Umstrittene Software Apple stellt Maßnahme gegen Kindesmissbrauch zurück

Mit einer Software wollte Apple Jagd auf Bilder machen, auf denen sexueller Missbrauch von Kindern zu sehen ist. Datenschützer liefen Sturm und sahen ein Einfallstor für autoritäre Regime. Nun lenkt der Konzern ein.
Ein Apple-Store in New York City: Apple lenkt im Streit mit Datenschützern vorerst ein

Ein Apple-Store in New York City: Apple lenkt im Streit mit Datenschützern vorerst ein

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MIKE SEGAR / REUTERS

Apple hat die Einführung einer neuen Software gegen sexuellen Missbrauch von Kindern aus Datenschutzgründen verschoben. »Wir haben beschlossen, uns in den kommenden Monaten mehr Zeit zu nehmen, um Anregungen zu sammeln und Verbesserungen vorzunehmen, bevor wir diese wichtigen Kinderschutzfunktionen freigeben«, teilte das Unternehmen mit. In der Erklärung verwies Apple auf Kritik von Nutzern, Datenschützern und Wissenschaftlern.

Ursprünglich sollten Apple-Geräte nach einem Update des Betriebssystems künftig Bilder von sexuellem Missbrauch von Kindern automatisch erkennen und melden, sobald sie von Nutzern in den Vereinigten Staaten in den Onlinespeicher hochgeladen werden. Dafür sollten die Fotos mit einer Datenbank bekannter Missbrauchsbilder abgeglichen werden, die von Kinderschutzorganisationen zur Verfügung gestellt und gegebenenfalls den Behörden gemeldet werden.

Kritik von Datenschützern

Kritiker der Maßnahme begrüßten die Verschiebung der Einführung. »Das ist keine neue Symbolleiste, sondern ein Eingriff in die Privatsphäre, der eine Milliarde Nutzer betrifft«, twitterte der Kryptografie-Experte Matthew Green von der Johns-Hopkins-Universität.

Zuvor hatten Datenschützer kritisiert, dass allein schon die Schaffung eines solchen Systems autoritären Regierungen die Möglichkeit öffne, politische Überwachung zu betreiben. Kritiker sprachen von einem Dammbruch, weil Apple anlasslos und permanent eine Durchsuchung nach illegalen Inhalten auf den Geräten der Anwender durchführen wolle.

Kinderschutzgruppen kritisierten die Entscheidung hingegen.

hba/AFP
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