IT-Branche Flash-Enthusiast wird Apples Cheftechniker

Vom Apple-Kritiker zum Apple-Angestellten: Der Wechsel des Spitzenmanagers Kevin Lynch von Adobe zum iPhone-Konzern erregt die Gemüter der IT-Gemeinde. Dabei ist der Personalwechsel für Apple sehr sinnvoll.
Kevin Lynch bei einer Podiumsdiskussion (Archivbild): Wechsel von Adobe zum Apple

Kevin Lynch bei einer Podiumsdiskussion (Archivbild): Wechsel von Adobe zum Apple

Foto: Robert Scoble/ dpa

Eine Personalie erschüttert derzeit die amerikanische IT-Welt. Der langjährige Adobe-Angestellte Kevin Lynch, beim Unternehmen zuletzt als Chief Technology Officer beschäftigt, wechselt zu Apple und wird beim neuen Arbeitgeber als Vizepräsident im Bereich Technologie anfangen.

Der Internetdienst Mashable weist darauf hin , dass der umtriebige Lynch zu den bekanntesten Adobe-Gesichtern gehörte. Dazu habe sein intensiver Austausch mit der Tech-Community in seinem Blog beigetragen, mehr noch jedoch sein lautstarker und öffentlichkeitswirksamer Einsatz  für Adobes Multimediaplattform Flash. In diesem Zusammenhang hatte er vor einigen Jahren auch Apple hart angegangen, weil die Verantwortlichen in Cupertino die Integration von Flash in iOS verweigert hatten.

Adobe bestätigte gegenüber der Webseite All Things D   den Abschied Lynchs und erklärte, der Posten des Technikchefs werde unbesetzt bleiben. Während Vermutungen kursieren, der Wechsel habe mit unerfüllten Karriere-Ambitionen Lynchs zu tun, kommentiert "Daring Fireball"-Blogger John Gruber den Stellenwechsel mit starken Worten. Vor dem Hintergrund, dass die Versuche, das von Lynch so eifrig propagierte Flash auch als mobile Multimediaplattform zu etablieren, zugunsten von HTML5 eingestellt wurden, ätzt Gruber , Lynch sei ein "Depp, eine schlechte Besetzung". Denn von Flash sei keine Rede mehr, während Millionen von HTML5-Videos auf Android-, Windows Phone-, BlackBerry- und eben auch iOS-Geräten laufen würden.

"Der Mann ist ein Star"

Eine Einschätzung, die sogleich auf heftigen Widerspruch stieß. Der Software-Entwickler Dave Winer äzte via Twitter , nun werde man herausfinden, ob Gruber, der in der Szene durchaus einen Namen hat "Apple heimlich steuert". Für den Journalisten und Autor ("Hackers", 1984) Steven Levy ist Gruber zu weit gegangen. Nur weil Lynch ein loyaler Adobe-Mann gewesen sei, verdiene er nicht Hass und Verunglimpfung: "Entspannt euch, Fans, der Mann ist ein Star. " Eine Sichtweise, die der IT-Unternehmer und mit 450.000 Followern bestens vernetzte Twitterer Anil Dash teilt. Direkt an Gruber gewandt, kommentierte er dessen Beitrag : "Ich schätze es wirklich, wenn Sie zu technischen Fragen klare Positionen beziehen. Aber schlaue Leute wie @kevinlynch als Deppen zu bezeichnen, überschattet Ihre Klugheit."

Tatsächlich dürfte Lynch von Apple nicht wegen seiner Flash-Vergangenheit an Bord geholt worden sein, sondern aufgrund seiner Aktivitäten im Bereich Cloud Computing. Gegenüber "Forbes" erklärte ein Analyst, Adobe habe bei seinen Produkten in Sachen Cloud-Anbindung gut gearbeitet. Diese Erfahrung könne Apple nun dabei helfen, seinerseits profitable Modelle zu entwickeln und in einem Bereich mit Google und Microsoft mitzuhalten, in dem das Unternehmen derzeit noch schwach sei.

meu