Bußgelder bis zu 100.000 Euro Schluss mit der Warteschleifen-Abzocke

Festpreis oder kostenlos - ab Juni gelten neue Regeln für Warteschleifen. Damit will die Bundesnetzagentur überhöhte Rechnungen verhindern. Unternehmen, die sich nicht daran halten, drohen hohe Strafgelder. Kritiker monieren allerdings, es gebe noch immer Schlupflöcher.
Telefon-Warteschleife: Ab dem 1. Juni ändern sich die Regeln

Telefon-Warteschleife: Ab dem 1. Juni ändern sich die Regeln

Foto: DPA

Berlin/Hamburg - Die Schonzeit ist vorbei: Am 1. Juni treten Neuregelungen für kostenlose Warteschleifen in Kraft. Sie sollen Verbraucher vor unerwartet hohen Kosten schützen, wenn sie Service-Hotlines anrufen. Ab dann dürfen Kunden bei Sonderrufnummern wie 0180 oder 0900 nur noch dann in die Warteschleife geschickt werden, wenn für den Anruf ein Festpreis gilt oder die Wartezeit für den Anrufer kostenfrei bleibt. Auch bei normalen Ortsvorwahlen und Gratis-Nummern bleiben Warteschleifen erlaubt.

Verbraucherschützer beklagen seit längerem, dass in Warteschleifen teils Kosten von mehreren Euro zusammenkommen. Seit dem 1. September gilt eine Übergangsregelung, wonach die ersten zwei Minuten einer Warteschleife kostenlos sein müssen. Dabei ist es egal, ob der Kunde aus dem Festnetz oder vom Mobiltelefon aus anruft. Sobald der Anruf entgegengenommen und bearbeitet wird, kann er normal abgerechnet werden. Die Änderungen sind Teil einer Reform des Telekommunikationsgesetzes, die 2012 beschlossen worden war.

Mit der Umsetzung der zweiten Stufe der Neuregelung dürfen nun auch spätere Warteschleifen nichts kosten, wenn der Anrufer im Laufe eines Telefonats weitergeleitet wird. Bei Service-Nummern müssen Verbraucher künftig auch gleich zu Beginn informiert werden, wie lange die Schleife voraussichtlich dauern wird. Angesagt werden muss auch, dass ein Festpreis für den Anruf berechnet oder die Schleife kostenlos sein wird.

Einige Anbieter nutzen eine Lücke in der Regelung

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, mit dem jahrelangen Ärgernis kostspieliger Warteschleifen solle jetzt Schluss sein. "Die Telekommunikationsbranche hatte mindestens acht Monate Zeit, sich umzustellen", sagte sie. Anrufer sollten für Nichtleistung nicht zahlen müssen.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn sagte, die Regelung gehe in die richtige Richtung, da horrende Kosten nicht mehr möglich seien. Sie wies allerdings darauf hin, dass Dialog-Ansagen mit einem Auswahlmenü weiterhin etwas kosten könnten. Dies sei "eine große Lücke, die die vielen schwarzen Schafe in der Branche ausnutzen werden". Einige Anbieter hätten solche Ansagen bereits verlängert.

Bußgelder bis zu 100.000 Euro

Anbietern, die sich nicht an die neuen Regeln halten, drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. "Sollten Unternehmen die Regelungen nicht umsetzen, werden wir dies entsprechend verfolgen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann.

Zur Umsetzung der neuen Regeln hat die Behörde die Rufnummernbereiche 0180-6 und -7 eingerichtet, welche die Voraussetzungen zur Einführung kostenloser Warteschleifen erfüllen. "Durch die neuen Rufnummern haben wir die Unternehmen bei der Umsetzung der gesetzlichen Regelungen unterstützt. Einige Unternehmen nutzen jetzt die neuen Nummern, andere haben ihre Dienste auf Ortsnetzrufnummern umgestellt", sagte Homann.

Zudem bittet die Behörde Betroffene um ihre Mithilfe. Wer eine rechtswidrige Warteschleife entdeckt, wird gebeten, die Bundesnetzagentur unter der Rufnummer 0291-9955-206 oder per E-Mail an rufnummernmissbrauch@bnetza.de zu informieren.

mak/dpa