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Utah: Die NSA und ihr Mammut-Datencenter

Foto: Patrick Semansky/ AP/dpa

Daten-Überwachungszentrum in Utah Festung der Cyberspione

Die NSA ist der wohl größte Informationssammler, mit dem Prism-Programm soll der US-Geheimdienst weltweit Internetnutzer ausspähen. Um die Datenberge auszuwerten, errichten die Cyberspione einen gigantischen Server-Komplex in der Provinz von Utah.

Bluffdale im US-Bundesstaat Utah gehörte in der Vergangenheit eher nicht zu den Orten, die Immobilienspekulanten magisch anzogen. Die 7500-Einwohner-Gemeinde, 20 Meilen vor den Toren von Salt Lake City gelegen, hatte bisher vor allem jede Menge freie Fläche zu bieten. Wer dort lebte, pendelte in die Stadt. Für regen Durchgangsverkehr sorgten ansonsten die Überlandrouten für den Schwerlastverkehr.

Wer jedoch heute in Bluffdale ein Haus kaufen will, muss für eine kleine Hütte 250.000 Dollar hinlegen, zahlreiche Objekte stehen derzeit für eine halbe Million Dollar und mehr zum Verkauf . Die Gemeinde dürfte in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Ab Herbst 2013 wird man an der University of Utah sogar Bachelor- und Master-Studiengänge belegen können, die ihre Absolventen ganz gezielt auf Jobs vorbereiten wollen, die gerade in Bluffdale entstehen .

Denn dort baut der US-Geheimdienst NSA das "Intelligence Community Comprehensive National Cybersecurity Initiative Data Center" auf. Die Baustelle ist militärisches Sperrgebiet, das lückenlos über- und bewacht wird. Allein die kleine Festung, die als Pförtnerhaus des weiträumig abgezäunten Geländes dient, soll 14 Millionen Dollar gekostet haben. Das Areal liegt neben Camp Williams, einem Traningscamp der Nationalgarde. Mehr bis an die Zähne bewaffnetes Personal, das man im Notfall zu Hilfe rufen kann, kann man sich kaum wünschen.

Wie immer, wenn es um die NSA geht, weiß man nicht allzu viel über die Details. Aber schon das, was bekannt ist, macht die Dimensionen des Projekts klar: In Bluffdale entsteht ein Datenzentrum von weltweit bisher unerreichter Größe - mutmaßlich zur Auswertung dessen, was als "Project Prism" derzeit Schlagzeilen macht. Dahinter verbirgt sich ein gigantisches Schnüffelprogramm der NSA. Der US-Geheimdienst greift laut Presseberichten massenhaft Informationen von großen Internetdiensten wie Google, Facebook, Microsoft, Apple oder Yahoo ab. Die Unternehmen bestreiten, den Behörden einen direkten Zugang zu ihren Systemen zu gewähren.

Die auszuwertende Datenmenge wäre gigantisch. Und genau da kommt das Projekt in Bluffdale ins Spiel. Je nach Quelle  wollen US-Medien herausgefunden haben, soll der Bau nach Fertigstellung 100.000 bis 150.000 Quadratmeter Raum für Server bieten. 65 Megawatt Strom soll die Anlage fressen und 4500 Liter Kühlwasser brauchen - pro Minute. Die Baukosten werden auf 1,5 bis zwei Milliarden Dollar geschätzt. Man weiß nicht sicher, ob die Kosten für die IT-Hardware darin schon eingerechnet wurden.

Vollüberwachung der weltweiten Kommunikation

Die soll in Kürze Speicherplatz für ein Yottabytes an Daten bereitstellen, was einer Billion Terabyte entspricht und nicht nur darum schier unvorstellbar groß ist. Man will sich auch nicht vorstellen, was die NSA dort damit will: Weite Teile der elektronischen Kommunikation der Welt sollen wohl erfasst und analysiert werden.

Die NSA wurde einst als Geheimdienst zur elektronischen Fernaufklärung gegründet. Sie gehörte zu den Pionieren bei der Entwicklung von Überwachungssystemen, die Telefonate, Faxe, E-Mails und Internet-Datenverkehr mit Hilfe von Filtern nach definierten Themen durchsuchen konnten.

Den Traum von der Internet-Vollüberwachung träumen NSA wie FBI seit langer Zeit. Ihr geplantes "Carnivore"-System scheiterte Ende der neunziger Jahre an öffentlichem Widerstand - die Amerikaner fanden es empörend, dass nicht nur das Ausland, sondern auch sie selbst zum Objekt der Überwachung werden sollten. Wirklich eingestellt wurde es wohl nicht, darauf deuteten zahlreiche Datenskandale der vergangenen Jahre hin.

Von Spionage über Terrorprävention zur Vollüberwachung

Über das jahrzehntelang unter anderem von der NSA betriebene "Echolon"-System regten sich dann eher andere auf. Mit "Echelon", im Kalten Krieg ursprünglich zur Feindbeobachtung aufgebaut, betrieben die Amerikaner unter anderem Industriespionage - auch bei ihren Partnern in der EU.

Schon vor mehr als einem Jahrzehnt soll die NSA über die Kapazität verfügt haben, sämtliche interkontinentalen Gespräche abhören zu können. Als das im September 2001 im EU-Parlament zum Eklat führte und "Echolon" angeblich eingestellt wurde, gab es bald darauf eine neue Rechtfertigung für die Fortführung und Intensivierung der Überwachungsbemühungen. Die Terrorprävention rechtfertigt seitdem die Mittel. Eigens geschaffene Gesetze verschafften der NSA auf dem Umweg über das kooperierende FBI offenbar Zugang zu den Kommunikationsknotenpunkten der führenden Internet-Unternehmen. Der Prozess gipfelt nun im "Project Prism".

Man braucht dann nur noch einen Ort, an dem die Kapazitäten für die Zwischenspeicherung und Analyse der Datenflut zur Verfügung stehen. Das soll in Bluffdale angeblich schon ab September 2013 der Fall sein.

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