Wahlproteste Belarussische Organisationen klagen über massive Netzstörungen

Viele Menschen in Belarus können derzeit nicht wie gewohnt auf Social-Media-Apps zugreifen - Twitter bestätigt, in dem Land von einer Netzsperre betroffen zu sein. Soll damit der Protest erschwert werden?
Zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kam es am Montagabend in Belarus landesweit zu Zusammenstößen

Zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kam es am Montagabend in Belarus landesweit zu Zusammenstößen

Foto: Valery Sharifulin/ imago images/ITAR-TASS

Während der Proteste gegen die Präsidentenwahl in Belarus gibt es offenbar weiterhin massive Einschränkungen des Internets. Die Nichtregierungsorganisation NetBlocks zeigte in einer Echtzeitkarte , dass es auch am Tag nach der Wahl überall im Land zu Netzstörungen kam. Das Problem habe auch noch am Montagabend bestanden, schrieb  die Organisation, die Internetblockaden mithilfe von Netzwerkdaten technisch analysiert. Regierungskritiker nehmen an, dass staatliche Stellen für die Netzstörungen verantwortlich sind.

Von den Störungen seien unter anderem Social-Media-Dienste wie YouTube, Instagram, Twitter, Facebook, Viber, die russische Facebook-Alternative Vkontakte und der Messengerdienst Telegram betroffen, heißt es in einem offenen Brief  an mehrere Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, den zehn belarussische Nichtregierungsorganisationen verfasst haben. Die Gruppen forderten von den Uno-Berichterstattern, sich an die Regierung von Präsident Lukaschenko zu wenden, um von ihr ein Ende der Netzsperren verlangen.

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Der Kurznachrichtendienst Twitter bestätigte, in Belarus von Netzsperren betroffen zu sein. Das Unternehmen teilte am Montagabend deutscher Zeit mit, dass der eigene Dienst aktuell in Belarus geblockt und gedrosselt werde. "Internetsperren verletzen grundlegende Menschenrechte und widersprechen den Prinzipien des offenen Internets", schrieb das Unternehmen in einem Tweet .

Die Netzstörungen betreffen laut NetBlocks sowohl den Mobilfunk als auch Kabelverbindungen. Offenbar ist das Netz allerdings nicht immer vollständig gesperrt: Teilweise handelt sich wohl nur um Drosselungen oder Sperren, die einzelne Dienste betreffen.

"Diese Revolution passiert offline", kommentierte die Journalistin Hanna Liubakova die Netzsperren auf Twitter. Ihr Internetzugang in Minsk sei am Montagabend um 7 Uhr ausgefallen, so Liubakova.

Ein typisches Mittel zum Umgehen von Netzsperren sind sogenannte VPN-Dienste. Damit werden Verbindungen so umgeleitet, dass bestimmte Sperrtechniken ineffektiv sind. Die Nichtregierungsorganisation Access Now berichtet allerdings, dass in Belarus seit Sonntagabend auch beliebte VPN-Dienste von den Netzstörungen betroffen seien.

Auch die Journalistin Liubakova berichtete von Problemen mit verschiedenen VPN-Diensten. Am Montagabend teilte sie per Twitter aber auch mit, dass sie einen anderen Weg gefunden habe, trotz der Störungen weiter mit dem Netz verbunden zu sein.

Lukaschenko gibt Ausland die Schuld

Laut dem Techmagazin "Wired" macht Präsident Lukaschenko ausländische Stellen für die Netzsperren verantwortlich. Belarussische Behörden sprachen demnach von angeblichen DDoS-Angriffen. Bei solchen Hackerangriffen kann eine künstlich erzeugte Masse an Anfragen das Netz zeitweise in die Knie zwingen. Üblich sind solche Angriffe allerdings auf einzelne Websites, während in Belarus die gesamte Internetinfrastruktur betroffen scheint. NetBlocks-Chef Alp Toker sagte "Wired" , dass es keine Hinweise auf eine solche DDoS-Attacke gäbe. Der große belarussische Mobilfunkanbieter A1 machte am Sonntag in einem Tweet  lediglich allgemein Gründe außerhalb der Kontrolle des Unternehmens für die Netzprobleme verantwortlich.

Alp Toker sagte, dass die Netzsperren auf Blockaden auf der grundlegenden Netzebene zurückzugehen scheinen. Ein feineres Filtersystem gegen einzelne Anwendungen, wie dies bei Netzsperren in anderen Ländern zu beobachten gewesen sei, scheine in Belarus bisher nicht genutzt zu werden.

Sowohl Mobilfunk als auch Internetanbindungen werden in Belarus zwar von privaten Unternehmen angeboten, sie laufen aber über eine vergleichsweise zentralisierte Infrastruktur, die den Behörden an mehreren Stellen einen Zugriff zu ermöglichen scheint. So nutzen die Mobilfunkanbieter laut Medienberichten für LTE beispielsweise die Infrastruktur des Staatsunternehmens beCloud.

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