Streit mit Apple FBI will Terroristen-iPhone nun selbst knacken

Apple weigert sich seit Monaten, das iPhone des Attentäters von San Bernardino zu entsperren. Nun gibt das FBI bekannt, man komme auch ohne Hilfe des Konzerns an die Daten.
Apple-Logo in New York

Apple-Logo in New York

Foto: Justin Lane/ dpa

Im Streit über die Entschlüsselung eines iPhones zeichnet sich eine überraschende Wende ab. Nach wochenlangem juristischem Schlagabtausch gaben die Anwälte der US-Bundespolizei FBI plötzlich bekannt, man könne wohl auch ohne Hilfe von Apple Zugriff auf die Daten eines im Zuge von Terrorermittlungen wichtigen iPhones erhalten.

Dem FBI zufolge präsentierte am Sonntag eine nicht näher beschriebene "dritte Partei" eine nicht näher beschriebene Methode, um das Smartphone zu knacken. Die Methode solle nun getestet werden, hieß es.

Das zuständige Gericht genehmigte die Verschiebung einer für Dienstag angesetzten Anhörung darüber, ob Apple die Daten freigeben muss.

Sollte die neue Methode funktionieren, wäre ein Ende des Prozesses wahrscheinlich, der ansonsten wohl bis vor dem Obersten Gerichtshof ausgefochten worden wäre. Nach Angaben der US-Regierung werde es einige Zeit dauern, um zu prüfen, ob das Verfahren tatsächlich funktioniert. Sollte es klappen, gebe es keine Notwendigkeit mehr, Hilfe von Apple zu beanspruchen. Die Regierungsseite soll das Gericht bis zum 5. April über die Entwicklung informieren.

Ein Apple-Vertreter sagte, man habe keine Kenntnis von der angeblichen neuen Entschlüsselungsmethode. Die Regierung habe zu keiner Zeit darauf hingewiesen, dass sie sich um eine derartige Lösung bemühe. Es sei unklar, wer die dritte Partei sei.

IT-Sicherheitsexperten hatten zuvor erklärt, der Geheimdienst NSA könnte in der Lage sein, das iPhone zu knacken.

"Das Problem verschwindet nicht"

Das umstrittene iPhone war von einem der Attentäter genutzt worden, die im Dezember bei einem Anschlag in San Bernardino 14 Menschen töteten. Das FBI untersucht, ob die Angreifer mit der Extremisten-Miliz IS in Kontakt standen.

Bislang wollte das Justizministerium Apple per Gerichtsurteil zwingen, eine neue Software zu schreiben, um den Passwortschutz für das iPhone auszuhebeln. Apple wehrt sich gegen die Anordnung und spricht von einem gefährlichen Präzedenzfall, der eine Hintertür schaffe, die von Kriminellen und Regierungen missbraucht werden könne. Andere Technologiekonzerne wie Google, Facebook, Microsoft und AT&T stellten sich hinter Apple.

Nach Einschätzung von Juristen zeigt der Vorstoß des Justizministeriums, dass dieses eine Prozessniederlage fürchtet. Der Juraprofessor Orin Kerr von der George-Washington-Universität vermutet, dass das Ministerium auf Zeit spielt. "Das Problem verschwindet nicht", sagte er. "Es wird nur ein oder zwei Jahre aufgeschoben." Denn auch wenn sich der Streit in Kalifornien entspannen sollte, wird die Debatte um Verschlüsselung bei elektronischen Geräten weiterköcheln. Zum Beispiel in New York läuft ein ähnlicher Fall, in dem sich der Richter allerdings auf die Seite von Apple stellte.

Im Video: Apple stellt neues iPhone vor

ssu/AP/dpa/Reuters