnis noch eine Satzung oder gar verbindliche Absprachen zwischen all jenen, die sich selbst hin und wieder Anonymous nennen.

Dass die Veröffentlichung als aggressiver Akt gemeint war, haben die Verfasser der ursprünglichen - mittlerweile gelöschten - Veröffentlichung unmissverständlich klar gemacht: "Das hier ist Teil 1 - wenn Ihr mit diesem Scheiß nicht aufhört, werden wir doxen und doxen und doxen!"

cis

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insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
sir_popper 14.05.2012
1. Natürlich ist das nicht in Ordnung, aber...
...man darf nicht verschweigen, dass es auf beiden Seiten dieser immer groteskere Züge annehmenden Debatte ziemlich bescheuerte Menschen gibt: Wenn ich mir das im aktuellen Spiegel (Seite 141) abgedruckte Plakat von einigen Krimi-Autoren anschaue, wird mir nicht nur schlecht. Ich frage mich auch, wes Geistes Kind diese Leute eigentlich sind. Etwas so ästhetisch fragwürdiges (und im Sinne einer sachlichen Diskussion verwerfliches) habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ihr Kollege Tobias Rapp scheint indes wenig daran auszusetzen zu haben... Man kann nur Alle auffordern, möglichst gelassen und rational zu bleiben - auch wenn's schwer fällt.
static_noise 14.05.2012
2. .
1. Da es den/die/das 'Annonymus' nicht gibt ist die Zuweisung der Täterschaft hier mal sehr verwegener Journalismus. Jeder Teenie aus der Computer AG kann im Namen von 'Annonymus' veröffentlichen. Dies hier sieht eher nach Mitläufern aus. 2. Wenn die Daten doch auf öffentlich zugänglichen Quellen stammen (Impressum etc...) dann versteh ich die Aufregung nicht. Außer, dass die Daten aggregiert wurden hat doch keiner was gemacht, oder? Kann es sein, dass der Artikel reiner Sensations Journalismus ist, a la Bild?! "Schnell wir müssen was mit 'Hacker', 'Annonymus' und so im Titel machen!" Und dem guten Herrn Landwehr gehen doch endgültig die Pferde durch hier anläßlich dieser lächerlichen kleinen Aktion Vergleiche zu totalitären Regiemen zu ziehen.... Seine Schäflein, alles treue Kämpfer der Demokratie die von den bösen Mächten bedroht werden... Meine Güte...
sappelkopp 14.05.2012
3. Was soll man dazu sagen...
Zitat von sysopNetz-Vandalismus statt Debatte: Unbekannte haben Adressen und zum Teil Telefonnummern von Künstlern veröffentlicht, die einen Pro-Urheberrechts-Aufruf unterzeichnet haben. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,833059,00.html
...in so einer Diskussion so anonym zu arbeiten und keine Argumente zu haben ist armselig. Die Künstler, die für ihre Sache kämpfen haben jedenfalls keinen Grund sich zu verstecken.
Europa! 14.05.2012
4. Das Netzgesindel ist nicht die Netzgemeinde
Zitat von sysopNetz-Vandalismus statt Debatte: Unbekannte haben Adressen und zum Teil Telefonnummern von Künstlern veröffentlicht, die einen Pro-Urheberrechts-Aufruf unterzeichnet haben. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,833059,00.html
Die Netzgemeinde, die sich so gern moralisch findet, sollte sich von dieser Aktion eindeutig distanzieren. Das gilt auch und ganz besonders für die Piratenpartei.
janne2109 14.05.2012
5. ..........
Zitat von sir_popper...man darf nicht verschweigen, dass es auf beiden Seiten dieser immer groteskere Züge annehmenden Debatte ziemlich bescheuerte Menschen gibt: Wenn ich mir das im aktuellen Spiegel (Seite 141) abgedruckte Plakat von einigen Krimi-Autoren anschaue, wird mir nicht nur schlecht. Ich frage mich auch, wes Geistes Kind diese Leute eigentlich sind. Etwas so ästhetisch fragwürdiges (und im Sinne einer sachlichen Diskussion verwerfliches) habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ihr Kollege Tobias Rapp scheint indes wenig daran auszusetzen zu haben... Man kann nur Alle auffordern, möglichst gelassen und rational zu bleiben - auch wenn's schwer fällt.
ist es nicht mehr als-- nicht in Ordnung? Ich finde es eine Schweinerei.
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