Journalist soll Hackern geholfen haben Glenn Greenwald wegen Cyberkriminalität angeklagt

Dem Enthüllungsreporter wird vorgeworfen, er habe geholfen, die Handys hochrangiger brasilianischer Beamter zu hacken. Der Führung des Landes ist Greenwald schon lange unbequem.
Der Journalist Glenn Greenwald in Rio de Janeiro

Der Journalist Glenn Greenwald in Rio de Janeiro

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SERGIO MORAES/ REUTERS

Die Bundesstaatsanwaltschaft in Brasília hat gegen den in Brasilien lebenden amerikanischen Journalisten Glenn Greenwald und sechs weitere Personen Anklage erhoben. Greenwald wird vorgeworfen, Personen "direkt geholfen, ermutigt und angeleitet" zu haben, die Handys von hochrangigen Beamten zu hacken. Zu den Zielen des Angriffs sollen Justizminister Sergio Moro und Staatsanwalt Deltan Dallagnol, der Leiter der Anti-Korruptionsoperation "Lava Jato" (Autowäsche) gehört haben. Die von Greenwald mitgegründete Enthüllungsplattform "The Intercept" veröffentlichte private Chat-Nachrichten der Beamten.

Diese erweckten den Eindruck, dass sich Richter und Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen gegen den ehemaligen linken Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva illegal abgesprochen haben könnten. Durch die daraus folgende Inhaftierung Lulas, der damals in den Umfragen geführt hatte, war für den rechten Politiker Jair Bolsonaro der Weg zum Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 2018 in Brasilien frei geworden.

Greenwald hatte sich vor Jahren einen Namen gemacht, als er maßgeblich an der Aufarbeitung der Unterlagen des Informanten Edward Snowden zur weltweiten Internetüberwachung des US-Geheimdienstes NSA beteiligt war. Die Vorwürfe gegen ihn wies der US-Bürger, der mit dem brasilianischen Parlamentsabgeordneten David Miranda verheiratet ist, am Dienstag auf Twitter  heftig zurück. Es handle sich um "einen offensichtlichen Versuch, die freie Presse als Vergeltung für die Enthüllungen, die wir über Minister Moro und die Regierung Bolsonaro gebracht haben, anzugreifen".

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Als scharfer Kritiker Bolsonaros und offen schwul lebender Mann ist er eine stark polarisierende Figur im politisch tief gespaltenen und zunehmend evangelikal-konservativ geprägten Brasilien.

Alan Rusbridger, ehemaliger Chefredakteur der britischen Zeitung "The Guardian", unter dessen Führung auch die Snowden-Dokumente veröffentlicht wurden, sieht in der Anklage gegen Greenwald Parallelen zu den Vorwürfen, mit denen Julian Assange belastet wird. So wie Assange quasi zum Hacker erklärt wurde, weil er seinerzeit Chelsea Manning geholfen haben soll, geheime Daten des US-Militärs abzugreifen, werde nun auch Greenwald zum Hacker gemacht. Er fürchtet, diese Methode, Journalisten zu kriminalisieren, könnte Schule machen.

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mak/dpa