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25. Juli 2012, 15:01 Uhr

Asylantrag des WikiLeaks-Mitgründers

Ex-Richter Garzón vertritt Assange

Der spanische Jurist Baltasar Garzón vertritt Julian Assange bei seinem Asylantrag in Ecuador. Garzón wurde in Spanien vom Obersten Gericht mit einem Berufsverbot belegt, weil er Gespräche von Verdächtigen mit ihren Anwälten abhören ließ.

London - WikiLeaks-Gründer Julian Assange lässt sich bei seinem Asylverfahren in Ecuador von dem bekannten spanischen Anwalt Baltasar Garzón vertreten. Das teilte der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patino am Dienstag in Quito mit. Der Minister begrüßte die Verpflichtung Garzóns, der zusammen mit Kollegen die Reform des Rechtssystems in dem Andenstaat als Beobachter begleitet. Nicht-Regierungsorganisationen bewerten die Bürgerrechtssituation in Ecuador als negativ.

Assange hält sich seit dem 19. Juni in die Botschaft Ecuadors in London auf, weil er von Großbritannien nach Schweden ausgeliefert werden soll. Assange hat Asyl in dem südamerikanischen Land beantragt. Er entging mit seiner Flucht in die Botschaft einer Auslieferung nach Schweden. Dort will die Staatsanwaltschaft Assange zu Vorwürfen befragen, er habe zwei Frauen im Sommer 2010 sexuell belästigt und eine von ihnen vergewaltigt. Assange bestreitet dies. Nach Angaben der Londoner Polizei kann Assange sofort festgenommen werden, sobald er die Botschaft Ecuadors verlässt.

Assange fürchtet, von Schweden an die USA ausgeliefert zu werden - wobei die Auslieferung dort komplizierter sein dürfte als in Großbritannien. Es gibt Hinweise, dass US-Behörden an einer Anklage gegen den WikiLeaks-Gründer arbeiten, womöglich liegt auch bereits eine geheime, "versiegelte" Anklage vor.

Der spanische Jurist Garzón hatte unter anderem 1998 den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet angeklagt. Er bekam im Februar nach einem umstrittenen Prozess ein elfjähriges Berufsverbot als Untersuchungsrichter, weil er in einem Korruptionsskandal in der konservativen Volkspartei (PP) Gespräche von Verdächtigen mit Rechtsanwälten hatte abhören lassen.

lis/dpa/Reuters

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