Auswärtiges Amt Grüne kritisieren die Rückkehr zu Windows

Die Klagen der Mitarbeiter wurden erhört: Das Auswärtige Amt löscht die Linux-Betriebssysteme von den Amtsrechnern und setzt künftig wieder auf Microsofts Windows. Die Opposition wirft der Regierung deswegen Misswirtschaft vor.
Microsoft Windows: Kommerzielle Software kehrt zurück auf die Dienstrechner

Microsoft Windows: Kommerzielle Software kehrt zurück auf die Dienstrechner

Foto: A2800 epa George Frey/ dpa

Hamburg - Teuer, schwer verständlich und aufwendig zu pflegen: Das Auswärtige Amt wird künftig vollkommen auf Linux verzichten und die Arbeitsrechner ausschließlich mit Windows betreiben. Die Opposition hat dafür nun Erklärungen gefordert: Wieso ist das freie Linux im Einsatz teurer als ein kommerzielles Produkt? Die IT-Beauftragte des Bundes hat nun für die Regierung auf die Fragen des Grünen-Politikers Konstantin von Notz geantwortet. In einem 20-seitigen Dokument (PDF)  rechtfertig Cornelia Rogall-Grothe die Umstellung von Linux-Installationen auf das lizenzpflichtige Windows 7.

Der Grund für die Umstellung sei unter anderem, dass einige Mitarbeiter sich vehement darüber beschwert hätten, die lizenzfreien Programme seien schwerer zu bedienen als kostenpflichtige Produkte. Laut Rogall-Grothe habe es mit den freien Mail- und Office-Programmen "erhebliche Beschwerden der Nutzer hinsichtlich Bedienbarkeit, Anwenderfreundlichkeit, fehlender Integration und mangelhafter Interoperabilität" gegeben. Auf einem Linux- Betriebssystem verwalteten die Nutzer ihre E-Mails mit Mozilla Thunderbird und erledigten die Textverarbeitung mit OpenOffice - beliebte Programme, die für diverse Plattformen kostenlos erhältlich sind.

Doch das Projekt ist nun endgültig gescheitert. Gestartet worden war der Systemwechsel unter dem damaligen Außenminister Joschka Fischer von den Grünen im Jahr 2002. Die Rechner im Auswärtigen Amt sollten langfristig vollständig mit Open-Source-Software betreiben werden. Im Jahr 2010 sollten dann alle Amtsrechner in den Ministerien mit freier Software laufen. Der Plan scheiterte, weil die Ministerien sich von der Idee distanzierten, im August vergangenen Jahres kündigte schließlich auch das Auswärtige Amt an, zu Windows zurückzukehren.

Teure Treiber und verärgerte Verbände

Die Schulung der Mitarbeiter sei zu teuer gewesen, schreibt die IT-Beauftragte. Auch, weil die Angestellten seit einigen Jahren im Parallelbetrieb arbeiten und sowohl Linux als auch Windows beherrschen müssen. Probleme habe es mit den Hardware-Treibern gegeben. Treiber für die Linux-Systeme seien zum Teil selber programmiert oder von Drittanbietern eingekauft worden - wohingegen Microsoft meist kostenlose Unterstützung bei Treiber-Problemen angeboten habe.

Mit den Lizenzprodukten Windows 7 und Office 2010 soll jetzt alles besser werden. Mehrkosten entstehen durch die Umstellung laut Bundesregierung keine. Eine flächendeckende Windows-Lizenzierung sei bereits vorhanden, außerdem würden die Ausgaben für Schulungen, Systemanpassungen und die Softwarepflege weniger werden. Diese Kosten würden sich "drastisch reduzieren", heißt es in dem Schreiben.

Die Finanzen seien falsch eingesetzt worden, kritisiert Konstantin von Notz. Das Geld für Lizenzen und Schulungen hätte "auch in die Verbesserung der Open-Source-Lösungen fließen können", schreibt Notz in einem Blogbeitrag . "Dies wäre aus unserer Sicht die weitaus bessere Variante gewesen." Die Unzufriedenheit der Anwender führt er auf veraltete Software-Versionen zurück - und darauf, dass die Mitarbeiter im Doppelbetrieb arbeiten mussten. "Es scheint sich vielmehr zu bestätigen, dass es bei der Leitung des Auswärtigen Amtes offensichtlich keinen politischen Willen mehr gibt, an der bisherigen Open-Source-Strategie festzuhalten."

Auch beim Open-Source-Verband Free Software Foundation Europe (FSFE) kann man die Entscheidung für Microsoft nicht nachvollziehen. "Viele der Antworten zeigen, dass die Bundesregierung entweder wichtige Aspekte freier Software nicht verstanden hat oder dass die Regierung hier bewusst freie Software im Allgemeinen und freie Software-Unternehmen attackiert", sagt Matthias Kirschner von der FSFE.

Regierung weist Lobbyismus-Vorwurf zurück

Die Opposition hatte bereits im vergangenen Jahr wirtschaftliche Einflüsse hinter dem Rückzug vermutet. Die SPD stellte damals eine Anfrage an die Regierung (PDF) , um zu erfahren, ob es nicht viel teurer sei, auf Microsoft-Produkte umzusteigen. In der Antwort hieß es: "Es entstehen keine mittelbaren Kosten." Man erwarte sogar Effizienzgewinne, sobald man wieder "standardisierte Software-Produkte" einführe.

Auch die Grünen lassen die Möglichkeit anklingen, ob man das Unternehmen Microsoft vielleicht damit "fördern" wolle. Doch die Regierung weist diesen Vorwurf zurück. "Nein, die Bundesregierung plant nicht, die Stellung marktbeherrschender Unternehmen im IT-Bereich aktiv zu stärken", schreibt Cornelia Rogall-Grothe.