»Operation Tinfoil« Anonymous-Hacker übernehmen Kanäle von Attila Hildmann

Die Hacker-Gruppe hat Telegram-Kanäle und Websites von Hildmann vom Netz genommen und angeblich auch interne Mails erbeutet. Der Angriff könnte die Reichweite des Rechtsextremen erheblich begrenzen.
Screenshot aus dem Video der Anonymous-Aktivisten: »Hallo, Attila Hildmann«

Screenshot aus dem Video der Anonymous-Aktivisten: »Hallo, Attila Hildmann«

Foto: Anonymous Kollektiv / Telegram

Mitglieder des Hacker-Kollektivs Anonymous haben mehrere Telegram-Kanäle und zwei Websites von Attila Hildmann übernommen und dort eigene Botschaften platziert. Auf der offiziellen Website von Hildmann, wo sonst seine veganen Kochbücher beworben werden, erschien die bekannte weiße Maske der Hacker-Gruppierung. Dazu wurde auf der Website eine Art Bekennervideo der anonymen Angreifer veröffentlicht, in dem eine Computerstimme sagt: »Hallo Deutschland, hallo Attila Hildmann«.

Auf den beiden großen Telegram-Kanälen von Hildmann wurde nach der Übernahme neben dem Video ein Beitrag verbreitet, der den Anschein erwecken soll, als würde Hildmann seine politischen Aktivitäten einstellen. »Manchmal muss auch ein Samurai sein Schwert an den Nagel hängen und sich eingestehen, dass der Feind übermächtig ist«, heißt es dort mit Bezug auf Anonymous.

Der Kanal diente Hildmann in den vergangenen Monaten als wichtigstes Sprachrohr, um seine rechtsextremistischen und verschwörungsideologischen Inhalte zu verbreiten. Zeitweise hatte er über hunderttausend Abonnenten, aktuell sind es noch rund 70.000.

Hinter der Aktion steckt die deutschsprachige Gruppe »Anonymous Germany«, die schon früher mit Hackerangriffen auf Rechtsextreme und verschwörungsideologische Akteure auf sich aufmerksam gemacht hat. Die aktuelle Kampagne nennen die anonymen Angreifer »Operation Tinfoil«, also Operation Alufolie.

Anonymous macht sich selbst zum Administrator

Die Gruppe beschreibt in einem Blogeintrag, dass die Aktion gelungen sei, nachdem sich ein ehemaliger Unterstützer und IT-Helfer von Hildmann bei ihnen gemeldet habe. Dieser habe sich inzwischen von Hildmann abgewandt und seinen Zugriff auf Websites und Telegram-Kanäle genutzt, um diese zu übernehmen.

Zumindest bei seinem größten Telegram-Kanal habe Hildmann auch keine Chance, wieder Zugriff zu erlangen, erklärten die Aktivisten. Man habe nun zusammen mit dem IT-Helfer, der den Angriff unterstützt haben soll, die alleinigen Administratorenrechte an dem Kanal, so die Anonymous-Aktivisten auf eine SPIEGEL-Anfrage per E-Mail. Auch über die beiden offiziellen Websites von sich selbst hat Hildmann laut den Aktivisten dauerhaft die Kontrolle verloren. Diese seien zu einem Anbieter transferiert worden, auf den Hildmann keinen Zugriff habe.

In ihrem Blogeintrag schreiben die Anonymous-Aktivisten außerdem, dass sie interne E-Mails von Hildmann erbeutet hätten. Dabei soll es unter anderem um Schriftverkehr mit Lieferanten gehen, die die Geschäftsbeziehungen mit Hildmann überdachten, nachdem dieser wegen seiner extremistischen Äußerungen öffentlich in die Kritik geraten war.

Attila Hildmann hat sich am Montagvormittag in einer Sprachmitteilung in einem kleineren Telegram-Kanal zu Wort gemeldet. Darin bestätigte er die Schilderung der Anonymous-Aktivisten, dass sein ehemaliger IT-Administrator die Zugänge an die Aktivisten weitergegeben haben muss und so die Übernahme seiner Kanäle und Gruppen ermöglicht habe. »Alle meine Kanäle sind jetzt weg. Alle Domains hat sich die Person mit einer Lüge gekapert«, sagte Hildmann. Auch sein Shop sei betroffen, sodass er seine Produkte nicht mehr verkaufen lassen könne.

In Hildmanns großem Hauptkanal auf Telegram prangt weiterhin nur das Video der Anonymous-Aktivisten.