Kampagne gegen Attila Hildmann Twitter löscht deutsches Anonymous-Konto dauerhaft

Anonymous-Aktivsten hatten zum Schlag gegen den Rechtsextremisten ausgeholt, laut Twitter verstießen sie dabei aber gegen die Regeln der Plattform. Hildmann hetzte unterdessen auf Telegram weiter.
Maske im typischen Design der Anonymous-Bewegung: »Wir haben seine Mails«

Maske im typischen Design der Anonymous-Bewegung: »Wir haben seine Mails«

Foto: dapd

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ist seit Montagabend einer der wichtigsten deutschsprachigen Konten der Anonymous-Bewegung gesperrt. Auf dem Konto von »Anonymous Germany« sind keinerlei Tweets mehr zu sehen, es erscheint lediglich der Hinweis, dass das Konto suspendiert sei. Der Account hatte knapp 100.000 Follower.

Die Sperrung erfolgte nur wenige Stunden, nachdem Anonymous-Aktivsten über das Netzwerk Informationen zu ihrer Kampagne gegen Attila Hildmann verbreitet hatten. Mit ihrer »Operation Tinfoil« genannten Aktion haben die Aktivisten Websites und mehrere Telegram-Kanäle von Hildmann übernommen.

Außerdem erklärten die Aktivisten in einem Blogbeitrag auf ihrer Website, dass ihnen zahlreiche interne E-Mails von Hildmann vorlägen, und deuteten dort einige mutmaßliche Inhalte der privaten Nachrichten an. Auf Twitter verbreiteten sie einen Link zu dem Blogbeitrag mit der Aussage: »Wir haben seine Mails.« (Lesen Sie hier mehr zu der Anonymous-Aktion)

Genau diese Aussagen könnten den Aktivisten nun auf Twitter zum Verhängnis geworden sein. Als Begründung der Sperrung erklärte ein Twitter-Sprecher auf Anfrage: »Es ist nicht erlaubt, private Informationen anderer Personen ohne deren Erlaubnis zu tweeten. Dazu gehören auch Inhalte, die illegal erworben oder gehackt wurden.«

Hildmann hetzt gegen IT-Helfer

Tatsächlich versucht Twitter bereits seit einiger Zeit, schärfer gegen die Verbreitung privater oder durch Hacking erworbener Informationen vorzugehen. So sperrte Twitter zeitweise einen Zeitungsartikel der »New York Post«, der sich angeblich auf Material eines Laptops stützte, der Hunter Biden gestohlen worden sein soll. Twitter nahm die Entscheidung später zurück.

Wie damals verwies Twitter im aktuellen Fall auf die eigenen Richtlinien zur Verbreitung von gehacktem Material. Diese Richtlinien verbieten es auch, Links zu verbreiten, die auf fremde Seiten mit gehackten Materialien führen. Als Hack definiert Twitter auch einen nicht autorisierten Zugriff auf Computer oder Netzwerke. Die Anonymous-Aktivisten kritisierten die Sperrung in einem Blogbeitrag und schrieben, dass man trotzdem weitermachen werde. »Der Kern unserer Arbeit ist nicht das Posten auf Twitter«, so die Aktivisten.

Außerdem soll das Anonymous-Konto im aktuellen Fall auch gegen die sogenannten »Richtlinien zu privaten Informationen« und zu »Plattformmanipulation und Spam« verstoßen haben, so ein Sprecher. Die Sperrung des Kontos sei dauerhaft.

Hildmann hetzte unterdessen auf Telegram gegen seinen ehemaligen IT-Helfer, der den Anonymous-Aktivisten dabei geholfen haben soll, seine Konten zu übernehmen und Zugriff auf die privaten E-Mails zu bekommen. Dabei verbreitete der Rechtsextremist auch private Fotos und Informationen. Telegram schritt dagegen bisher nicht ein. Die Plattform ist dafür bekannt, auch extremistische Inhalte nur sehr selten zu löschen.

hpp
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