Reaktion auf Kritik Bayer stoppt Gesichtserkennung in Apotheken

Nach Protesten von Datenschützern beendet der Pharmakonzern Bayer die Gesichtserkennung in Apotheken. Das Thema ist dem Pharmakonzern zu kontrovers.
Passantin vor einer Apotheke

Passantin vor einer Apotheke

Foto: Arno Burgi/ dpa

Wenige Tage nach den ersten Berichten  über Gesichtsscanner in zwei Österreicher Apotheken hat Bayer Austria den Einsatz der Geräte wieder gestoppt. Die Scanner hatten Alter und Geschlecht von Apothekenkunden erfasst.

"Wir wollten einen innovativen Weg gehen, haben aber gesehen, dass das Thema kontroversiell wahrgenommen wird", erklärt der Pharmakonzern auf seiner Website . Deshalb möchte man das Pilotprojekt mit sofortiger Wirkung beenden.

Die Gesichtsscanner waren zunächst testweise in zwei Apotheken platziert worden. Sie waren mit Werbedisplays ausgestattet, die auf Alter und Geschlecht des Kunden angepasste Werbung anzeigen sollten. Symbole auf den Scannern und ein Aushang sollten Kunden darauf hinweisen, dass sie gerade gefilmt werden.

Dieser Gesichtsscanner ist künftig nicht mehr im Einsatz

Dieser Gesichtsscanner ist künftig nicht mehr im Einsatz

Foto: Bayer Austria

Wie Bayer Austria auf Anfrage bestätigte, wurden die Daten nicht gespeichert und nur lokal verarbeitet; trotzdem waren die Geräte mit dem Internet verbunden. Die Aufnahmen der Kunden seien gelöscht worden, nachdem ihnen ein Zahlenwert zugeordnet worden war, hieß es weiter.

Eindringen in die Privatsphäre

Einen Einsatz der Gesichtsscanner in Apotheken in Deutschland hatte der Konzern zunächst nicht ausgeschlossen - das wolle man unter anderem von den Erfahrungen in Österreich abhängig machen, hieß es noch am Freitag. Diese Frage hat sich nun offenbar geklärt. Nach dem Abbruch des Tests ist mit einem Einsatz der Geräte in Deutschland bis auf Weiteres wohl nicht zu rechnen.

Die Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage hatte die Gesichtserkennung als ungefragtes Eindringen in die Privatsphäre bezeichnet. Wer nicht überwacht werden wolle, müsste woanders einkaufen, kritisierte eine Sprecherin. "Diese Friss-oder-Stirb-Mentalität nimmt uns das Recht unbeobachtet dort einzukaufen, wo es uns passt."

Der im Eilverfahren gestoppte Test erinnert an den Fall der Supermarktkette Real. Diese hatte, "Heise Online" zufolge , im Sommer rund 40 Filialen mit Gesichtsscannern ausgestattet - und ebenso nach Protesten klein beigegeben.

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